Dezember 12

Blutdämmerung – Rainer Löffler

Nachdem Martin Abel den “Blutsommer” überstanden hat, wartet hier schon sein nächster Fall auf ihn. Da “Blutdämmerung” der zweite Teil der Reihe rund um den Fallanalytiker ist, werde ich in dieser Buchbesprechung die Dinge auslassen, die den ersten Teil spoilern könnten.

Ein neuer Serienkiller terrorisiert Köln. Ein junges Pärchen entdeckt beim Tauchen in einem Naturschutzgebiet einige fest verschnürte Bündel, in denen jeweils eine magere, tote Braut ohne Füße steckt. Wenig später ist ein weiteres junges Mädchen verschwunden, welches haargenau in das Opferprofil passt und die örtliche Polizei kommt mit ihren Ermittlungen kaum weiter. Martin Abel wird hinzugerufen, damit er mit seinem einzigartigen Talent dem Täter auf die Spur kommt. Er versucht sich in den Mörder hineinzuversetzen, versucht dessen Beweggründe und Neigungen zu erahnen. Doch der Zeitdruck ist groß und ein weiteres Opfer wahrscheinlich, auf welches unvorstellbare Qualen wartet, bevor es viel zu früh versterben wird.

Mehr durch Zufall habe ich vor zwei Jahren das Thrillerdebüt Löfflers gelesen und war begeistert. Dementsprechend sehnsüchtig habe ich auf den zweiten Teil dieser Reihe gewartet und hohe Erwartungen an diese Fortsetzung gehabt.

Für mich ist auch nach diesem Buch Löffler der deutsche Thrillerautor. Keiner versteht es wie er die genau richtige Mischung von Ermittlungsarbeit, Charakterausbau und dem mörderischen Wahnsinn zu finden.

Ohne auf die persönlichen Umstände Martin Abels oder die von seiner Partnerin Hannah Christ aus Spoilergründen einzugehen sei gesagt, dass beide Protagonisten wieder sehr menschlich dargestellt wurden. Man hat hier weder einen Hauptcharakter, der vor heldenhaften Fähigkeiten nur so strotzt noch einen dauerdepressiven Burnoutkandidaten, sondern einfach Typen wie du und ich, die so auch im echten Leben existieren könnten. Alle handelnden Personen werden so geschildert, sind sehr detailliert gezeichnet und wirken einfach echt. Das gefällt mir besonders gut.

Die Ermittlungsarbeit der Polizei und die Entsprechende von Abel wird gut und aus meiner laienhaften Sicht auch richtig geschildert. Leider gibt es in diesem Band nur einen kurzen Gastauftritt des Herrn Schwartz, der mich schon im ersten Teil äußerst an den Kriminalbiologen Mark Benecke erinnerte und dadurch begeistern konnte. Die Polizei tappt in diesem Fall lange im Dunkeln, da der Täter keine Spuren hinterlassen hat und keine wirklichen Ähnlichkeiten zu anderen früheren Fällen vorhanden sind. Es gibt nur die Leichen, die Monate nach ihrem Ableben gefunden werden und demnach für die Spurenauswertung kaum mehr nützlich sind. Man fiebert mit und fragt sich, wie man diesem kranken Hirn auf die Schliche kommen wird.
Gleichzeitig werden aber auch undurchsichtige Kindheitserinnerungen des Täters geschildert sowie das Martyrium des aktuell entführten Opfers. Trotzdem kann man bis zum Schluss nur raten, um wen es nun tatsächlich geht.

Rainer Löffler versteht es zudem seinen Mordfällen die fällige Portion Wahnsinn zu verpassen, die über das Standartmaß von vielen Morden in anderen Thrillern hinausgeht. Seine Täter sind Mörder der extremen Extraklasse, denen man nun wirklich nicht im Dunkeln begegnen möchte. Zusammen mit der bereits angesprochenen Realität, die seinen Romanen anhaftet, erschafft der Autor daher ein wirklich erschreckendes Bild eines möglichen realen Mordfalls.

Ich könnte mir schon jetzt wieder die Haare raufen, weil der nächste Teil dieser Reihe noch so weit entfernt ist. Für Thrillerfans ein Muss. Für mich DER deutsche Thrillerautor, der sich auch im internationalen Vergleich absolut nicht verstecken muss. Martin Abel sollte man kennen, Rainer Löffler muss man einfach lesen.

4,5stars

“Blutdämmerung” von Rainer Löffler aus dem Rowohlt-Verlag, 416 Seiten, ISBN-13: 978-3499266928

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Posted 12. Dezember 2014 by Chrissie in category Buchrezension

2 thoughts on “Blutdämmerung – Rainer Löffler

  1. Yvonne Laros

    In dir muss wirklich schwarzes Blut fließen … Kein Mord ist vor dir sicher – Thriller-Zeilen erst recht nicht! ;-P
    Ich finde, “regionale” Romane haben schon was für sich. Darin war ich mal anders … Aber zwischendurch les’ ich jetzt mal ganz gerne was, das in einem bestimmten Ort Deutschlands spielt. Aktuell witzigerweise auch etwas, das in Köln spielt. Aber das Gegenteilt von blutig ist … ;-P

    Falls du dich wunderst: ich wollte in diesem Jahr unbedingt auch ein paar Blogs unsicher machen – du bist hiermit mein erstes Kommentar-Opfer! Muahaha!!!

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    1. Chrissie (Post author)

      Muahahaha! *epic*
      Mir ist eigentlich egal, wo ein Buch spielt, Hauptsache es ist spannend für mich. 🙂

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