Dezember 30

Stadt der Diebe – David Benioff (Buchrezension)

Januar 1942 in Leningrad: Der 17jährige Lew lebt alleine in der von den Deutschen belagerten Stadt und schwankt zwischen Vaterlandsliebe und Hunger. Als er dabei erwischt wird, wie er einen toten deutschen Fallschirmspringer ausplündert, wird er von der NKWD gefangen genommen und erwartet seinen Tod. Doch ihm wird ein Angebot unterbreitet: Wenn er es schafft innerhalb einer Woche für die Hochzeit der Tochter des Oberst ein dutzend Eier aufzutreiben, darf er weiterleben. Zusammen mit seinem Mithäftling Kolja stellt sich Lew dieser Aufgabe und versucht im ausgehungerten Leningrad Eier zu finden.

STADT DER DIEBE ist ein wundervolles Buch, in welchem es um Menschlichkeit, Freundschaft und Liebe, aber auch um die Schrecken eines Krieges geht. Wie schafft man es trotz Hunger und eisiger Kälte zu überleben und gleichzeitig seine Mitmenschen nicht vollkommen zu vergessen? Während wir Lew durch seinen Alltag begleiten und sein Abenteuer bestreiten, erleben wir wie nebenher immer wieder schreckliche Situationen, wir sehen grausame Bilder und fürchten oft um unser Leben. All dies ist das täglich Brot von Lew, was das Ganze nur noch schrecklicher macht.

Was ich auch noch sehr an diesem Buch mochte war die Sichtweise auf den Krieg. Nicht nur die bösen Deutschen wurden durch ihre Taten verurteilt, auch manche Russen wurden durch ihre Handlungen zu regelrechten Monstern untereinander, nicht zu vergessen den Oberst, der zwei junge Menschenleben weniger Wert schätzt als ein dutzend Eier. In vielen Büchern wird der Kriegszustand immer sehr klischeehaft in Schwarz und Weiß unterteilt: Die bösen Gegner und die heldenhaften Landsleute. Weitaus realistischer ist dies in diesem Buch geschildert, da der Krieg grundsätzlich das Schlechte aus dem Menschen herausholt, egal welche Nationalität er nun besitzt.

Die Charaktere des Buches sind wunderbar ausgearbeitet. Lew und Kolja könnten kaum gegensätzlicher sein, trotzdem raufen sie sich zusammen um diese Aufgabe zu meistern und werden schließlich Freunde. Aber auch Nebencharaktere sind toll geschildert, menschlich mit ihren Fehlern und Talenten, ihren verschiedenen Sichtweisen und Gedanken. Als Leser hat man mit der Identifikation überhaupt keine Probleme.

Der Schreibstil Benioffs ist grandios. Man taucht von der ersten Seite an förmlich in das Buch hinein, es scheint als erlebe man die Geschichte hautnah mit und durchlebt ebenfalls die Veränderungen, das Erwachsenwerden der Charaktere. Benioff hat defintiv Talent zum Schreiben.

Etwas irritierend, aber zugleich spannend fand ich den peusdorealistischen Touch der Geschichte, da es so scheint als erzähle Benioff die Geschichte seines Großvaters. Dies ist jedoch nicht so, die Geschichte ist frei erfunden.

STADT DER DIEBE ist ein wundervolles Buch für kalte Tage mit Schrecken, Kopfschütteln und dem Hunger in einer belagerten Stadt, aber auch mit ganz viel Humor, Wärme und Menschlichkeit. Eine unbedingte Leseempfehlung!

4,5 von 5 Sterne.

“Stadt der Diebe von David Benioff aus dem Heyne Verlag, 384 Seiten, ISBN-13: 978-3453407152

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Posted 30. Dezember 2012 by Chrissie in category Buchrezension

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