November 10

One second after – William R. Forstchen

Eine Welt ohne Strom erwartet den Protagonisten John Matherson in “One second after”. Am Geburtstag seiner jüngsten Tochter fällt der Strom aus und jeder geht vorerst von einer kurzen Panne aus, die bald behoben sein wird. Seltsam ist nur, dass auch alle anderen elektronischen Geräte ausgefallen sind, selbst wenn sie mit Batterien laufen.

John Matherson ist Geschichtsprofessor an einer nahen Universität und lebt in einer Kleinstadt in den Bergen North Carolinas. Doch er ist auch ehemaliges Mitglied der Armee und hatte dort einen recht hohen Titel inne. Daher ist ihm der Begriff EMP geläufig und er beginnt zu ahnen, dass hinter dem Ausfallen jeglicher Elektrizität mehr steckt als eine Panne in den zuständigen Werken. Und bald bestätigt sich, dass ganz Amerika mit einem elektromagnetischen Impuls angegriffen und lahmgelegt wurde. Unser Leben, wie wir es heute kennen, ist kaum mehr möglich ohne Elektronik und auf einmal sind von jetzt auf gleich hunderte Millionen Menschen ohne Kontakt zur Außenwelt, ohne Beförderungsmittel, ohne Medizintechnik.

Matherson setzt das Gremium rund um die Bürgermeisterin in seiner Stadt von seinem Verdacht in Kenntnis und wird schon bald als Berater in dieser Situation unbezahlbar. Denn er ahnt, dass dieses Problem Wochen, Monate, wenn nicht gar Jahre bestehen wird und das Leben, wie wir es heute kennen, ein für alle Mal vorbei ist.

William R. Forstchen schildert dieses durchaus reelle Bild eines terroristischen Angriffs sehr authentisch und ehrlich. Bereits nach wenigen Tagen sterben die ersten Menschen wie die Fliegen, gerade in Pflegeheimen und anderen Einrichtungen dieser Art greift der Schnitter grausam und qualvoll um sich. Medikamente werden zum Luxusgut, lebenserhaltende elektronische Geräte sind nutzlos. Und doch will kaum einer wahr haben, dass diese Katastrophe ihre Zivilisation zerstört hat.

Erst durch Hunger, Durst, Kälte und Angriffe von innen wie außen wird allmählich das Ausmaß der Katastrophe klar. Die kleine Stadt versucht ihre Menschlichkeit nicht zu verlieren und gleichzeitig zu überleben.

In diesem Chaos begleitet der Leser die Familie Matherson. John als Vater und seine beiden Töchter, eine davon an Diabetes Typ 1 erkrankt. Die Mutter der Kinder ist bereits vor einigen Jahren an Krebs verstorben, doch die Großmutter und ihr krebskranker Mann sind ebenfalls Bestandteil der Familie. Auch diese Familie wird von Verlusten gequält werden, dennoch hat sie durch Johns wichtige Rolle in der Stadtverwaltung immer eine besondere Rolle und leidet nicht so immens, wie viele andere Mitbürgerfamilien.

John ist zudem ehemaliger Militär und auch einige andere wichtige Figuren haben ein solches Amt inne oder hatten es mal. Demnach zieht sich durch die gesamte Geschichte ein starker militärischer und patriotischer Ton. Das war nicht wirklich mein Fall, da ich einfach anders gestrickt bin.

Nichts desto trotz ist “One second after” in meinen Augen ein Buch, das man gelesen haben sollte in unserer heutigen Zeit. Es ist zwar pro-Amerika, patriotisch und militärisch und es wird keine Geschichte eines normalen Jedermanns erzählt, dennoch ist die Geschichte sehr beklemmend, sehr erschreckend und sehr spannend und überrascht auch immer wieder. Der zivilisierte Mensch verliert von jetzt auf gleich seine Zivilisation und muss wieder auf sich alleine gestellt zurechtkommen. Fremde können zu Freunden werden, Freunde werden jedoch auch zu Feinden. Eine realistische, spannende Studie der Menschen in einer plausiblen Zukunftsversion.

4,5stars

“One second after – Die Welt ohne Strom” von William R. Forstchen aus dem Deltus-Verlag, 512 Seiten, ISBN-13: 978-3940626172

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Posted 10. November 2014 by Chrissie in category Buchrezension

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