Juni 14

Der Monstrumologe – Rick Yancey

Der Junge Will Henry hat durch ein schreckliches Ereignis seine Eltern verloren. Dr. Warthrop nimmt sich seiner an, da vorher sein Vater bei ihm assistierte. Henry, noch kaum den Kinderschuhen entwachsen, muss nun an der Seite des seltsamen, unterkühlten Mannes in der Monstrumologie unterwiesen werden und erlebt viele spannende, aber auch erschreckende und gefährliche Abenteuer mit ihm.
Im ersten Teil dieser Reihe wird die Stadt, in welcher Will Henry und Dr. Warthrop wohnen, von einer altertümlichen Monsterrasse bedroht, den sogenannten Antropophagen. An Kraft, Wendigkeit und Schnelligkeit den Menschen haushoch überlegen machen sie Jagd auf ihre humanoide Fressbeute und nur der Monstrumologe und sein Assistent haben das Wissen, diese Kreaturen zu besiegen.

Betrachtet man das Cover des Buches, so könnte man zusammen mit der Tatsache, dass die Geschichte aus der Sicht Will Henrys geschildert wird vermuten, dass es sich hier um den Auftakt einer Jugendbuchreihe handelt. In meinen Augen ist dies aber absolut nicht der Fall, da dieses Buch allen voran sehr blutig, brutal und heftig ist. Zudem wird das Kind Will Henry in einer wirklich kinderfeindlichen, emotionsarmen Welt groß. In meinen Augen daher nur für erwachsene Leser geeignet.

Will Henry ist ein Junge an der Schwelle zur Jugendlichkeit. Zusammen mit dem ewig an die Wissenschaft denkenden, ansonsten sehr herrischen und scheinbar emotionslosen Dr. Warthrop wohnt er in dessen Haus und nennt dort eine kleine Dachkammer sein eigen. Neben seinen Pflichten im Haushalt assistiert er dem Doktor bei seiner Arbeit und bekommt dadurch Scheußlichkeiten zu sehen. Warthrop schont ihn hier auch keineswegs, so dass auch Tatorte von Blutbädern und Fressorgien von Will Henry begutachtet werden müssen. Der Junge, aus dessen Sicht die Geschichte geschildert wird, tat mir sehr leid. Viel zu früh musste er erwachsen werden und leidet unter dem Tod seiner Eltern, erfährt jedoch keinerlei Trost oder Geborgenheit. Vielmehr leidet er unter dem Willen Warthrops, der ihn kaum schlafen, essen oder atmen lässt. Zwar entwickelt sich diese Beziehung im Laufe der Geschichte noch vielschichtiger und ist dann nicht mehr einseitig zu betrachten, dennoch tat mir dieses Kind unheimlich leid und ich wollte dem Monstrumologen nicht nur einmal an die Kehle springen vor Wut.

Die Geschichte ist sehr kurzweilig, spannend und definitiv nicht langatmig erzählt. Das Duo, teilweise durch andere Charaktere begleitet, erlebt ein erschreckendes Abenteuer, das voller Verlust, Blut und den monströsen Antropophagen strotzt. Teilweise werden hier wirklich heftige, eklige Szenen beschrieben.

Das größte Manko aus meiner Sicht ist bei dieser Geschichte der Schreibstil. Das Geschilderte erinnerte mich von der Aufmachung her sehr an Sherlock Holmes. Dort wird die Geschichte des genialen Ermittlers aus der Sicht Watsons beschrieben und so empfand ich es auch bei dieser Geschichte. In einer sehr betrachtenden und schildernden, teils wissenschaftlichen Art und Weise wird eine Geschichte erzählt, deren Emotionen man größtenteils zwischen den Zeilen suchen muss. Dies verhinderte für mich gerade in der ersten Hälfte ein Eintauchen in die Geschichte, von der ich ansonsten angetan war. Dieser Stil ist einfach nicht mein Fall.

Den Leser erwartet hier eine blutige, teils eklige Monstergeschichte rund um einen exzentrischen, intelligenten Wissenschaftler und einen unsicheren Jungen an seiner Seite. Durchaus lesenswert, wenn man mit dem Schreibstil klarkommt. Der Schluss des Buches nach dem Showdown hat mich soweit überzeugen können, dass ich die Reihe definitiv noch einen weiteren Teil weiterlesen werde, da ich doch neugierig bin, was nun passieren wird.

3,5stars

“Der Monstrumologe” von Rick Yancey aus dem Bastei Lübbe Verlag, 410 Seiten, ISBN-13: 978-3404206674

Buch bei amazon.de: Der Monstrumologe

Der englische Buchtrailer, der witzigerweise dort auch nicht von einem Jugendbuch, sondern einer Horrornovelle spricht, was definitiv eher zutrifft.


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Posted 14. Juni 2014 by Chrissie in category Buchrezension

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