Februar 13

Die Geächteten – Hillary Jordan

Hannah lebt in einem Amerika der Zukunft, dass von Religion sehr geprägt wird und eine neue Art der Verbrechensbekämpfung aufweist. Nur noch sehr wenige Täter werden in Gefängnissen untergebracht, alle werden jedoch verchromt. Je nach ihrer begangenen Tat werden sie komplett eingefärbt. Hannah ist eine Rote und diese Farbe steht für Mord. Sie darf zwar bis auf wenige Auflagen weiter frei leben, doch als Verchromte ist dies kein Leben mehr. Sie ist vogelfrei, jeder wendet sich von ihr ab und sie hat bei der Schwere ihrer Tat kaum eine Chance auf ein Überleben dieser Strafe. Wie meistert sie also diesen ungleichen Überlebenskampf und gibt es nicht vielleicht doch einen Ausweg, eine Rettung?

Ich bin ein Fan guter Dystopien und nach einer Kurzgeschichte von Scott Sigler mit dem Titel “Roter Mann”, die in etwa die gleiche Thematik aufgewiesen hat, war ich äußerst neugierig auf dieses Buch. Leider habe ich ziemlich schnell feststellen müssen, dass dies keine ausgewachsene Dystopie darstellt, sondern eher im Bereich Jugendbuch oder Young Adult anzusiedeln ist. Zwar spielt die Story in einer dystopischen Welt, jedoch ist der Fokus rein auf den Überlebenskampf von Hannah gerichtet und es wird sehr wenig auf die politischen Hintergründe dieser Gesellschaft eingegangen. Selbst die verschiedenen Verchromungsfarben und deren Bedeutung werden kaum und teilweise sogar gar nicht erklärt.
Vielmehr legt die Geschichte eine sehr religiöse Richtung ein, die sich durch das ganze Buch zieht und sofern man kein besonders gläubiger Mensch ist wird einen dies doch sehr stören. Falls man ein besonders gläubiger Mensch ist wird man das aber auch nicht mögen, da Religion und ihr Fanatismus natürlich negativ dargestellt werden.

Hannah wird als junge Frau Mitte zwanzig beschrieben, agiert und reagiert aber leider sehr pubertär und nicht altersgerecht. Zudem empfinde ich ihre Charakterentwicklung als unglaubwürdig. Sie kommt aus einem sehr christlichen Haus mit altbackenen Rollenverständnissen und Werten, die ihr seit Kindheitstagen eingeprägt wurden. Natürlich befindet sie sich nach ihrer Verchromung in einer Extremsituation, trotzdem erscheint mir ihr Wandel ins fast komplette Gegenteil zu massiv. Wenn man sein ganzes Leben lang in seinem eigenen Denken in eine bestimmte Richtung exzessiv geprägt wurde, dann kann man dies nicht sofort fast komplett ablegen.

“Die Geächteten” ist zwar durchaus spannend geschrieben, dennoch geht das Buch einen sehr seichten Weg. Nach Lektüre des Klappentextes erwartet man (jedenfalls habe ich das getan) einen harten Überlebenskampf einer einsamen Frau, man bekommt aber eher ein seichtes Fahrwasser geliefert. Kaum eine Begebenheit empfand ich als besonders verstörend, schrecklich oder gefährlich. Zum Schluss hin gibt es zwar den Versuch hierzu, dennoch scheitert dieser. Die Protagonistin muss einfach nie wirklich und bis auf’s Blut leiden und sich emporkämpfen.
Auch hier stört mich wieder das Seichte an dieser Dystopie, da auch die gesellschaftlichen Umstände nicht sehr beängstigend erscheinen. Unangenehm ja, aber nicht beängstigend. Hannah trifft auf ihrem Weg immer wieder auf starke Frauen, die sich auf ihre Art dem System widersetzen. Sie trifft jedoch fast nie auf verlorene Seelen, auf wahre Opfer des Systems, die daran zerbrochen sind.

Wenigstens ist das Buch nicht auch noch in der von mir nicht wirklich gemochten Ich-Perspektive geschrieben. Es wird zwar immer aus Hannahs Sicht erzählt, dies aber aus der dritten Person heraus.

Zusammenfassend ist dieses Buch für mich ganz nett gewesen. Der Schreibstil lässt sich gut lesen, der Handlungsverlauf ist flüssig und gut verständlich, dennoch gibt es einige Kritikpunkte, weshalb “Die Geächteten” nur im Mittelfeld mitspielt. Für Jugendliche bestimmt eine spannende Geschichte, für mich jedoch eher mau.

“Die Geächteten” von Hillary Jordan aus dem Bastei Lübbe Verlag, 416 Seiten, ISBN-13: 978-3404168941

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Posted 13. Februar 2014 by Chrissie in category Buchrezension

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