Mai 14

Willkommen in Night Vale – Joseph Fink & Jeffrey Cranor

Klappentext:

Night Vale, ein Städtchen in der Wüste. Irgendwo in der Weite des amerikanischen Südwestens. Geister, Engel, Aliens oder ein Haus, das nachdenkt, gehören hier zum Alltag. Night Vale ist völlig anders als alle anderen Städte, die Sie kennen – und doch seltsam vertraut.

Jackie Fierro betreibt schon lange das örtliche Pfandhaus in Night Vale. Eines Tages verpfändet ein Fremder einen Zettel, auf dem in Bleistift die zwei Worte ‘King City’ geschrieben stehen. Jackie hat sofort ein merkwürdiges Gefühl. Kaum ist er in Richtung Wüste verschwunden, erinnert sich niemand an ihn – aber Jackie kann das Papier nicht mehr aus der Hand legen. Zusammen mit der alleinerziehenden Mutter eines jugendlichen Gestaltwandlers geht Jackie daran, das Rätsel von ‘King City’ zu lösen. Ihr Weg führt die beiden in die Bibliothek von Night Vale, die allerdings noch kaum jemand wieder lebend verlassen hat.

Meine Meinung zum Buch:

Allzu oft begegnet einem als Leseratte der gleiche Einheitsbrei. Nach einer Weile kennt man den grundsätzlichen roten Faden der meisten Geschichten und ist stets auf der Suche nach dem einen Buch, dass diese gewohnte Routine bricht. Diese Perlen sind schwer zu finden, doch erhellen sie den Lesealltag ungemein. Deswegen möchte auch ich ein “Willkommen in Night Vale” aussprechen, da dieses Buch seinen geschichtlichen Perlmutt gekonnt zu einem einzigartigen Fremdkörper in der Literaturlandschaft geformt hat.

Basierend auf einer mir leider unbekannten Podcast-Serie gibt “Willkommen in Night Vale” einen Einblick in eine sehr skurille, fanstastische Welt, die der unseren gar nicht so fremd ist. Night Vale ist eine Kleinstadt irgendwo in der Wüste Kaliforniens. Es ist schwer aus Night Vale fortzukommen, da die Straßen aus ihr sowohl heraus als auch in sie hineinführen und sie daher fast wie aus einer anderen Dimension wirkt, die lose mit der unseren verbunden ist. In der Stadt selbst sieht man sich mit ungeahnten Gefahren wie den Gebrauchtwagenhändlern, dem Stadtrat oder gar der gefürchteten Bibliothek konfrontiert, man hat die Existenz der Engel, die alle Erika heißen, zu leugnen und muss sich zudem einer permanenten Beobachtung durch die Geheimpolizei aussetzen.

In dieser Stadt leben die Protagonistinnen Jackie Fierro und Diane Crayton.
Jackie ist eine ewig 19jährige Pfandhausbesitzerin, die sich in ihrer gewohnten Routine ausruht und durch den Besuch und den Pfand eines Fremden aus der Bahn geworfen wird, das Nachdenken und Hinterfragen beginnt und sich mit “King City” auseinandersetzen muss.
Diane Crayton ist eine alleinerziehende Mutter eines gestaltwandelnden Teenagers namens Josh und arbeitet – fast unbemerkt von den anderen Kollegen – in einem Büro, aus dem eines Tages ein Mitarbeiter spurlos verschwindet, von dessen Existenz ab diesem Zeitpunkt niemand außer Diane mehr weiß.
Die Wege dieser beiden Frauen werden sich kreuzen und der Weg nach “King City” scheint vorprogrammiert. Was steckt hinter diesen Mysterien und was genau ist “King City” und was erwartet die beiden dort? “Willkommen in Night Vale” erzählt dies auf unterhaltsame und skurille Art und Weise.

Für mich steht die eigentiche Handlung des Buches eher in zweiter Reihe, den eigentlichen Reiz macht die Aussagekraft jeder einzelnen Seite aus. Night Vale ist derart gespickt mit Interpretationsmöglichkeiten, dass es fast schon eine Untertreibung wäre diese nur auf jede Seite zu beziehen. Der Leser ist angehalten nachzudenken, zwischen den Zeilen zu lesen und Zusammenhänge zu finden, Schlüsse zu ziehen. So surreal das Leben in Night Vale erscheint, so sehr kann man es als Metapher auf die Situationen in unserer Welt auslegen. Zudem schwingt grundsätzlich ein feiner, schwarzer Humor mit, der nie aufdringlich wirkt und gerade deshalb sehr gut zu unterhalten weiß.

Jackie Fierro ist eine junge Frau ohne Vergangenheit und ohne wirkliche Gegenwart, die durch den nicht mehr ablegbaren Pfand, den sie erhält, die Augen geöffnet bekommt. Sie bricht aus ihrer Routine aus und beginnt zu Hinterfragen, zu Kämpfen und entwickelt sich zu einer Frau mit Zukunft.
Diane Crayton ist zufrieden mit ihrer Zweipersonenfamilie und sieht sich eines Tages mit der Vergangenheit konfrontiert, die sie lieber vergessen hätte. Sie muss lernen die Kontrolle abzugeben und zu Vertrauen um weiterhin eine Zukunft mit ihrem Sohn zu haben.
Beide Charaktere sind gut ausgearbeitet, nachvollziehbar gestaltet und dennoch passend für Night Vale. Ihre Entwicklungen sind weder zu flach noch zu drastisch, sondern gut nachvollziehbar und logisch, sofern man dies in Night Vale sagen kann.

Die Handlung ist solide, aber nicht herausragend. Wie ich schon erwähnte liegt für mich der Fokus nicht auf dem Vorankommen in der Geschichte, sondern in den Aussagen, die getätigt werden. Die Storyline an sich kann so auch in vielen anderen durchschnittlichen Büchern gefunden werden und überrascht wenig und kann auch am Ende nur mittelmäßig überzeugen.

“Willkommen in Night Vale” ist definitiv ein Leseerlebnis, das gewiss nicht Jedem gefallen wird, dennoch für mich seinen festen Platz in den Bücherregalen verdient. Wer auf der Suche nach spannender Phantastik oder gar gruseligen Elementen ist, der sollte weiterziehen. Wer ein neues Leseerlebnis erfahren will, welches nicht nur Jackie Fierro die Augen öffnet, der sollte bei diesem Buch ganz dringend zugreifen.

“Willkommen in Night Vale” von Joseph Fink und Jeffrey Cranor aus dem Klett-Cotta Verlag, 378 Seiten, ISBN-13: 978-3608961379

Buch bei Amazon.de: Willkommen in Night Vale
Kindle-Version: Willkommen in Night Vale

Vielen lieben Dank an den Klett-Cotta Verlag für das Bereitstellen dieses Rezensionsexemplares.


Copyright © 2014. All rights reserved.

Posted 14. Mai 2016 by Chrissie in category Buchrezension

1 thoughts on “Willkommen in Night Vale – Joseph Fink & Jeffrey Cranor

  1. Mae Kaua

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