Mai 15

Die Verdammten – Brett McBean

“Die Verdammten” ist ein Sammelband der Dschungeltrilogie von Brett McBean und enthält die Bände “Der Dschungel aus Beton”, “Der Dschungel von nebenan” und “Der Dschungel der Großstadt”.

Paul und Beth kennen sich nicht, begegnen sich jedoch kurz nach Ladenschluss im untersten Geschoss einer Tiefgarage, die an ein Shoppingcenter angeschlossen ist. Paul hat auf den letzten Drücker ein Geburtstagsgeschenk für seinen Sohn gekauft, der morgen seinen Geburtstag feiern wird und sich freut endlich seinen Vater wiederzusehen. Beth ist zusammen mit ihrer anstrengenden Tochter Candice DVDs kaufen gewesen, damit diese während ihres Hausarrests nicht komplett unausstehlich wird. Zusammen mit einem einzelnen jungen Mann und einem älteren Ehepaar und ihrem Enkel sind sie die letzten Personen und wollen den Heimweg antreten.
Plötzlich erschüttert eine Art Beben die Tiefgarage und kurz darauf bricht die Hölle los. Riesige Bäume brechen durch den Boden und schießen durch alle Ebenen hoch zur Oberfläche. Nach und nach verwandelt sich die Betonwüste in einen Dschungel und fordert seine Opfer. Der Ausweg ist den Überlebenden versperrt und Paul, Beth und Candice müssen schon bald um ihr Überleben kämpfen.
Nicht nur in dieser Tiefgarage hat sich die Welt komplett verändert, sondern in ganz Australien, wovon Teil 2 und 3 erzählen.

Brett McBean steht mit einigen anderen seiner Bücher schon lange auf meiner Wunschliste, bisher hab ich den Kaufschritt aber noch nicht gewagt. Da mir “Die Verdammten” mehrfach empfohlen worden sind und ich beim Thema Endzeit immer anspringe, konnte mich der Festa-Verlag mit diesem Buch zu meinem McBean-Erstling reizen. Zudem ist das Cover sehr atmosphärisch und ansprechend, was an dieser Stelle auch einmal lobend erwähnt werden soll.

Überschwemmen derzeit die Zombieapokalypsen den Buchmarkt, so zeigt McBean mit dieser Trilogie eine gänzlich andere Endzeitvision auf, die zwar nicht logisch ist, das Leben der Australier aber gänzlich auf den Kopf stellt. Über den Rest der Welt erfährt man als Leser nichts, daher beschränke ich mich auf den beschriebenen Kontinent. In mehreren Schüben durchbrechen riesige Bäume die Erdoberfläche und zerstören fast alles, was die Menschheit errichtet hat. Die Natur erobert sich ihren Lebensraum zurück und bewirkt damit gleichzeitig, dass die Menschen an ihre Ausrottung getrieben werden. Doch es geht in allen drei Bücher nicht vorrangig um diese Katastrophe, sondern vielmehr darum, was sie aus den Menschen macht. Alle drei Teile erzählen eigenständige Geschichten und sind bis auf eine Angelegenheit völlig unabhängig voneinander lesbar.

Teil 1 wird zur Zeit der Entstehung des Dschungels erzählt. Für mich war dieser Teil der charakterlich tiefste, aber auch der harmloseste. McBean zeigt zwar auch schon hier das Monster, dass in einigen Menschen wohnt, doch wirkt die zusammenbrechende Zivilisation immer noch. Eingeschlossen in einer Dschungeltiefgarage versuchen die Überlebenden nicht nur aus dieser Falle zu entkommen, sondern auch einem Monster, dass unter ihnen weilt.

Teil 2 spielt etwa ein halbes Jahr nach der Entstehung des Dschungels. Die Menschheit spaltet sich auf. Es gibt Gruppen, die sich an die altbekannten Werte klammern und in dem überall vorherrschenden Grün ein Plätzchen zum sicheren Leben suchen. Es gibt zu dieser Zeit auch sogenannte Vollstrecker, die die harmlosen Überlebenden vor den ersten grausamen Gangs beschützen wollen, die entstehen und das Leben zu einem grausamen Katz und Maus Spiel machen.

