Oktober 13

Blut (Skeleton Crew) – Stephen King

Blut, oder auch Skeleton Crew, ist eine Kurzgeschichtensammlung von King aus den frühen 80er Jahren. Auf einige Geschichten aus diesem Buch war ich schon sehr gespannt. Ich möchte folgend nun kurz alle Geschichten kurz anreißen. Allgemein hat mir diese Sammlung ganz gut gefallen. Es gab bis auf eine Ausnahme keine Geschichte, der ich volle 5 Sterne verliehen hätte, ansonsten lösten sich gute und sehr gute Geschichten für mich ab. Daher insgesamt ein Buch, welches ich mit 3,5 Sternen (also zwischen gut/OK und sehr gut angesiedelt) bewertet habe.
Grandios ist hier Kings Vorwort zu erwähnen, welches einfach nur der Hammer ist. Zudem mag ich seine eigene Einschätzung, nachdem er unter einer Art literarischer Elefantiasis leidet (weil er in seinen Geschichten ja oft abschweift bzw. diese sehr aufbläht). Herrlich.

Der Nebel
Mit dieser gar nicht so wirklich kurzen Kurzgeschichte beginnt diese Sammlung und fährt gleich einen Trumpf auf. Aus der Ich-Perspektive wird die Geschichte eines Vaters erzählt, der zusammen mit seinem Sohn in einem Supermarkt von einem seltsamen Nebel überrascht wird, der die Welt aller Eingeschlossenen komplett auf den Kopf stellt. Sowohl Monsterhorror als auch die psychischen Abgründe der Menschheit werden exzellent dargestellt und erschaffen eine düstere, bedrückende Geschichte, die auch schon sehr genial verfilmt wurde. Stephen King ärgerte sich bei dieser Verfilmung, dass ihm das Ende nicht derart eingefallen war und ich kann dies verstehen. “Der Nebel” als Geschichte ist toll mit einem guten Ende, aber das Ende der Verfilmung ist schlichtweg genial.

Hier seyen Tiger
Nur wenigen Seiten lang erscheint diese Kurzgeschichte wie ein kleiner, grausamer Blick in die Ängste einen Schuljungen bezüglich eines Tigers in der Schultoilette.

Der Affe
Titelbildgebend ist diese Kurzgeschichte typisch King. Gruselig, erschreckend und mit einem Ende, dem ein unschöner Beigeschmack beiwohnt. Immer, wenn der kleine, dämonisch wirkende Spielzeugaffe seine Schellen schlägt, muss jemand sterben – und Hal schafft es nicht, ihn loszuwerden. Tsching-tsching-tsching.

Kains Aufbegehren
Erinnerte mich eher an Bachman, das Pseudonym von King. Hart, brutal, schonungslos – mehr möchte ich nicht verraten.

Mrs. Todds Abkürzung
Die erste Kurzgeschichte, die keinen Horror enthält, sondern einen leicht melancholischen Rückblick auf eine Dame bereithält, die immer auf der Suche nach der schnellsten Abkürzung ist. Hat mir schreibtechnisch sehr gut gefallen und kommt natürlich auch nicht ohne Übersinnliches aus.

Der Jaunt
Die erste SciFi-Geschichte aus diesem Band, in der es um die erste Teleportation einer Familie aus der Zukunft geht. Eher ruhig daherkommend schwingt doch immer eine gewisse Vorahnung mit, welche auf den letzten Seiten schreckliche Gewissheit wird. Eher langatmig, aber der Schluss war toll.

Der Hochzeitsempfang
Im frühen 20. Jahrhundert soll eine Band auf der Mafiosohochzeit eines lokalen Bosses spielen. Diese ist natürlich nicht unbedingt als normal zu bezeichnen. Fand ich eher durchschnittlich.

Paranoid: Ein Gesang
Wie der Name schon sagt der Kingsche Versuch einen Gesang zum Thema Paranoia eines Mannes aufzuschreiben. Ich weiß nun nicht, was in der Übersetzung verloren ging, konnte mich jedoch nicht überzeugen. Schuster, bleib bei deinen Leisten und schreibe deine literarische Elefantiasis weiter. 🙂

Das Floß
Für mich die beste Geschichte aus der gesamten Sammlung. 4 Collagefreunde beschließen im Oktober leicht angeheitert ein letztes Mal für dieses Jahr auf ein Floß in einem See herauszuschwimmen. Doch sie sind nicht alleine in diesem Gewässer. Erschreckend, gruselig und schlimm – ich hab es sehr genossen.

Der Textcomputer der Götter
Bescheuerter Titel, wie ich finde, aber die Geschichte war ganz gut. Ein Mann bekommt von seinem verstorbenen Neffen einen selbstgebastelten Computer geschenkt (Achtung: Wir befinden uns am Anfang der 80er Jahre), der ein ungewöhnliches Talent birgt. Wirft die Frage auf: Was würde ich tun, wenn ich die Welt verändern könnte und würde ich auch mit den Konsequenzen leben können?

