August 17

Furcht – Bentley Little (Buchrezension)

Willkommen in Bonita Vista!

Sind Sie gestresst vom Großstadtleben und suchen ein neues zu Hause in einer netten Nachbarschaft? Wir haben viele unterschiedliche Eigenheime für Sie zur Auswahl, allesamt mit einem grandiosen Blick in die Natur. Kommen Sie in unsere geschlossene Wohnanlage Bonita Vista, wo sich unser Eigentümerverein um alles kümmert, so dass sie ihre Freizeit genießen können.

Es gibt natürlich auch ein paar Regeln, an die Sie sich halten müssen, doch wenn sie dies tun steht einem neuen Heim nichts mehr im Wege und sie werden hier nie wieder wegwollen.

… oder können.

Barry und Maureen finden in einer geschlossenen Wohnanlage namens Bonita Vista in Utah ihr Traumhaus und so ziehen sie mit Sack und Pack von Kalifornien dorthin. All ihre Freunde und das alte Leben lassen sie zurück und wollen dort neu beginnen. Maureen als Buchhalterin möchte von zu Hause aus arbeiten und Barry als Schriftsteller von Horrorromanen erhofft sich dort neue Inspirationen. Zu Beginn scheint auch alles gut zu laufen und vor allem Maureen fühlt sich schnell zu Hause. Auch seltsame, teilweise sehr makabre Ereignisse schrecken die beiden nicht ab. Doch als Bonita Vista immer mehr in ihr Leben eingreift und die Vorkommnisse immer heftiger werden beginnt für das Ehepaar ein Horrorszenario, welches sie sich in den kühnsten Träumen nicht ausgemalt hätten.

Bentley Little subte bei mir schon seit ein paar Jahren mit zwei Büchern herum, irgendwie habe ich nie zu ihnen gegriffen. Nachdem man mich aber kürzlich mit diesem Autor sehr anfixte nahm ich dieses Buch zur Hand und fragte mich bereits nach wenigen Seiten: Warum?
Warum habe ich dieses Buch so lange nicht gelesen und beachtet? Warum ist mir bisher entgangen, dass mein absoluter Lieblingsschriftsteller so begeistert von diesem Autoren ist, dass er quasi als Mentor fungiert?

Das Buch hatte mich bereits nach wenigen Seiten für sich eingenommen. Horror wie ich ihn mag. Realistische Charaktere werden aus einem ganz gewöhnlichen Leben in eine Situation befördert, die sich zu Beginn langsam einschleicht, durch kleine Vorkommnisse zu erahnen ist und irgendwann das komplette Leben der Protagonisten aus den Fugen hebt. Die handelnden Personen werden menschlich, liebevoll und ausführlich vorgestellt, ausgebaut und weiterentwickelt und man verschwindet in einer Geschichte, die einen nicht mehr loslässt.

Little ist hier auch nicht zimperlich, es gibt viele sehr makabre und krasse Szenen, ganz nach meinem Geschmack. Dennoch rutscht er nie in Trash ab, sondern wahrt ein gutes Niveau und bringt die Geschichte geschickt voran, ohne den Leser allzuviel vorausahnen zu lassen.
Gut, es ist natürlich klar, dass es am Ende zum Showdown zwischen den Eheleuten und dem Eigentümerverein kommen wird, aber warum, wieso, weshalb ist nicht unbedingt klar vorauszusehen. Zudem schafft es der Autor eine Stimmung zu schaffen, die recht beängstigend ist. Man fragt sich nach einiger Zeit unweigerlich selbst, was man in einer solchen Situation tun würde und wie man handelt, wenn man sich seiner eigenen Freiheit beraubt fühlt.

Besonders mochte ich an diesem Buch Barrys Charakterausbau. Als Horrorschriftsteller und kleiner Rebell stürzt er sich sehr schnell ins Gefecht, doch wenn es tatsächlich drauf ankommt kneift er im Gegensatz zu seinen Romanfiguren den Schwanz ein. In der realen Welt ist es deutlich schwerer ein Held zu sein als in der Fiktion. Als Barry diese Hürde bei sich selbst endlich überwindet könnte es bereits zu spät sein.

Etwas negativ empfand ich hingegen den Schluss. Das ganze Buch über baut sich ein riesiger, unbesiegbar scheinender Gegner auf, der das Leben einiger Menschen derart stark beschneidet, dass dies ungeheuerlich und schrecklich ist. Als Leser lechzt man dem erwarteten fulminanten Finale entgegen, doch ist dieses leider viel zu schnell abgehandelt und im Gegenteil zum restlichen Buch nicht gut ausgearbeitet. Man kann zwar leidlich zufrieden damit sein, jedoch hat man nach dem tollen Spannungsaufbau und den bedrückenden und beklemmenden Gefühlen beim Lesen etwas anderes, etwas besseres, etwas epischeres erwartet. Zudem blieben für mich einige Fragen etwas schwammig offen. Ich kann mir deren Beantwortung zwar denken, jedoch hätte ich mir diese etwas ausführlicher und deutlicher gewünscht.

Trotz des schwächeren Schlusses hat mir “Furcht” gut gefallen und ich habe Blut in Bezug auf Bentley Little geleckt. Mittlerweile sind zwei weitere Bücher von ihm bei mir eingezogen, eines war ja bereits hier und ein weiteres ist vorbestellt. Wenn man Horrorbücher von Schriftstellern wie Stephen King, Joe Hill, John Saul oder Dean Koontz mag, so ist Bentley Little definitiv einen Blick wert und absolut empfehlenswert.

“Furcht” von Bentley Little aus dem Bastei Lübbe Verlag, 496 Seiten, ISBN-13: 978-3404157983

http://www.thehorrifyingworldofbentleylittle.com/

 

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Taschenbuch (derzeit nur gebraucht erhältlich): Furcht: Spannungs-Roman

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Posted 17. August 2013 by Chrissie in category Buchrezension

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