Februar 2

Die Nacht – Guillermo Del Toro/Chuck Hogan (Buchrezension)

ACHTUNG: Dies ist der dritte Teil einer Trilogie und wird Spoiler enthalten, bitte nur weiterlesen, wenn die ersten beiden Teile “Die Saat” und “Das Blut” bekannt sind.

Abraham Setrakian ist tot. Er hat sich geopfert, damit die Menschheit noch eine Chance auf ein freies Überleben hat. Doch zwei Jahre nach diesem schicksalsbehafteten Tag für die kleine Gruppe Widerständler scheinen sie sich ferner als je zuvor zu sein. Ephraim Goodweather ertrinkt seinen Kummer in Alkohol und betäubt den ungewissen Verlust seines Sohnes mit Drogen. Vasily und Nora versuchen meist allein die Ursprungsstätte des Meisters ausfindig zu machen und werden wie Goodweather von jeden Vampir gejagt. Zudem versucht Nora dabei ihre Alzheimerkranke Mutter durchzubringen. Gus lebt sein Ghettodasein fort und hält sich einen unheimlichen Gast in seiner Behausung. Diese zerstreute und teilweise auch zerstrittene Bande stellt die letzte Hoffnung der Menschheit dar, denn nur sie haben das Mittel, den Meister und damit die Geißel der Menschheit zu vernichten.

Mir haben die ersten beiden Teile dieser Trilogie gut gefallen und daher stand es für mich außer Frage auch den dritten Teil schnellstmöglich zu lesen. Die Umsetzung dieses Romans enttäuschte mich jedoch leider.
Sind die ersten beiden Teile atmosphärisch sehr dicht, spannend und durch eine tolle Gruppendynamik trotz der verschiedenen Charaktere ausgezeichnet, so fehlt dies in diesem Teil leider oft. Generell fehlt die verbindende Figur Setrakians. Stattdessen geht Ephraim Goodweather in Selbstmitleid auf und das nervt nach der zehnten Jammertirade schon sehr. Vasily und Nora sind als Charaktere sehr blass geworden und Gus ist nur noch ein ballernder Nebencharakter, dem nur kurz eine gewisse Tiefe verliehen wird.
Fraglich ist auch die bereits in “Das Blut” angedeutete Rolle von Zack Goodweather, der auf einmal zur rechten Hand des Meisters lebt und diesem als formbares Spielzeug dient. Der Meister gibt Zack zwar etwas Lebenswichtiges, trotzdem frage ich mich, ob ein Teenager bei den Eltern die er hat so willenlos und formbar sein würde.
Alles in allem kann man sagen, dass die Charaktere in diesem Buch entweder sehr blass reduziert wurden oder zu großen nervigen Selbstbemittleidern mutierten. Sehr schade. Lediglich der Charakter Quinlan gefiel mir sehr gut.

Die Geschichte kommt nur langsam in Fahrt. Die Menschheit ist von den Vampiren versklavt worden, ein Teil darf bis auf Weiteres nach gewissen Regeln frei leben, ein anderer Teil wird in Blutfarmen zu namensgebenden Gründen für die Vampire eingepfercht. Alte Menschen werden sofort in Nahrung umgewandelt, da sie für den Meister nicht mehr produktiv erscheinen. Nur wenige Menschen können in der Hierarchie der Vampire bestehen. In dieser finsteren Welt nach den nuklearen Schlägen wird die Widerstandsgruppe gejagt und fast das erste Drittel des Buches dient als Einleitung, Nacherzählung der ersten Bände und Jammern. Dann nimmt die Geschichte endlich an Fahrt auf und es wird spannend, atmosphärisch, eben wie man es von den beiden Vorgängern gewohnt war.
Das Ende jedoch ist wieder schwach, viel zu kurz und viel zu sentimental. Und das, was danach noch kurz angerissen wurde, hätte man sich meiner Meinung nach entweder sparen können oder besser durchdenken, da mir hier einiges unlogisch erschien.

Die “The Strain”-Trilogie ist toll und somit ist auch dieses Buch wichtig, jedoch leider mit Abstand das schwächste der Reihe. Schade, denn Del Toro und Hogan haben mit den anderen Büchern gezeigt, dass sie es besser können. Wahrscheinlich war hier einfach die Luft raus im Schaffensprozeß. Trotzdem vergebe ich 3 von 5 Sternen.

“Die Nacht” von Guillermo Del Toro und Chuck Hogan aus dem Heyne Verlag, 432 Seiten, ISBN-13: 978-3453266506

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Posted 2. Februar 2013 by Chrissie in category Buchrezension

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