Teil 3 spielt ca. vier Jahre nach der Katastrophe. Die Menschheit, wie wir sie kennen, existiert kaum noch. Die Löwen, die Baum- und die Tunnelbewohner bilden eine strenge Hierarchie und der klägliche Rest der normalen Menschen wird permanent gejagt. Eine Grausamkeit folgt der nächsten und ist doch alltäglich geworden. Zum Ende passiert dann eine Begebenheit, die ein ganz anderes Licht auf diese Bücher wirft und die ich so nicht erwartet hätte. Dadurch wird zwar erklärt, warum die Bäume den Boden durchbrachen, aber man darf hier keine Logik erwarten, sondern vielmehr einen Grund.

Der Festa-Verlag macht mit diesem Buch seinem Programm wieder alle Ehre. Die Menschheit verroht und Gewaltexzesse, Vergewaltigung und Kannibalismus sind vorherrschende Themen, die teilweise schwerverdaulich geschildert werden, da McBean hier vor keinem Tabu halt macht. Doch verliert sich der Autor nicht in solchen Schilderungen, sondern schafft es immer wieder auch eine gute Geschichte mit unterschiedlichen Charakteren zu erzählen. Spannende Szenen wechseln sich mit menschlichen Abgründen ab und dem kläglichen Rest, der ihn dieser Welt zu überleben versucht. Mit jedem Teil steigert McBean das unaussprechliche Geschehen in gleichem Maße, wie die menschliche Zivilisation und ihr Geist verschwindet. Nach meiner Meiner geschieht all dies etwas zu drastisch und daher etwas unrealistisch, doch die Absicht des Autors dahinter ist klar und auch gut, wenn eben auch sehr heftig umgesetzt.

Vom Schreibstil hat McBean ein gutes Werk abgeliefert. Es lässt sich flüssig und problemlos lesen und man kann dem Geschehen gut folgen. Ich persönlich würde mir noch etwas mehr sprachliche Raffinesse wünschen.

Für jeden Liebhaber von Endzeitstorys, der einen starken Magen und selbige Nerven hat und mit einer etwas anderen, leicht skurillen Grundgeschichte klarkommt, ist “Die Verdammten” eine Leseempfehlung. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, trotz kleinerer Schwächen, und werde definitiv weitere Bücher des Autors auf dem Schirm behalten.

4stars

“Die Verdammten” von Brett McBean aus dem Festa-Verlag, 592 Seiten, ISBN-13: 978-3865522924

Buch bei amazon.de: Die Verdammten: Endzeit-Thriller

Und wem die Printausgabe zu teuer ist, der kann bei Festa getrost zum ebook greifen, da das Preisverhältnis von Print zu Datei hier in meinen Augen sehr gelungen und für jeden Großverlag zur Nachnahme empfohlen ist.

Kindle-Version bei amazon.de: Die Verdammten: Endzeit-Thriller


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Posted 15. Mai 2014 by Chrissie in category Buchrezension

4 thoughts on “Die Verdammten – Brett McBean

    1. Chrissie (Post author)

      Das freut mich zu hören. Sag mal Bescheid, wie sie dir gefallen hat. 🙂

      Reply
  1. Debora (voll anonym und so)

    Das mit dem Preisverhältnis zwischen ebook und Print ist mir auch schon positiv aufgefallen 🙂 Auch wenn ich natürlich nie zum ebook greifen würde (jedenfalls nicht freiwillig)

    Das Buch liegt übrigens auch bei mir auf dem SuB, aber Max hat es mir noch nicht ausgesucht zum Lesen xDD

    Reply
    1. Chrissie (Post author)

      *lol* Macht er das immer?
      Ich greife auch meist zur Printausgabe, aber bei den Kleinverlagen ist das Preisverhältnis einfach angemessen. Man kommt sich doch verscheißert vor, wenn man fast 20€ für eine Datei ausgibt, nur weil es das Buch derzeit nur als HC gibt. Und ein halbes Jahr später, wenn die TB-Ausgabe erschienen ist, dann kostet dieselbe Datei dann “nur” noch 10€.

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