Der Mann, der niemand die Hand geben wollte
Der Titel sagt es schon. In einer Pokerrunde taucht ein neues Gesicht auf und dieser Mann will niemandem die Hand geben. Warum? Es könnte Folgen nach sich ziehen… Hat mir durchschnittlich gefallen, mir war eigentlich sofort klar, worum es geht.

Dünenwelt
Die zweite SciFi-Geschichte in diesem Band, mit welcher ich jedoch nur wenig anfangen konnte. Ein Raumfrachter muss in der Zukunft auf einem Planeten landen, der nur aus Sand zu bestehen scheint. Doch warum verändert sich dann einer der beiden Überlebenden drastisch? War wirklich nicht meins.

Das Bildnis des Sensenmanns
Ein Kunsthändler möchte einen seltenen Spiegel erwerben und hört nicht auf die warnenden Worte des Verkäufers, was die Vorgeschichte dieses Objekts betrifft. Eine gute Geschichte, die ich mir ausgebauter und länger gewünscht hätte. Birgt für mich auf jeden Fall Potential.

Nona
Ein junger Außenseiter begegnet in einer Raststätte Nona und zusammen gehen sie auf einen Tripp, der sein Leben verändern wird. Sehr schön, hat mir sehr gut gefallen. Gruselige Schauer inklusive. Liebst du?

Für Owen
Ich glaube für dieses kurze Gedicht fehlen dem geneigten Leser einfach Hintergründe. Man erahnt, dass sie als Gedanken zu seinem Sohn Owen und einer bestimmten Begebenheit niedergeschrieben wurde, doch eigentlich ließen sie mich nur etwas ratlos zurück.

Überlebenstyp
Auf diese Geschichte habe ich mich im Vorfeld schon sehr gefreut, denn es geht um Selbstkannibalismus. Im Nachhinein fand ich sie gut, hab mir aber mehr erhofft.

Onkel Ottos Lieferwagen
Wieder so eine Kurzgeschichte, die ich mir weiter ausgearbeitet auch gut als langen Roman hätte vorstellen können. King scheint Fahrzeuge generell gruselig zu finden, denn auch dieser Lieferwagen hat so seine Tücken.

Morgenlieferungen (Milchmann 1)
Eine Kurzgeschichte, wie sie im Buche steht. Man begleitet den Milchmann auf seiner allmorgendlichen Tour und mehr verrate ich nicht. War ganz gut.

Große Räder: Eine Geschichte aus dem Wäschereigeschäft (Milchmann 2)
Für mich ein typisches Beispiel des aufgeblähten Schreibens von King. In einem Roman wäre noch viel danach gekommen, doch hier platzt die Blase leider erst gegen Ende, so dass die eigentliche Geschichte meiner Meinung nach zu kurz kommt. Trotzdem OK.

Omi
Ein Junge muss auf seine totkranke Großmutter aufpassen, weil seine Mutter zu seinem Bruder ins Krankenhaus muss. Er hatte schon immer Angst vor seiner Omi. Zurecht?
Hat mir gut gefallen. Eigentlich wenig Handlung, doch viel inneres Gefühlsleben und einfach ein fieser Schluss. Sehr gut und gekonnt.

Die Ballade von der flexiblen Kugel
oder auch ein Schriftsteller dreht durch. Fornit bitte Fornes.
Manchmal fiel es mir hier etwas schwer der Geschichte gut folgen zu können, ich weiß nicht, woran es lag. Dennoch hat sie mir im Grunde gut gefallen.

Die Meerenge
Eine alte Frau, die ihre Insel nie verlassen hat, macht sich auf ihren letzten Weg.
Hat mir ganz gut gefallen, auch wenn ich mit den zwei Erzählperspektiven anfänglich meine Probleme hatte.

Für mich alles in allem nicht die beste Kurzgeschichtensammlung von King, trotzdem lohnen sich einige Geschichten definitiv gelesen zu werden. Was man hier auch angeben muss: King schreibt hier bis auf “Der Nebel” tatsächlich Kurzgeschichten, die sich im Rahmen von meistens 50 – 70 Seiten befinden, manchmal sogar weniger. Für mich war dies eher ungewohnt, da ich aus seinen anderen Sammlungen eher Kurzgeschichten von 150 – 300 Seiten gewohnt war. Ich mag King definitiv lieber, wenn er Romane schreibt.

“Blut (Skeleton Crew)” von Stephen King aus dem Heyne-Verlag, 896 Seiten, ISBN-13: 978-3453437319

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Posted 13. Oktober 2013 by Chrissie in category Buchrezension

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