Mai 26

Carrie – Stephen King

Wohl kaum einer kennt die Geschichte von Carrie White und ihrer Ballnacht nicht. Carrie, die von einer fanatisch religiösen Mutter streng erzogen wurde und schon immer das Gespött der Schule war. Carrie, die telekinetische Fähigkeiten besitzt. Carrie, die auf ihrer Ballnacht gedemütigt wird. Carrie, die sich rächt. Ob nun als Romandebüt von Stephen King oder als einer der vielen Verfilmungen, die Geschichte kennt man. Wahrscheinlich hat mich genau dies so lange davon abgehalten auch endlich mal dieses Buch meines Lieblingsautors zu lesen.

“Carrie” ist bekanntlich Stephen Kings Romandebüt und sein Durchbruch. Früher von ihm verfasste Werke sind erst später unter seinem Pseudonym Richard Bachman veröffentlicht worden. Für mich als Stammleser, die bereits Dutzende von seinen Büchern verschlungen hat, stellt dieses Werk ein Bindeglied zwischen diesen beiden Autoren dar. Stephen King nimmt seinen Leser an die Hand und führt ihn fast freundschaftlich in die tiefsten Abgründe des Vorstellbaren hinab. Bachman hingegen ist direkter, härter und auch weniger fantastisch. Carrie hat etwas von beiden.

Die Geschichte beginnt, als Carrie in der Mädchenumkleide unter der Dusche ihre Periode bekommt. Durch ihre fanatistische Erziehung hat sie bisher keine Ahnung von diesen Dingen und bricht in Panik aus, während all die umherstehenden Mädchen sie beschimpfen und sie mit Tampons und Binden bewerfen. Während sich die Geschichte entwickelt, werden immer wieder Zeitungsartikel, Auszüge aus fiktiven Publikationen zum Vorfall und Polizeimeldungen, Zeugenaussagen und Verhöre zwischengeschoben. So erschreckend die Geschichte an sich und vor allem Carries Mutter ist, so sehr hat King für mich durch diese Einschübe die Spannung herausgenommen. Bereits auf den ersten Seiten weiß selbst sehr unbedarfteste Leser, dass etwas Schreckliches passieren wird, dass daran Carrie Schuld sein wird und dass dies während der Ballnacht und durch ihre Fähigkeiten passieren wird. Zwar Beleuchten diese Zusatzinformationen die Geschehnisse von zusätzlichen Seiten und geben den fast durchweg unsympathischen Charakteren menschlichere Seiten, dennoch störten sie mich, vor allem in dem Umfang, in welchem sie dargeboten wurden.

Einen wirklichen Protagonisten kann man in dieser Geschichte meiner Meinung nach nicht nennen. Natürlich dreht sich alles um Carrie, trotzdem werden auch andere Charaktere immer wieder beleuchtet und keinen kann man wirklich sympathisch finden. Selbst Carrie, die durch ihre schreckliche Mutter so viel Leid erdulden muss und überall aneckt, ist mehr mit einem mitleidigen Gefühl denn mit Sympathie bedacht.

“Carrie” stellt für mich keinen typischen King-Roman dar. Lässt man die Einschübe außer acht, so ist die Geschichte um den Leidensweg der Carrie White und ihrer Explosion erschreckend realistisch, heftig und unbarmherzig. Kings Schreibstil ist noch nicht gefestigt, trotzdem einnehmend und flüssig zu lesen. “Carrie” wird nicht zu meinen Lieblingsromanen von King zählen, das Buch hat mir dennoch gut gefallen. Zu Empfehlen für jeden Leser, der neben einer fantastischen Geschichte über ein Mädchen mit telekinetischen Kräften auch in die Abgründe einer religiös-fanatischen Familie schauen möchte und sich zudem mit dem Horrorort Schule beschäftigt, der für so viele Außenseiter einen täglichen Albtraum darstellt.

4stars

“Carrie” von Stephen King aus dem Bastei Lübbe Verlag, 320 Seiten, ISBN-13: 978-3404169580

Buch bei amazon.de: Carrie: Roman

Originalfilm (1976) bei amazon.de: Carrie – Des Satans jüngste Tochter (Horror Cult Uncut)

Trailer zum Film (1976):


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Posted 26. Mai 2014 by Chrissie in category Buchrezension

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