Oktober 30

Cryonic 1: Der Dämon erwacht – Vitali Sertakov

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Stell dir vor du erwachst aus einem tiefen Schlaf und die Welt hat sich verändert. Du weißt, wie lange du geschlafen haben solltest, doch kommt es dir letztendlich viel länger vor. Mutterseelenallein wanderst du durch diese neue Welt auf der Suche nach Antworten und schon bald auf der Flucht vor neuen Gefahren.
Während Artur Kowal geschlafen hat, hat sich seine Welt verändert. Die Apokalypse ist eingetreten und nur ein Bruchteil der Menschheit hat diese überlebt und sich neu sortiert. Mit seinem Wissen und seinen Erinnerungen wirkt er wie ein Relikt aus längst vergangener Zeit. Doch schnell bekommt er ungewollt eine neue Aufgabe, denn es geht nach wie vor um das Überleben der Menschheit.

Wenn man sich die offizielle Buchbeschreibung durchliest erwartet man als Leser von Cryonic 1 einen SciFi-Horror-Endzeitroman, jedenfalls erging es mir so. Davon sollte man jedoch nicht ausgehen. Natürlich spielt ein gewisses Endzeitszenario seine Rolle, wir befinden uns jedoch die meiste Zeit eher in einer neuen Zukunftsgesellschaft. Mit Science-Fiction hat das Buch auch nur zu Beginn etwas zu tun, da die kryonische Kapsel existiert, die derzeit in diesem Ausmaß noch nicht entwickelt wurde. Ansonsten hat sich die Menschheit eher zurückentwickelt. Auch der Horror ist nicht wirklich vorhanden. Es gibt zwar einige erschreckende Mutationen, jedoch sind diese wie auch der meiste Rest des Buches für mich eher in das Genre der Fantasy zu stecken. Auch wenn ich daher etwas ganz anderes von diesem Buch erwartet habe, so hat mir die Geschichte doch gut gefallen. Cryonic 1 ist für mich vielmehr ein mögliches Zukunftsbild mit magischen und phantastischen Elementen.

Vitali Sertakov erzählt in diesem Auftakt einer Serie aus der Sicht von Artur Kowal, der sich aus anfangs unbekannten Gründen für 20 Jahre in einen kryonischen Schlaf versetzen ließ. Aus diesen 20 Jahren sind jedoch 120 geworden und er findet sich nach dem Aufwachen vollkommen allein in dem heruntergekommenen, verstaubten Institut wieder, wo er schon bald auf mumifizierte Leichen, ehemalige Kollegen trifft. Sertakov versteht es hier und auch im weiteren Verlauf des Buches sehr gut die innere Gedankenwelt von Kowal wiederzugeben, er verliert sich jedoch auch hin und wieder in dieser, so dass gewisse Längen auftreten.

Die Geschichte erzählt von einer möglichen Zukunft der Menschheit in einer dezimierten, verseuchten Welt, in der es auch Magie zu geben scheint. Sertakov verwebt Fantasy und auf den ersten Blick Dystopie geschickt miteinander, jedoch sind mir auch hier einige Ungereimtheiten aufgefallen. Allen voran: Zu Beginn des Buches läuft jeder Mensch mit Mundschutz herum um sich nicht zu verseuchen, doch auf einmal wird dies gar nicht mehr erwähnt. Schließlich wird Jahre später spontan angemerkt, dass nun anscheinend niemand mehr mit Mundschutz herumzulaufen braucht. Warum, wieso, weshalb?
Trotzdem ist die Geschichte spannend erzählt und beinhaltet sogar kritische Ansichten zu Moral, Politik und die neue Einstellung. Kowal bewertet seine neue Welt an seinen veralteten Maßstäben und Dinge wie Menschenhandel, Sklaverei und Diktatur erscheinen ihm verwerflich. Er scheint mit dieser Meinung jedoch alleine dazustehen. Zudem bekommt die Geschichte durch ihren Fortlauf auch eine ökologische Schiene, so dass sie inhaltlich mit vielen Denkanstößen daherkommt. Dies hat mir gut gefallen.

Für mich war “Cryonic 1 – Der Dämon erwacht” zwar eine Überraschung, da ich etwas anderes erwartet hatte, jedoch habe ich das Buch trotz seiner leichten Mängel gerne gelesen. Mit dem in Bezug gestellten “Metro 2033” von Dmitry Glukhovsky kann es zwar nicht mithalten, mich interessiert die Geschichte jedoch nach wie vor, so dass ich mir auch den zweiten Band zulegen werde, sobald dieser verfügbar ist.
Übrigens gibt es im Anhang eine Leseprobe zu Band 2.
Ich würde dieses Buch daher jedem empfehlen, der mit russischer Fantasyliteratur klarkommt und hier gerne eine neue, spannende Geschichte entdecken möchte, bei der man hier und da einfach mal ein Auge zudrücken muss.

“Cryonic: Der Dämon erwacht” von Vitali Sertakov aus dem Piper-Verlag, 512 Seiten, ISBN-13: 978-3492703079
Buch bei amazon.de: Cryonic: Der Dämon erwacht (Cryonic 1)


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Posted 30. Oktober 2013 by Chrissie in category Buchrezension

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