Dezember 26

Gesetz der Rache (Artikel 5 #2) – Kristen Simmons

ACHTUNG!
Dies ist der zweite Band einer Reihe. Die folgende Buchbesprechung wird daher Spoiler zum Inhalt des vorherigen Bandes enthalten und sollte nur gelesen werden, wenn man diesen kennt oder keine Probleme mit vorweggenommener Handlung hat.

“Artikel 5”, das Debüt von Kristen Simmons, konnte mich dieses Jahr sehr begeistern. Daher fieberte ich dem Erscheinungstermin des zweiten Bandes dieser Reihe entgegen. Für mich als eher abgeneigter Leser, was die meisten Jugendbücher angeht (Ausnahmen bestätigen die Regel), war dies der Auftakt einer vielversprechenden Reihe.

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Ember und Chase konnten am Ende von Band 1 aus der Haftanstalt der sogenannten Moralmiliz entkommen – ihr Feind Tucker Morris selbst lebt jedoch noch und waltet weiter seines Amtes. Im Widerstand und damit im Untergrund angekommen versuchen sich beide einzuleben, mit ihren Gefühlen füreinander und für das Erlebte zurechtzukommen und eine Zukunftsperspektive aufzubauen.
Damit ist schnell Schluss, als die Moralmiliz unter anderem Ember mit einem Heckenschützen in Zusammenhang bringt, der systematisch und unerkannt immer wieder Soldaten ausschaltet und die Bevölkerung immer mehr gegen die Regierung aufwiegelt. Die totgeglaubte Ember ist auf einmal der Staatsfeind Nummer 1 und muss fliehen, denn auf sie darf nun allein bei Verdacht geschossen werden. Wie soll sie so ihre Freundin Rebecca aus den Fängen der Moralmiliz retten? Was tut sie ihren wenigen Freunden mit ihrer Anwesenheit an, da die Regierung einen weiteren Artikel erlassen hat, der nun selbst unbewusste Beteiligung am Widerstand mit dem Tod bestraft? Oder birgt diese neue Situation ganz andere Möglichkeiten?

Das Buch setzt kurz nach den Ereignissen des ersten Bandes wieder ein und man findet als Leser sofort wieder in die Geschichte hinein. Spannend und Schlag auf Schlag geht es dann auch weiter, der Spannungsbogen wird durchgehend aufrecht erhalten und die Story schreitet rasch voran. Das hat mich wieder sehr gefangen genommen und mich mitgerissen.
Gut gefallen hat mir hier auch, dass die Zustände in diesem totalitären Staat noch anschaulicher beschrieben wurden. In Band 1 ist Ember zu Beginn eine relativ unbescholtene Bürgerin, die sich mehr oder minder an die Vorgaben hält und so schockiert sie schon früh das kleinste Kinkerlitzchen, welches ihr zustößt. Nun taucht Ember immer tiefer in den Untergrund und den Widerstand ein und lernt so auch die Methoden und Maschen der Regierung und der Moralmiliz kennen und sieht deren Auswirkungen direkt. Ich fand dies sehr gut, anschaulich und realistisch wirkend umgesetzt.

Die Charakterentwicklung stagniert nach meinem Geschmack leider etwas. Gerade durch die erlebten Zustände und Gefahren hätten die Protagonisten meines Erachtens sehr viel mehr reifen und Veränderungen erfahren müssen, in welche Richtung diese auch immer gehen mögen. Leider bleiben gerade Ember und Chase auf einem eher pubertären Level liegen, welches mich ziemlich bald nervte. Die Beiden sind zwar im jugendlichen bis jungen Erwachsenenalter, trotzdem möchte man die beiden schon nach kurzer Zeit schütteln und entnervt anbrüllen, sie sollen jetzt endlich mal vom Fleck wegtreten und den Schritt tun, den sie eh beide wollen.
Stattdessen gibt es leider über das ganze Buch verteilt den typischen Jugendbuchvirus: Eigentlich ist klar, was beide wollen, wie beide zueinander stehen, trotzdem muss man immer wieder Argumente, so fadenscheinig sie sein mögen, finden, um hier einen weiteren Keil hineinzutreiben. Und noch einen. Und noch einen. Und noch einen…
Zudem agiert Ember teilweise nichtmal naiv, sondern schlichtweg dumm.
Die Nebencharaktere fand ich wesentlich besser dargestellt, gerade in Bezug auf das Ende dieses Bandes und einer Begebenheit dort, die für zwei Personen ein sehr emotionales Erlebnis darstellt. Trotzdem konnte mich dieser Aspekt am Buch generell nicht überzeugen.

Die Geschichte an sich hat mir wieder gut gefallen. Eine realistisch dargestellte fiktive Zukunft Amerikas im dystopischen Sinn, mit beängstigenden Zuständen und Protagonisten, die sich immer wieder auf neue Situationen einstellen müssen und nie lange an einem Ort verweilen. Aus diesem Blickwinkel definitiv ein Pagetuner.

Abschließend hat mir “Gesetz der Rache” zwar gut, aber nicht ganz so gut wie der erste Teil gefallen. Die Stärken des ersten Bandes sind immer noch da, die Schwächen leider auch, nur ausgeprägter. Trotzdem werde ich wohl weiterlesen, da ich einfach gespannt bin, wohin diese Reise letztendlich führen wird.

“Gesetz der Rache” von Kristen Simmons aus dem ivi-Verlag, 448 Seiten, ISBN-13: 978-3492703055

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Posted 26. Dezember 2013 by Chrissie in category Buchrezension

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