Mai 29

Verdammnis – Stieg Larsson (Buchrezension)

ACHTUNG! Diese Buchbesprechung handelt von dem zweiten Teil der Millenium-Trilogie. Wer den ersten Band “Verblendung” noch nicht kennt, sollte hier nun nicht weiterlesen, da der folgende Text Spoiler enthält.

Etwa 1,5 Jahre nach den Geschehnissen aus Band 1 reden Mikael und Lisbeth kein Wort mehr miteinander. Lisbeth flüchtet durch die Welt und Mikael versteht nicht, warum ihn die junge Hackerin meidet. Bald schon wendet er sich einem neuen Fall zu, der hohe Wellen schlagen wird. Zusammen mit seinem neuen Kollegen Dag Svensson und dessen Freundin Mia Bergmann versucht Millenium einen Mädchenhändlerring zu zerschlagen, der bis in die höchsten Kreise reicht. Kurz vor der Veröffentlichung des brisanten Materials passiert etwas Fürchterliches und Lisbeth Salander wird landesweit wegen Dreifachmordes gesucht.
Einzig Mikael glaubt an ihre Unschuld, doch wie soll er Lisbeth helfen, wenn sie nicht mehr mit ihm spricht und er nicht weiß, wo sich die junge Frau aufhält? Zudem kennt Mikael die Hintergründe rund um Lisbeths Tat nicht, denn auch er ist sich nicht zu 100% sicher, dass Lisbeth tatsächlich unschuldig ist.
Orientierungslos versucht Mikael Licht ins Dunkel zu bringen und befasst sich zum ersten Mal mit der Geschichte von Lisbeth Salander. Was er hier zutage fördert ist schlimmer als er jemals vermutet hätte.
Zeitgleich muss sich Lisbeth nicht nur vor den fahndenden Behörden verstecken, sondern auch vor weitaus gefährlicheren Menschen, die mit ihr noch eine Rechnung zu begleichen haben.

“Verdammnis” beginnt ähnlich wie “Verblendung” erstmal in komplett normalen Situationen. Sowohl Mikael als auch Lisbeth gehen ihres Weges und es scheint zuerst einmal wieder kein Hinweis auf das drohende Unheil zu existieren (wäre da nicht der Prolog, der uns eines Besseren belehrt hat). Es dauert im zweiten Teil der Millenium-Trilogie Gott sei Dank aber nicht wieder 300 Seiten, bis Spannung und Lesesucht entsteht. Die Alltäglichkeit wird wesentlich schneller durchbrochen und das Buch entwickelt sich zu einem Pageturner.
Larssons Erzähltalent beweist sich auch hier wieder einmal, wenn ich auch den ersten Band etwas besser fand, was dieses Detail betrifft.

War Mikael Blomqvist im ersten Teil noch der Protagonist, so tritt er hier eher in den Hintergrund und die Geschichte fokussiert sich sehr auf Lisbeth. Blieb ihr Charakter im ersten Band zwar sehr interessant und spannend, aber dennoch sehr nebulös, so erhalten wir erstmals Einblicke in ihre schreckliche Lebensgeschichte. Ihr Charakter wird daher sehr gut ausgeleuchtet und bekommt viel Tiefe, so dass der Leser diese etwas seltsame junge Frau besser zu verstehen lernt.
Aber auch andere handelnde Charaktere werden gut ausgeleuchtet und erscheinen durch ihre Ecken und Kanten realistisch.

Die Geschichte an sich nimmt wesentlich schneller als der erste Teil an Fahrt zu und manövriert sich bald in eine Situation, die für die Hauptcharaktere schier unlösbar erscheint. Lisbeth wird des Dreifachmordes beschuldigt und es wird mit Hochdruck nach ihr gefahndet. Was die Sache besonders spannend macht ist, dass Lisbeth selbst zu diesem Zeitpunkt komplett aus der Geschichte verschwindet und der Leser selbst nicht weiß, ob sie diese schrecklichen Taten nun begangen hat oder nicht, zuzutrauen ist ihr dies ja allemal. Seite um Seite saugt man die spärlichen Informationen auf, versucht ähnlich wie Mikael Blomqvist zu verstehen, was da passiert ist und wird von der Geschichte einfach nicht mehr losgelassen.
Als irgendwann etwas Licht ins Dunkel kommt rutscht man in Situationen, die man sich so nicht gedacht hätte und die in einem äußerst unerträglichen, aber hochgradig spannenden Cliffhanger auf den letzten Teil endet. Schweigebadet möchte man als Leser sofort mit dem dritten Teil namens “Vergebung” weitermachen um diese unerträgliche Situation aufzulösen.

Mir hat “Verdammnis” noch besser gefallen als der erste Teil. Die lange langatmige Einleitung des ersten Bandes wurde hier abgekürzt, man kam schneller zur Sache. Die Geschichte ist sehr spannend und ergreifend und stellte für mich einen Pageturner dar, der noch mit einem herrlichen Erzählstil gepaart ist.
Die einzigen beiden Kritikpunkte bestehen aus dem trotzdem erstmal ruhigen Beginn des Buches, den man als Spannungsleser “überstehen” muss und aus der Tatsache, dass ich die Hintergründe der Situation aus einer ganz bestimmten Sache erahnen konnte. Man braucht hier nur etwas Phantasie um dem Ursprung des Grauens näher zu kommen.

Ich freue mich auf den letzten Teil der Millenium-Trilogie und kann es gar nicht mehr erwarten diesen grausamen Cliffhanger aufgelöst zu bekommen.

“Verdammnis” von Stieg Larsson aus dem Heyne-Verlag, 768 Seiten, ISBN-13: 978-3453433175

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Posted 29. Mai 2013 by Chrissie in category Buchrezension

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