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Der dunkle Wächter – Carlos Ruiz Zafón (Buchrezension)

Als der Vater von Irene stirbt wird das Leben ihrer kleinen Familie in Paris kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges unerträglich. Ihre Mutter wird von einem Berg aus Schulden erdrückt und so müssen Irene und ihr Bruder in immer ärmlicheren Verhältnissen leben.
Eines Tages bietet sich ihrer Mutter Simone eine tolle Stelle in der Normandie an. In einem riesigen, herrschaftlichen Anwesen namens Cravenmoore wird jemand für die Haushaltsführung gesucht und für Simone ist dies der Ausweg aus ihrer Misere. Mit Sack und Pack zieht die kleine Familie in das malerische Fischerdorf, zu welchem Cravenmoore gehört und es beginnt ein neuer, hoffnungsvoller Lebensabschnitt mit neuen Freunden, einem sorgenfreien Leben und der ersten großen Liebe.
Doch auf Cravenmoore hausen Schatten, die – einmal entfesselt – ein großes Unglück nach sich ziehen. Schon bald werden Ismael, Irene und ihre Familie in ein düsteres Abenteuer gezwungen, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint.

Carlos Ruiz Zafón hat ein unglaubliches Schreibtalent. Bereits nach den ersten Seiten, die man in diesem Buch gelesen hat, kann man nicht anders als sich daran zu erfreuen. Die von ihm gezeichneten Bilder spiegeln haargenau die Stimmung der jeweiligen Situation. Als die Familie in ihrem neuen Heim ankommt findet sich der Leser wie in einem hellen, weichgezeichneten Bild einer verträumten Strandidylle wieder und fühlt die Sonne auf der Haut prickeln. Die ersten Schatten der Geschichte legen sich nach und nach über dieses warme Bild und verdunkeln es zusehends, bis man sich schließlich in finsterer Nacht fröstelnd wiederfindet. Es bringt daher unheimlich Spaß, sich an diesem Schreibstil zu erfreuen.

Die handelnden Charaktere sind allesamt sehr schön gezeichnet. Hauptsächlich wird die Geschichte Irenes und Ismaels erzählt, die sich in diesem Fischerdorf kennen und lieben lernen. Ich mag Liebesgeschichten eigentlich nicht, aber das neckische Verhalten der beiden hat auch mich erfreut, man fühlte sich etwas an die eigene Jugend und die erste Liebe erinnert. Aber auch alle anderen Charaktere werden gut gezeichnet, besonders gefallen hat mir hier Irenes Bruder Dorian, mit dem ich mich sehr gut identifizieren konnte.

Die Geschichte an sich ist gut erzählt und spannend geschrieben, birgt aber keine Überraschungen und war daher für mich eher durchschnittlich. Es gab keine unvorhergesehenen Wendungen oder Ansätze, die mich erstaunt hätten und so habe ich ziemlich schnell erahnt, wohin mich die Geschichte führen würde und wie sie endet und dies traf dann auch zu. So herrlich Schreibstil und Charakterbeschreibung auch sind, die Geschichte konnte mich einfach nicht vom Hocker reißen.
Zudem hat mich die Namensgebung gestört. Ein spanischer Autor, der sein Buch in Frankreich spielen lässt und dort den Personen und Orten englisch oder auch zum Teil deutsch klingende Namen gibt. Ich wusste einfach nie, wie genau ich die Personen nun anzusprechen habe und dies störte mich etwas.

“Der dunkle Wächter” ist ein solides Jugendbuch mit einer guten Geschichte und durchaus für Jugendliche als Einstieg in die Welt Ruiz Zafóns zu empfehlen, jedoch kein Vergleich zu dem himmlischen “Der Schatten des Windes”.

“Der dunkle Wächter” von Carlos Ruiz Zafón aus dem Fischer Verlag, 352 Seiten, ISBN-13: 978-3596193028

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Posted 2. Juni 2013 by Chrissie in category Buchrezension

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