April 9

Verblendung – Stieg Larsson (Buchrezension)

Mikael Blomkvist, rebelliger Journalist, hat große Sorgen. Aufgrund eines von ihm veröffentlichten Artikels ist er der Verleumdung für schuldig befunden und vom Gericht zu einer empfindlichen Geldstrafe nebst Gefängnisaufenthalt verurteilt worden. Seine berufliche Laufbahn scheint am Ende, als er ein seltsames Angebot eines ehemaligen Großindustriellen namens Henrik Vanger erhält. Er soll die Ermordung Harriet Vangers untersuchen und nach Möglichkeit neue Hinweise entdecken. Harriet ist die Nichte von Henrik und verschwand vor fast 50 Jahren spurlos, jede Ermittlung verlief im Sande und Henrik will sich trotz seines hohen Alters nicht mit der Ungewissheit abfinden und dem Mörder, der ihn jedes Jahr auf’s Neue quält, Genugtuung verschaffen.
Mikael scheint zuerst ebenfalls keine weiteren Hinweise auf Harriets Verschwindung finden zu können, bis er auf die grandiose Ermittlerin Lisbeth Salander trifft, die mit ihren ganz eigenen Dämonen zu kämpfen hat. Doch als beide den ersten Stein ins Rollen bringen, setzen sie eine Lawine in Bewegung, die sie zu verschlingen droht.

Ich hatte im Vorfeld schon viel Gutes zu diesem Buch und auch generell zu dieser Trilogie von Stieg Larsson gehört. Generell sind Krimis eher nicht mein Metier, aber ab und an mag ich auch einmal einen Roman aus diesem Genre lesen.

Vorweg kann man sagen, dass der verstorbene Stieg Larsson einen wunderbaren Schreibstil aufweist. Ich habe es geliebt die von ihm verfassten Sätze zu lesen, da diese nicht nur flüssig und gut verständlich zu lesen sind, sondern auch von einem herrlichen Sprachspiel zeugen. Alleine aufgrund dieses Schreibtalents ist es ein herber Verlust, dass dieser Autor schon so früh aus dieser Welt scheiden musste.

Der Charakterausbau in dieser sehr umfangreichen und detailliert geschilderten Geschichte lässt auch kaum Wünsche übrig. Gut, Mikael Blomkvist ist für meinen Geschmack ein bisschen viel Weiberheld und Lisbeth noch etwas undurchsichtig (was sich aber wohl in den nächsten beiden Bänden ändern soll), aber ansonsten kann man wirklich nicht meckern. Die Charaktere haben Ecken und Kanten, wirken sehr menschlich, gut durchdacht und man kann sich gut in sie hineinversetzen. Gepaart mit dem tollen Schreibstil Larssons macht dies einen wirklichen Lesegenuss aus, da man die Szenen und Charaktere quasi plastisch vor dem inneren Auge auf HD bewundern kann.

Die Geschichte selbst birgt für mich den einzigen wirklichen Kritkpunkt an diesem Roman. Die erste Hälfte des Buches, also etwas mehr als 300 Seiten, plätschert vor sich hin. Der Schreibstil hat mich am Lesen gehalten, aber spannend fand ich die Geschichte zu diesem Zeitpunkt keineswegs. Man lernt die Charaktere ausführlich kennen und beginnt mit den monotonen Ermittlungsarbeiten, die immer im Sande verlaufen. All dies wird kaum bis gar nicht durch spannende Stellen gewürzt und dies kann einen ungeduldigeren Leser gewiss vom Weiterlesen abhalten. Dies lohnt sich aber, denn die zweite Hälfte des Buches hat es dann in sich und wird vom Leser verschlungen. Spannung pur, rasante Entwicklungen, unerwartete Wendungen, einfach alles was ein Leserherz begehrt. Was der ersten Hälfte an Spannung fehlt, wird einem in der zweiten Hälfte doppelt zurückgegeben.

Mir hat “Verblendung” daher gut gefallen. Es gibt leider diese kleine Durststrecke in der ersten Hälfte, dennoch hat Larsson hier einen tollen Auftakt seiner Trilogie geschrieben, der den Leser zum Ende des Buches mit ganz viel Hunger auf die kommenden beiden Bände zurücklässt.

“Verblendung” von Stieg Larsson aus dem Heyne Verlag, 687 Seiten, ISBN-13: 978-3453432451

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Posted 9. April 2013 by Chrissie in category Buchrezension

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