März 18

Die Feinde – Charlie Higson

Eine Seuche bricht in London, wahrscheinlich aber auch auf der ganzen Welt aus. Alle Erwachsenen, alle über 14 sterben qualvoll und nur die Kinder bleiben zurück. Es gibt nun niemanden mehr, der sie ernähren, anleiten, erziehen, wärmen und trösten kann.
Ein Jahr später haben sich die überlebenden Kinder in kleinen Gruppen zusammengerauft und kämpfen um das nackte Überleben. Die Nahrungsmittel sind mittlerweile äußerst knapp und so müssen sich die Versorgungstrupps immer weiter in Feindesland vorwagen. Doch warum in Feindesland, wenn doch alle gestorben sind? Tja, manche der Erwachsenen blieben nicht tot und jagen die verblieben Kinder nun mit Heißhunger.

Charlie Higson schreibt an seiner Zombiereihe für Jugendliche schon seit einigen Jahren, in England ist das Original zu “Die Feinde” mit Namen “The Enemy” bereits 2009 erschienen und hat dort bereits drei Nachfolgebände. Nun hat er es hiermit auch ins Deutsche geschafft. Ich muss jedoch gleich vorwegnehmen, dass nach meinem Geschmack eine Empfehlung für Jugendliche nur bedingt ausgesprochen werden kann, da es hier nunmal um das Verspeisen von Kindern durch Untote in einer schrecklichen Welt geht. Zwar beschreibt Higson dies nie plastisch, dennoch sind einige Bilder und Zustände schon recht heftig und meines Erachtens nur für ältere Jugendliche und Erwachsene geeignet.

Higson geht mit diesem Roman keine typischen Zombiewege. Eine unbekannte Seuche hat alle Menschen über 14 sterben lassen, von denen ein gewisser Prozentsatz dann wieder auferstanden ist und nun auf der Jagd nach Frischfleisch durch die Straßen und Häuser Londons streift. Die Zombies werden hier einerseits “Erwachsene” genannt, an anderer Stelle auch “Feinde”, was sich einfach daran erklären lässt, dass die Kinder sich hier gegen meist erwachsene Betroffe zur Wehr setzen müssen. Zudem scheinen die Erwachsenen auch eine gewisse Art von Intelligenz aufzubauen und schreiten in ihrer Erkrankung weiter voran. Man könnte sie daher eher als Infizierte denn als richtige Zombies ansehen.

Als Leser begleitet man eine kleine Gruppe von Kindern, die sich zunächst in einem Supermarkt einquartiert haben. Die Vorräte sind jedoch längst erschöpft und so müssen die Kämpfer immer wieder auf Beutestreifzüge gehen. Verluste sind hier vorprogrammiert. Als dann ein verwahrlost aussehender Junge vor ihren Toren auftaucht und von einem Neuanfang spricht, einer Chance auf ein sicheres Leben, bricht die Gruppe auf um diesen Ort – den Buckinghampalace – zu erreichen. Das dieser Weg alles andere als leicht und verlustreich ausfällt, dürfte klar sein.
Zudem wird parallel noch eine weitere Geschichte verfolgt, von der ich nun aber nicht sprechen kann, da dies spoilern würde. Dieser zweite Strang hat mir jedoch am meisten gefallen.

Was man hier ziemlich schnell merkt: Kein Charakter ist sicher. Higson schreckt auch nicht davor zurück seine vermeindlichen Hauptcharaktere zu töten und so steht die Spannung konstant. Er baut seine Charaktere dennoch sehr schön aus und obwohl es sich um Kinder handelt, die eben auch mal kindisch reagieren, nervte dies nie und erreichte auch immer wieder Tiefe. Wem kann man trauen, wem nicht, und ist die Zuflucht wirklich sicher?

Kleinere Kritikpunkte gibt es leider auch. Es gibt im Buch eine Situation, die für mich einfach unerklärlich und rätselhaft ist, da nicht erklärt wurde, warum es zu diesem Geschehen kam. Zudem ist mir eine Sache am Ende des Buches etwas zu leicht und reibungslos gelöst worden, da hätte ich mir doch etwas mehr Feuer gewünscht.

