November 21

Der Sommer, als ich starb – Ryan C. Thomas

Klappentext:

Als Roger Huntington für den Sommer vom College nach Hause kommt und seinen besten Freund Tooth trifft, weiß er, dass sie jede Menge Spaß haben werden. Bier, Comics, Filme, vielleicht sogar Mädchen. An einem prächtigen Sommermorgen brechen sie zum Bobcan Mountain auf, um auf Bierdosen zu schießen. Nur zwei Freunde, die zusammen Zeit verbringen und über ihre Zukunft reden … zwei Freunde, die urplötzlich in einen Albtraum gestürzt werden.
In den Klauen eines sadistischen Killers und seines hungrigen Hunds müssen sie die Frage beantworten: Werden Helden geboren oder erschaffen?
Und wichtiger noch: Wie überlebt man, wenn alle Wege in den Tod führen?

Meine Meinung:

Ryan C. Thomas Horrornovellendebüt beginnt harmlos und seicht. Roger und Tooth sind schon lange Freunde. Ihre Charaktere unterscheiden sich grundsätzlich, so dass sie sich gut ergänzen und ein Team bilden. Roger ist nun jedoch auf dem College und beide Freunde merken, dass sich ihre Leben zukünftig verändern werden. Dieser Sommer könnte der letzte sein, den sie in gewohnter Manier verbringen und beide spüren dies.

Thomas nutzt diese Einleitung um seine Charaktere auszubauen, ihnen ein Leben davor und Hoffnungen für danach zu geben. Durch die Verschiedenheit dieser beiden Personen erschafft er beim Leser eine Zugehörigkeit, denn irgendwo kann man sich selbst wiederentdecken. Sobald dies geschehen ist, sobald man milde lächelnd an seine eigene Jugendzeit zurückdenkt und in ihr schwelgt, bricht der Autor mit diesem Schema und lässt die Geschichte zusammen mit den eigenen Erinnerungen in den dunklen Abgrund einer Hütte im Wald fallen.

Roger und Tooth befinden sich im Wald und schießen auf Bierdosen, als sie den schrecklichen Schrei einer Frau vernehmen. Sie sind hin- und hergerissen. Der Schrei war unmissverständlich. Die Frau, die ihn ausgestoßen hat, hat Angst, Todesangst. Sie hat Schmerzen und sucht Hilfe. Zum Leidwesen der beiden Freunde entscheiden sich beide tatsächlich dazu, der Frau zu helfen, auch wenn sie sich selbst fürchten vor dem Grund, der diesen Schrei ausgelöst hat.

Kurz darauf befinden sie sich in Gefangenschaft und sehen ihrem nahen, schmerzhaften Tod entgegen. Ihr Peiniger lässt ihnen keine Hoffnung und schon bald füllt sich der Hundenapf mit den Produkten aus Folter, Verstümmelung und Mord.

Dieser Sommer wird aus der Sicht von Roger geschildert. Dieser Sommer ist der, in dem er starb.

Den vorherigen Satz darf man nun nicht als Spoiler auffassen, da dass Buch selbst mit einer ähnlichen Aussage beginnt. “Der Sommer, als ich starb” stürzt den Leser zusammen mit zwei Charakteren, die gut geschildert, aber ehrlicherweise auch nicht wirklich besonders sind, in die dunklen Abgründe eines Soziopathen und dessen Vorstellung von Gerechtigkeit. Roger muss mit ansehen, wie sein bester Freund und die unbekannte Frau gefoltert werden und wird auch selbst Bestandteil dieser Gewaltorgie. Es scheint keinen Ausweg aus dieser Hölle zu geben und als der Mann schließlich noch eine vierte Person einführt schwindet jegliche Hoffnung.

Thomas hat hier ein wirklich gutes Horrorbuch geschrieben, dass definitiv in die Schublade Splatter und Gore einzuordnen ist. Trotzdem vergisst er inmitten all dieser Gewalt seine Charaktere nicht. Es gibt teilweise etwas unlogische Momente und manche Entwicklungen haben mir persönlich nicht wirklich gefallen, jedoch ist das Ganze dennoch rund und schmackhaft für jemanden, der ab und an gerne mal in diese Abgründe der Menschheit blickt und mit dem Lesen der letzten Seite froh ist, dies nie selbst erleben zu müssen.

Der Schluss dieser Horrornovelle hat mir ausgesprochen gut gefallen. Realistisch und wie ich finde innovativ löst der Autor seine Geschichte auf und lässt den Leser mit den geschilderten Eindrücken zurück, die dann erstmal verarbeitet werden müssen. Generell ist das große Plus dieser Geschichte, dass hier kaum übertrieben wird. So ungern man dies denken möchte: Genau das könnte in diesem Moment wirklich irgendwo passieren. Man stehe den armen Seelen bei, die dort involviert sind.

4stars

“Der Sommer, als ich starb” von Ryan C. Thomas aus dem mkrug-Verlag, 188 Seiten, ISBN-13: 978-3902607898

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Kindle-Version: Der Sommer, als ich starb
Verlagsseite des Buches: KLICK


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Posted 21. November 2015 by Chrissie in category Buchrezension

2 thoughts on “Der Sommer, als ich starb – Ryan C. Thomas

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