Februar 3

Kälte – Michael Northrop (Buchrezension)

Sieben Schüler und eine Lehrkraft werden in einer Highschool eingeschneit. Was zuerst belächelt wird, entwickelt sich schnell zur Bedrohung. Niemand wird sie dort herausholen, niemand kann zu ihnen vordringen, niemand weiß, dass sie noch dort sind. Als dann auch noch Heizung und Strom ausfallen müssen sich die Schüler etwas einfallen lassen um zu überleben. Doch draußen schneit es unaufhörlich weiter.

Das Thema dieses Jugendbuches hört sich für mich unheimlich spannend an, Jugendliche ohne große Lebenserfahrung müssen zu Überlebenskünstlern mutieren um diese andauernde Katastrophe zu überleben. Wie werden sie dies anstellen, welche Konflikte wird es in der Gruppe geben? Diese Fragen habe ich mir gestellt als ich auf das Buch aufmerksam wurde und daher musste ich es mir kaufen.

Der Schreibstil ist für mich sehr gewöhnungsbedürftig gewesen. Das Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben, von der ich kein Freund bin. Trotzdem gibt es natürlich auch hervorragende Bücher, die aus jener Sicht geschildert wurden. Zudem ist die Sprache des Buches eine ziemlich einfache, unraffinierte jugendliche. Das Buch stellt quasi ein Tagesbuch oder einen Überlebensbericht eines der eingeschneiten Schüler dar und demnach ist die Sprache grundsätzlich authentisch, störte mich jedoch trotzdem. Ich möchte in einem Buch einfach keine Sätze lesen, über die ich mich ärgere, so realistisch dieser Aussagen im Zusammenhang aus sein mögen.

Es gibt sieben Charaktere in diesem Buch, die ein Rolle spielen. Sieben Jugendliche, die in der Highschool eingeschneit werden und unterschiedlicher nicht sein könnten. Fünf Jungs und zwei Mädels, die sich ergänzen, aber auch anzicken. Und da sind wir auch schon bei einer weiteren Sache, die mich gestört hat. Natürlich handelt es sich hier um pubertierende Teenager, doch denke ich, dass man sich in solchen Extremsituationen schnell von den lapidaren Problemen eines Heranwachsenden verabschiedet und sich den Fragen des nackten Überlebens widmet. Kälte, die sich durch die Kleidung, durch Haut und Knochen frisst, die Glieder erfrieren lässt und an der Lebensenergie zerrt. Die Ungewissheit, die an der mentalen Stärke nagt und pure Angst vor dem Sterben, vllt. am Ende auch Todessehnsucht. In diesem Buch begegnen wir dem nicht, stattdessen wird sich über Pickel Sorgen gemacht, über missglückte Flirtversuche und irgendwo am Rand ist einem dann auch mal kalt. Wohlgemerkt nach einigen Tagen ohne Strom und Heizung mit für die Zustände dürftiger Bekleidung. Dies alles erschien mir sehr unrealistisch und ist mir dementsprechend auch sehr aufgestoßen.

Die Geschichte an sich beginnt sehr lapidar, da den Schülern zuerst nicht bewusst ist, dass sie in eine derartige Extremsituation hineinrutschen.Vieles, was im späteren Verlauf passiert, wird vom Erzähler jedoch schon sehr früh angeschnitten und so verebbt aufkommende Spannung zu Beginn sehr schnell. Als die Story fortschreitet wird sie auch spannender und teilweise auch gut und packend (sieht man von der allgegenwärtigen Pubertät einmal ab). Teilweise hat es das Buch geschafft und mich in seiner Geschichte gefangen genommen. Das Ende jedoch ist für mich mehr als enttäuschend. Es ist sehr offen, man schwebt als Leser praktisch in der Luft, möchte noch weitere Seiten umblättern und zum Ende kommen, doch es gibt eben keine Zeilen mehr, die noch zu lesen wären. Man bleibt im Ungewissen über soviel und beendet das Buch unzufrieden.

Für mich daher nur bedingt weiterzuempfehlen an Leser, die sich an der gelebten Pubertät, an einer saloppen Ich-Erzählweise und an mehr als offenen Enden nicht stören. 2,5 von 5 Sterne.

“Kälte” von Michael Northrop aus dem Loewe-Verlag, 256 Seiten, ISBN-13: 978-3785574287

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Taschenbuch: Kälte


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Posted 3. Februar 2013 by Chrissie in category Buchrezension

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