Für mich ist “Die Feinde” von Charlie Higson ein spannender Lesegenuss gewesen, den ich verschlungen habe. Nicht so heftig und drastisch wie Erwachsenenzombieromane und doch konstroverser und drastischer, wenn man einfach mal drüber nachdenkt, dass dort gerade Kinder, teilweise Kleinkinder sterben. Zudem enthält das Buch auch leicht kritische Blicke auf die Gesellschaft und ihre Vor- und Nachteile. Ich hoffe, dass der Heyne-Verlag schnell die anderen im Original bereits erschienenen Bände übersetzt, damit ich weiterlesen und vor allem meinem zweiten, favourisierten Erzählstrang folgen kann, der einfach ungemein spannend war.

4stars

“Die Feinde” von Charlie Higson aus dem Heyne-Verlag, 480 Seiten, ISBN-13: 978-3453314658

Sehr unterhaltsam und empfehlenswert ist übrigens auch dieses Video vom Autor selbst, welches einen kleinen Einblick in das Buch gewährt. Unbedingt bis zum Ende anschauen. 🙂


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Posted 18. März 2014 by Chrissie in category Buchrezension

2 thoughts on “Die Feinde – Charlie Higson

  1. Jay

    Hallo Chrissi,

    ich bin über deine Rezi bei Amazon auf Dein Blog hier gekommen und finde es toll hier. 🙂
    Schön, dass auch Dir die Enemy-Reihe gefällt, denn meine große Hoffnung ist, dass die folgenden Bände auch bald ins Deutsche übersetzt werden, denn der Übersetzer hält sich sehr eng am Original und hat mit Die Feinde gute Arbeit geleistet (was bei Übersetzungen anderer Bücher leider nicht immer der Fall ist). Ich habe alle erhältlichen Bände bereits auf Englisch gelesen und kann versprechen, dass die Handlung immer besser (aber nicht unbedingt blutiger) wird. Higson fängt in “Die Feinde” eigentlich erst an. 🙂

    Ich habe noch zwei Anmerkungen zu Deiner Rezi hier:
    Die Erwachsenen sind tatsächlich keine “richtigen” Zombies. Du schreibst manche seien “wieder auferstanden”, aber sie waren niemals tot. Das steht auch so im Buch. Es ist eine Krankheit, die die Erwachsenen zu zombieähnlichen Wesen macht. Viele sind daran gestorben, die Überlebenden haben sich aber verändert. Wären es echte Zombies, wäre es wohl ungleich schwerer sie zu bekämpfen.
    Es gibt bereits fünf Bücher in der Reihe. The Enemy (1), The Dead (2), The Fear (3), The Sacrifice (4), The Fallen (5). The Hunted (6) soll Anfang September 2014 erscheinen. Mehr dazu findest Du in meinem Blog. Ich würde mich über einen Besuch und KOmmentare riesig freuen. 🙂

    Viele Grüße. Ich komme sicher wieder.
    Jay

    PS: Unbestätigten Gerüchten zufolge sind für die Reihe sieben Bände geplant und der siebte Teil soll den Titel “The End” tragen und 2015 erscheinen.

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    1. Chrissie (Post author)

      Hallo Jay,
      vielen lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar. 🙂
      Laut Heyne ist man dort wohl bereits in Planung, was die weiteren Bände anbelangt. Ich freue mich schon sehr darauf.
      Ich habe die “Erwachsenen” als Mischwesen aus Infizierten und Zombies gesehen. Einerseits wird ja beschrieben, dass die Erkrankung auch weiter fortschreitet und so eben auch die Infizierten umkommen können (möchte hier nun nicht weiter spoilern). Andererseits wurde auch geschrieben, dass erstmal alle starben, aber eben nicht alle tot blieben (was ja eine subjektive Empfindung sein könnte, also dass sie tot waren) und sie sind auch teilweise derart übel zugerichtet etc., dass ein Leben damit nicht mehr vereinbar wäre. Aber darüber kann man streiten und es stört mich nicht, dass dies nun keine typischen Genrevertreter sind. 🙂
      Freut mich total, dass dir die Reihe so gut gefällt, ich bin sehr gespannt auf das noch Kommende. 🙂
      LG Chrissie

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