Februar 3

Der letzte Polizist – Ben Winters

Der gesamte Planet sieht seinem Ende entgegen und die Menschheit reagiert dementsprechend. Ein Asteroid rast auf die Erde zu und seit einigen Monaten ist klar, dass er einschlagen wird. Er ist so groß, dass die Detonation den Weltuntergang nach sich zieht, ein Überleben der menschlichen Zivilisation scheint ausgeschlossen. Wie verbringt man also seine letzten Monate mit dieser bedeutungsschweren Deadline? Hank Palace konzentriert sich auf seinen Job. Er ist Detective und glaubt als einziger bei einem der unzähligen Selbstmorde nicht an einen Suizid. Gegen alle Widerstände ermittelt er weiter und stochert dabei in einem Bienennest, dessen Ausmaße er nicht erahnen kann.

“Der letzte Polizist” von Ben Winters in ein Kriminalroman in präapokalyptischer Umgebung. Wie reagieren die Menschen wenn ihre Tage gezählt sind? Die Gesellschaft reißt teilweise auseinanders, dennoch gibt es auch weiterhin Leute, die ihrer Verpflichtung nachgehen, der Welt wenigstens noch etwas Ordnung verleihen. Der Protagonist Hank Palace ist hier ein Paradebeispiel. Er lässt sich kaum von der drohenden Katastrophe beeinflussen und hat einen untrügerischen Instinkt, was Verbrechen angeht.

Das Buch hat einen ruhigen Erzählstil. Palace ist kein Haudegen, kein aufregender Charakter und trotzdem kann er den Leser mit seinen Gedanken und Überlegungen gefangen nehmen. Seine Gedanken zum angeblichen Selbstmord, zum drohenden Weltuntergang und zu ganz alltäglichen Dingen sind zwar charakterspezifisch, aber sehr real wirkend.

Die Geschichte behält durchgehend eine konstante Erzählgeschwindigkeit. Es gibt daher keine Längen, aber auch keine atemlosen Spannungsperioden. Was mir jedoch besonders gefiel war der sehr gut durchdachte Plot. Ich lese nun schon sehr lange und leide daher leider an der Viel-und-Langleserkrankheit, durch die ich die meisten Wendungen erahne und den Täter oft schon früh kenne. Wenig kann einen noch überraschen. Bei “Der letzte Polizist” war dies jedoch nicht so. Bis zum Schluss war mir nicht klar, wer der Täter ist, eine große Strecke des Buches war ich mir nichtmal sicher, ob Palace nicht doch falschliegt und einen Selbstmord als Mord ansieht.

Ben Winters gibt zudem einen sehr philosophischen Blick auf eine drohende Apokalypse. Wie reagiert der Mensch, wie die Gesellschaft auf eine Deadline, die unverrückbar und unabwendbar ist? Fast beiläufig und dennoch sehr gut platziert gibt einem der Autor hier auch einen Blick über den Tellerrand, auch das Ausland wird berücksichtigt. Dies gefiel mir auch sehr gut.

Kritikpunkt ist für mich die Ich-Perspektive, aus der diese Geschichte erzählt wird. Ich bin einfach kein Fan von dieser Erzählart und bevorzuge den allwissenden Erzähler.
Zudem hatte ich beim Kauf des Buches keinen Kriminalroman erwartet, da ich kein Liebhaber dieses Genres bis. Man darf hier daher keinen actiongeladenen Endzeitroman oder eine düstere Spannungsdystopie erwartet, auch wenn “Der letzte Polizist” auf einen Endzeitzustand zustrebt und gewisse dystopische Elemente aufweist.
Man kann mich daher nicht als typischen Leser für dieses Buch ansehen und trotzdem hat es mir gefallen. Für Krimifans, die es gerne auch mal etwas apokalyptischer mögen ist dieses Buch definitiv eine Empfehlung.

“Der letzte Polizist” von Ben Winters aus dem Heyne-Verlag, 352 Seiten, ISBN-13: 978-3453534513

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Posted 3. Februar 2014 by Chrissie in category Buchrezension

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