Dezember 18

Verflucht – Chuck Palahniuk

Chuck Palahniuk sorgt mit seinen Büchern immer wieder für zündenden Gesprächsstoff. Ich lese ihn ab und an ganz gerne und so musste dann auch sein neuestes Buch “Verflucht” bei mir einziehen. Es stellt anscheinend den Auftakt einer Reihe dar, deren Umfang mir jedoch nicht bekannt ist.

Nachdem sie durch eine Überdosis Marihuana gestorben ist findet sich Madison in der Hölle wieder. Sie ist ein junges, recht naives Mädchen und Tochter reicher, berühmter und exzentrischer Eltern. Madison hinterfragt dies alles und möchte Satan zur Rede stellen. Zusammen mit einer bunten Gruppe junger Leute macht sie sich daher auf die Suche nach ihm und erlebt dabei allerlei Skurriles. Sie hinterfragt sich, ihr vergangenes Leben und ihre unendliche Zukunft in der Hölle und beginnt immer mehr zu rebellieren. Doch es ist alles andere als einfach Satan zu finden und der Hölle zu entkommen.

Durchgehend so strukturiert beginnt jedes Kapitel mit einer direkten Ansprache an Satan. “Hallo Mr. Satan, hier spricht Madison”, gefolgt von Anklagen, Reflexionen und Fragen, die dann im nachfolgenden Kapitel ausgeführt, erklärt und teilweise auch selbst beantwortet werden. Palahniuk setzt auch in seinem neuesten Werk wieder auf innere Dialoge und Charakterentwicklung. Ist Madison am Anfang des Buches noch sehr naiv, so beginnt sie nach und nach zu verstehen, was bei ihr falsch gelaufen ist.
Palahniuk rechnet hier auf ziemlich eindrucksvolle Weise mit gängigen Klischees nach Brangelina, Kapitalismus, soziale Ungerechtigkeiten und der Jugendkultur ab. All dies kann er wirklich wundervoll in eine recht skurille Geschichte einbinden.

Seinen Schreibstil muss man mögen. Für mich setzt er recht wenig auf Spannung, sondern eben viel mehr auf Charakterentwicklung und Sinn innerhalb der Geschichte und zwischen den Zeilen. Er bricht hierbei durchweg immer gerne gängige Tabus und so braucht man als Leser auch hier teilweise einen recht starken Magen. Die Schilderung der Hölle und seiner Dämonen ist mir so noch nicht untergekommen, wird ihr Schrecken doch gänzlich untypisch und sehr gesellschaftskritisch dargestellt.

Ich hatte aber auch meine Probleme mit diesem Buch.
Hat es mich am Anfang noch sehr fesseln können, so empfand ich den Mittelteil als recht langatmig und auch der Schluss konnte mich nicht wirklich überzeugen. Madison als Protagonist, aus deren reflektierender Ich-Perspektive die ganze Geschichte geschildert wird, war für mich teilweise unterhaltsam, teilweise aber auch etwas nervig. Mir war sie einfach an manchen Stellen etwas zu naiv, zu ahnungslos, was mich dann doch hin und wieder negativ aufgeregt hat.
Zudem verlor die Hölle doch sehr an Schrecken nach der ersten Dämonenbegegnung. Gesellschaftskritisch betrachtet verstehe ich durchaus, worin Palahniuk den wahren Schrecken, die wahren zu erleidenden Qualen der Hölle sieht, für mich war das aber einfach zu wenig. Ein endloses Leben nach dem Leben dort mag zwar nicht unbedingt angenehm sein, aber auch nicht die endlosen, ewig gepriesenen Höllenqualen hervorrufend.
Gerade in Bezug auf einige geschichtliche Charaktere, die Madison während dieser Geschichte trifft, finde ich deren “Bestrafung” als unspektakulär, viel zu milde und schlichtweg langweilig. Zumal man wie Madison schnell zu dem Schluss kommt, dass es in der Hölle gar nicht so schlimm ist. Warum sollte man sich also in seinem richtigen Leben gut benehmen?

Zusammenfassend fand ich “Verflucht” ganz gut, es konnte mich aber nicht soweit überzeugen, dass ich die Reihe weiterverfolgen möchte. Die gesellschaftskritischen Ansätze sind sehr gut, die Geschichte an sich aber leider teilweise langatmig und unspektakulär. Daher meiner Meinung nach nur bedingt weiterzuempfehlen.

“Verflucht” von Chuck Palahniuk aus dem Manhatten-Verlag, 304 Seiten, ISBN-13: 978-3442547067

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Posted 18. Dezember 2013 by Chrissie in category Buchrezension

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