August 22

Cryonic 2: Bruderschaft des Kreuzes – Vitali Sertakov

ACHTUNG! Es folgt eine Besprechung zu einem Buch, das den zweiten Teil einer Reihe darstellt. Spoiler zu Band 1 “Cryonic: Der Dämon erwacht” sind daher durchaus möglich und jedwedes Weiterlesen erfolgt auf eigene Gefahr.

Klappentext:

Es sind Jahre vergangen, seit der St. Petersburger Wissenschaftler Artur Kowal seinem kryonischen Sarkopharg entstieg und den Namen »Dämon« erhielt. Nun hat er sich zum mächtigsten Mann jenes Landes erhoben, das einst Russland war. Die Bürde der Verantwortung lastet schwer auf ihm, aber seinen Kampf für eine zivilisierte Gesellschaft und eine Zukunft des Menschen auf der zerstörten Erde hat er noch lange nicht aufgegeben. Dafür wagt er sich mit einer auserwählten Bruderschaft in die Hölle selbst: nach Europa, wo er französische Wissenschaftler aus ihrem Kälteschlaf erwecken möchte. Doch während er und seine Gefährten sich durch die todbringende Natur Deutschlands und Frankreichs schlagen, hat sich sein größter Feind erneut erhoben …

Meine Meinung zum Buch:

Band 1 dieser Reihe hat mir mit einigen Abstrichen gut gefallen. Eine futuristische Welt, die sich doch rückentwickelt hat. Eine Umwelt, die sich an der Menschheit für die Gräueltaten rächt, die man ihr angetan hat. Und inmitten dieser Szenerie ein Mensch aus unserem Hier und Jetzt, der über 100 Jahre geschlafen hat und mit seinem “alten” Wissen nun die Welt aufmischt und zu richten versucht. Der Protagonist Artur Kowal, genannt der Schmied, hat in Band 1 gegen Sklaverei und Ungerechtigkeiten gekämpft und sich schließlich zum Gouverneur St. Petersburgs aufgeschwungen und so eine neue Ordnung geschaffen, in der verschiedene Menschengruppen wieder zusammenarbeiten müssen und Unterdrückung und Korruption der Vergangenheit angehören.

Die “Bruderschaft des Kreuzes” setzt etwas später an, als Kowal einer hohen Gemeinschaft der Wipper Rede und Antwort stehen muss über seine Reise nach Paris, wo er weitere Kälteschlafkapseln öffnen und Menschen aus der alten Welt in diese wecken wollte. Es wird im ersten Teil des Buches von dieser Reise erzählt, wobei bei manchen Charakteren sofort klar ist, dass diese nicht heimkehren werden.

Leider habe ich bereits zu Beginn eine kleine Rückblende in Buch 1 vermisst, so dass einem – sollte die Lektüre des ersten Bandes etwas her sein – Erinnerungen wieder aufgefrischt werden. Stattdessen findet man sich gleich wieder mitten in einer fortgeführten Geschichte wieder und bekommt auch im Verlauf dieser keine wirklichen Erinnerungshappen vorgeworfen.

Sertakov schickt seine kleine Karawane aus Piter los Richtung Paris und unterwegs treffen sie auf beinahe unvorstellbare Auswüchse der entarteten Natur, aber auch auf neue Freunde und Feinde. Leider erschien mir dieser Reisebericht sehr emotionslos und aneinandergereiht. Es gibt für den Leser viel zu verdauen und zu verstehen, da der Autor der Fantasie der Leser einiges abverlangt. Ein sonderbares Erlebnis reiht sich an das nächste und die Charaktere bleiben blass und uninteressant. Zudem wird gemetzelt was das Zeug hält, sobald man auf andere Menschen trifft, fragen kann man ja noch später. Die menschlichen Werte, die in Band 1 noch angepriesen wurden, scheinen fast vergessen.

Sobald ich mich durch den ersten und das Buch dominierenden Teil gearbeitet hatte befand man sich wieder bei Kowal in Piter und seiner Frage- und Antwortstunde bei den Wippern. Im sich anschließenden zweiten, wesentlich kürzeren Teil des Buches geht es dann wesentlich politischer zur Sache.

Wahlen stehen in Piter an, eine dem Schmied doch irgendwie bekannte Gefahr greift aus Richtung der Türkei immer weiter um sich und Unruhen machen sich im Volke breit. Nachdem der Leser einem pornografischen Kapitel beiwohnen durfte kümmert sich die Geschichte stakkatohaft um die Probleme im alten Russland. Hier tauchen auch kurz wieder die menschlichen Ansprüche Kowals auf, der alle Gruppierungen zu einem neuen Russland vereinen möchte. Dennoch sind auch diese Ausführungen unzufriedenstellend, es wird wieder gemetzelt und die politischen Auswüchse erscheinen nicht intrigant und intelligent, sondern durchschaubar und unscheinbar. Über die große Gefahr aus dem Orient erfährt man nur leidlich mehr und selbst persönliche Tragödien wirken blass und uninteressant.

Leider war ich sehr enttäuscht von diesem Band. Lag es am dominanten Thema High Fantasy, das mir nicht liegt? Lag es an blassen Charakteren, Logiklücken oder fehlenden Informationen? Ich weiß es nicht. Ich weiß zudem nicht, ob diese Reihe noch weitere Bände erhalten wird. Ich weiß nur, dass für mich an dieser Stelle leider Schluss sein wird mit Cryonic. Die Idee hinter dem Ganzen begeistert mich nach wie vor, aber leider hat die Geschichte mich in seinem zweiten Akt verloren.

2stars

“Cryonic: Bruderschaft des Kreuzes” von Vitali Sertakov aus dem Piper-Verlag, 496 Seiten, ISBN-13: 978-3492703086

Buch bei Amazon.de: Cryonic: Bruderschaft des Kreuzes (Cryonic 2)
Kindle-Version: Cryonic: Bruderschaft des Kreuzes (Cryonic 2)
Verlagsseite des Buches: KLICK


Copyright © 2014. All rights reserved.

Posted 22. August 2015 by Chrissie in category Buchrezension

1 thoughts on “Cryonic 2: Bruderschaft des Kreuzes – Vitali Sertakov

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.