November 17

Dead Souls – Michael Laimo

Religiöser Fanatismus bis zum Ende – und darüber hinaus.

Johnny Petrie ist gerade 18 Jahre alt geworden und lebt zusammen mit seinen Eltern in einem New Yorker Apartment. Seine Mutter ist streng religiös, erlaubt ihm kaum am normalen weltlichen Alltag teilzunehmen und legt den Fokus ihres Sohnes auf Bibelstudien. Johnny leidet darunter, traut sich jedoch nicht zu rebellieren. Eines Tages erreicht ihn ein großer Briefumschlag, der an ihn adressiert ist. Verbotenerweise öffnet er diesen, bevor seine Mutter von der Arbeit nach Hause kommt und erfährt von einem Erbe nicht geringen finanziellen Ausmaßes. Er sieht seine Chance kommen aus dem Moloch seiner Familie auszubrechen und bricht auf sein Erbe anzutreten. Dass er dabei alte Geister aus der Vergangenheit weckt und Übel und Unheil auslöst ahnt er nicht. Doch schon bald wird er eines Besseren belehrt.

“Dead Souls” wird im ersten Buchteil abwechselnd aus zwei Erzählzeiten geschildert.
Einmal bewegt man sich zusammen mit Johnny auf seinem vermeindlichen Weg in die Freiheit im Jahr 2005. Man kann sich in dieser Zeitschiene sofort einlesen und “wohlfühlen”, leidet mit Johnny unter seinen familiären Umständen und hofft auf eine gute Zukunft. Johnny bricht auf sein Erbe anzutreten und wird dabei mit seiner Familiengeschichte konfrontiert. Zwar wird dies erst einige Seiten später erklärt, jedoch kann sich ein aufmerksamer, intelligenter Leser bereits sehr früh denken, dass Johnnys Familiengeschichte anders aussieht, als er es eigentlich gedacht hat. Er stochert unbewussterweise in einem Wespennest voller Geister herum und weckt diese immer mehr auf, was nicht ohne Folgen bleibt.
Zudem wird ein ganz bestimmter Tag aus dem Leben der Familie Conroy aus dem Jahr 1988 geschildert. Die Conroys sind eine Pastorenfamilie mit einem fanatischen, etwas sonderbaren Glauben. Zu Beginn des Buches führen sie eine Beschwörung durch, die der Familie ein Beisammensein auch nach dem Tod ermöglichen soll. Diese Beschwörung war für mich schwer vorstellbar, weshalb ich bei diesen Abschnitten etwas Schwierigkeiten hatte in die Geschichte abzutauchen. Dies änderte sich jedoch, nachdem dieser Teil des beschriebenen Tages endete und man zu dem normalen Geschehen übergewechselt ist. Dann wird der Wahnsinn eines fanatischen Familienoberhauptes deutlich gemacht, unter dem die einzelnen Mitglieder unterschiedlich zu leiden haben.

Auch wenn der erste Teil des Buches der harmlosere ist, gibt es auch hier schon heftige Szenen, die bestimmt nicht für zarte Gemüter geeignet sind. Neben dem guten Charakterausbau der Familie Petrie und der Familie Conroy hat mir in diesem Abschnitt besonders gefallen, dass man sich als Leser die ganze Zeit gefragt hat, ob die Geschichte nun einen übernatürlichen Touch hat oder ob es sich hierbei um den reinen Wahnsinn eines Menschen handelt, der seine Umgebung tyrannisiert. Immer wieder bin ich in meiner Meinung hierzu geschwankt und habe das Spiel sehr genossen.

Im zweiten Teil des Buches wird eben beschriebene Frage dann beantwortet und das ganze Geschehen eine ganze Spur heftiger, blutiger und schlimmer. Horrorleserherzen schlagen dabei gewiss höher, jedoch hätte ich persönlich eine andere Antwort auf die Frage nach dem Übernatürlichen besser und schlimmer gefunden. Dies hat mich persönlich dann trotz der geschilderten Szenen doch etwas ernüchtert. Aber das ist Geschmackssache.

Zudem sind mir leider hin und wieder Rechtschreibfehler aufgefallen. Mich persönlich haben diese beim Lesen nicht sonderlich gestört, aber es gibt Leser, die sich mit solchen Stellen besonders schwer tun, daher wollte ich das erwähnen.

Für mich stellt “Dead Souls” einen wirklich guten und heftigen Horrorroman aus dem Hause VoodooPress und Laimo dar, der nach meinem persönlichen Geschmack aber auch noch eine Spur besser hätte werden können.

3,5stars

“Dead Souls” von Michael Laimo aus dem VoodooPress-Verlag, 394 Seiten, ISBN-13: 978-3902802620

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Posted 17. November 2014 by Chrissie in category Buchrezension

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