Juni 21

Die Bücherdiebin – Markus Zusak (Buchrezension)

Liesel Memminger sieht ihren kleinen Bruder sterben, als sie zusammen auf dem Weg zu ihrer Pflegefamilie sind. Dort begegnet sie zum ersten Mal dem Tod und auch wenn sie es nicht weiß, so begleitet er sie fortan und beobachtet ihr weiteres Leben, da der Tod fasziniert von diesem kleinen Mädchen ist, das einst als Bücherdiebin bekannt werden wird und sich ihren Platz im Leben mitten in der Welt des dritten Reiches sucht.

Durch die vielen fast durchweg positiven Stimmen zu diesem Buch bin ich irgendwann derart neugierig darauf geworden, dass ich es mir auch zulegen musste. Nachdem ich es gelesen habe muss ich sagen: Warum so spät?

Das Buch wird aus der Sicht des Todes geschildert, woran man sich erstmal gewöhnen muss. Er nimmt oft Dinge vorweg, wirft Erklärungen ein und springt teilweise etwas durch die Zeit. Sobald man sich aber nach wenigen Seiten eingelesen hat lässt einen dieser Schreibstil nicht mehr los. Er ist wunderbar liebevoll, geschmeidig zu lesen und fesselt den Leser an die Geschichte. Es fällt schwer das Buch aus der Hand zu legen. Obwohl teilweise gewissen Begebenheiten aus der späteren Geschichte vorweg genommen wurden, ist sie aber nie langweilig, sondern eher sehr spannend und man mag gar nicht mehr aufhören zu lesen.

Die Charaktere sind alle sehr realistisch, mit Ecken und Kanten, aber gleichzeitig auch sehr liebevoll gezeichnet. Man schließt sie ins Herz, könnte sich selbst als Nachbar der geschilderten Himmelsstraße vorstellen und versinkt in den Geschehnissen der Protagonisten. Besonders beeindruckend finde ich, dass ich als Deutsche niemals gedacht hätte, dass dieses Buch von keinem Deutschen geschrieben wurde. Alles wirkt so realistisch, so dass man sich die ganze Zeit denkt, dass jemand hier seine Erinnerungen an den zweiten Weltkrieg wiedergibt. Markus Zusak als Australier hat hier eine beeindruckende Arbeit abgelegt.

Die Geschichte ist wie schon gesagt durch die etwas eigensinnige Erzählweise geprägt, die durch die Sichtweise des Todes Zeitsprünge mit sich bringt. Dies stört jedoch nicht, im Gegenteil. Man versinkt als Leser sehr schnell in dieser herrlichen Erzählung, befindet sich bald in einer anderen Zeit, in einem anderen Raum und zittert, lacht, weint und freut sich mit Liesel und den Dingen, die in ihrem Leben passieren. Man atmet diese Geschichte ein und muss dann irgendwann wieder desorientiert aufwachen, nachdem man sie beendet hat.
Zudem regt die Geschichte zum Nachdenken an. Man fragt sich zwangsläufig, wie man selbst in der damaligen Zeit gehandelt hätte. Obwohl die vielen verschiedenen Facetten des Nationalsozialismus angesprochen werden, wird hier kein Charakter verurteilt, sondern eben realistisch und mit Hintergrund geschildert. Es ist bei jedem nachzuvollziehen, warum er handelt, wie er eben handelt und dies lässt die Frage offen, wie man selbst in der damaligen Zeit mit einem entsprechenden Hintergrund eingestellt gewesene wäre.

Für mich ist “Die Bücherdiebin” ein Buch, welches man gelesen haben muss, ein Juwel in der Literatur welches in jedem Bücherregal zu finden sein sollte.

“Die Bücherdiebin” von Markus Zusak aus den Blanvaletverlag, 588 Seiten, ISBN-13: 978-3442373956

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Posted 21. Juni 2013 by Chrissie in category Buchrezension

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