September 25

Tagebuch der Apokalypse 3 – J.L. Bourne

Der dritte und derzeit vermeindlich letzte Band aus der “Tagebuch der Apokalypse”-Reihe von J.L. Bourne ändert einiges – und das leider nicht durchweg zum Positiven. Wer die ersten beiden Bände noch nicht gelesen hat und diesbezüglich spoilerfrei bleiben möchte, sollte nun nicht mehr weiterlesen.

Als ich letztes Jahr das “Tagebuch der Apokalypse” für mich entdeckt habe und davon mehr als begeistert war, wurden alle beiden nachfolgenden Bände sofort vorbestellt. Vom zweiten Buch aus dieser Geschichte war ich dann nach anfänglichen Schwierigkeiten immer noch sehr begeistert und freute mich sehr auf diesen letzten Band. Das Tagebuch eines namenlosen, sich auf der Flucht befindenen Militärs faszinierte mich. Mit einer einfachen Erzählart, die sehr authentisch wirkte und den immer wieder eintretenden Zusätzen zum Tagebuch (Fotos, To-Do-Listen, blutbefleckte Seiten) begeisterte mich die Geschichte bisher sehr, zog mich in ihren Bann und ließ mich mit dem Helden mitfiebern.
Wie Bourne bereits in seinem Vorwort erwähnte, wird nun alles anders. Leider ist der dritte Band der Saga bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr als Tagebuch anzusehen, sondern als erzählte Geschichte. Der bisherige Protagonist reiht sich ein in mehrere Handlungsstränge, die über den Planeten verteilt stattfinden und demnach aus der erzählenden Perspektive einer dritten Person geschildert werden. Der Leser nimmt sowohl an Kilroys Expedition ins verseuchte China teil, wie auch an den Vorkommnissen auf dem Flugzeugträger, auf welchem die restlichen Überlebenden von Hotel 23 untergebracht wurden. Zudem ist ein neuer Handlungsstrang im Hotel 23 eröffnet worden, einer auf einer entlegenen Arktisstation und schließlich ein kleiner aus der Sicht der ominösen Organisation Remote Six.
Ich bin ehrlich, ich war zu Beginn enttäuscht über den fehlenden Tagebuchcharakter. Er fehlte mir, war ich doch aus der bisherigen Geschichte sehr an ihn gewöhnt und hatte ihn liebgewonnen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Erzählerperspektive von Bourne schlecht geschrieben wurde. Keineswegs. Ich möchte sogar behaupten, dass der Autor hier gezeigt hat, dass er mehr als schlichten, militärischen Schreibstil beherrscht und durchaus auch zu anderen Geschichten fähig ist. Aber der Mensch ist nunmal ein Gewohnheitstier und so fehlte mir mein Tagebuch einfach sehr.

Die Geschichte erzählt sich dann abwechselnd aus den verschiedenen Handlungsorten heraus und beschreibt deren Probleme. Kilroys wahnwitzige Expedition ins Mutterland der vermeindlich außerirdischen Seuche China, wo er nicht nur einmal einem sehr verstrahlten Exemplar der Zombiefraktion begegnet und feststellen muss, dass mit diesen nun überhaupt nicht mehr gut Kirschen essen ist. Wobei China hier eigentlich nur eine sehr winzige Rolle spielt, die meiste Handlung passiert auf einem U-Boot.
Die schwangere Tara und die restlichen Überlebenden von Hotel 23 versuchen indes auf dem Flugzeugträger ein relativ normales Leben zu führen. Sie fühlen sich vermeindlich sicher auf dem weiten Ozean, fernab der verseuchten Strände jedweder Kontinente. John fügt sich hier als Funkexperte ein und bildet so quasi das Bindeglied zwischen allen Geschichten.
Eine kleine militärische Gruppe hat sich zum Hotel 23 durchgeschlagen und soll dort, möglichst komplett unbemerkt, Nachforschungen bezüglich Remote Six anstellen. Dieser Handlungsstrang ist der definitiv actiongeladenste, wenn auch am unliebsamsten behandelte, wenn man den Schluss des Buches bzw. einige Anspielungen betrachtet, die dann einfach nicht wieder aufgegriffen wurden.
Ich persönlich mochte den Storystrang auf der Arktisstation am liebsten, da er sehr menschlich, sehr athmosphärisch und stellenweise grausam beschrieben wurde. Eine kleine Gruppe von Überlebenden haben hier weniger mit den Untoten zu kämpfen, als vielmehr mit gnadenloser Kälte, Hunger und Dunkelheit. Ihr Treibstoff reicht nicht mehr bis zur nächsten Lichtperiode und so sind sie dem Untergang geweiht, wenn ihnen niemand von Außerhalb zu Hilfe kommt. Doch wer kann sich in diesen Zeiten durch kilometerweites, meterdickes Eis vorkämpfen? Es gibt einfach niemanden. Schlechter dran mögen nur noch die Besatzungsmitglieder der ISS sein.
Schließlich gibt es noch den kleinen Remote Six Handlungsbogen, der mehr begleitend erscheint und diese ominöse Organisation erklärt, die Kilroy im zweiten Buch zuerst half, dann aber für die Flucht aus Hotel 23 verantwortlich zu machen war. Ein nettes Beiwerk, mehr aber nicht.
Was ich generell an diesem Buch etwas schade fand, war das deutlich merkbare Erklären und teilweise Auflösen existierender Handlungsstränge, was doch deutlich spürbar Spannung kostete.

Dennoch fand ich das Buch bis hierhin durchaus gut und als hinnehmbaren Abschluss dieser Reihe. – Wenn der Schluss nicht gewesen wäre! Dieser ist leider sehr kurz, sehr enttäuschend, sehr einfach und sehr plump – einfach schlecht. Nach all den Abenteuern, die man mit Kilroy erlebt hat ist dieses Ende einfach ein Witz. Nachdem ich die letzte Seite gelesen habe, schaute ich das Buch minutenlang fragen an: Ist das alles?

Ich hoffe sehr, dass J.L. Bourne es sich nochmal überlegt, einen vierten Band schreibt und mit diesem einen guten Schluss dieser Reihe hinlegt und diese Enttäuschung einfach ausbügelt. Sollte er dies nicht machen, endet diese eigentlich tolle Reihe leider minderwärtig und schlichtweg enttäuschend für einen Leser, der zu Beginn Feuer und Flamme für diese Geschichte war.

“Tagebuch der Apokalypse 3” von J.L. Bourne aus dem Heyne Verlag
496 Seiten
ISBN-13: 978-3453436336

http://www.jlbourne.com/

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Posted 25. September 2013 by Chrissie in category Buchrezension

8 thoughts on “Tagebuch der Apokalypse 3 – J.L. Bourne

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