Dezember 8

Das Leben und das Schreiben – Stephen King

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Im November diesen Jahres durfte ich Stephen King, meinen absoluten Lieblingsautoren, zum ersten Mal live erleben. Vorher wollte ich unbedingt noch sein Sachbuch über das Schreiben und wie er dazu gekommen ist lesen. “Das Leben und das Schreiben” stellt eben jenes Werk dar und erzählt in drei Abschnitten, wie King zum Schreiben gekommen ist und was ihn beeinflusste, wie er schreibt und was er zu vermeiden sucht und letztendlich, was ihn beinahe von der Beendigung dieses Buches abgehalten hat.

Autobiographisch kann man dieses Buch nur bedingt nennen. King erzählt zwar viel aus seiner Vergangenheit, von seinen Einflüssen und seinem Weg zum Autoren, jedoch liegt der Fokus immer auf Aspekten, die seine Fantasie beflügelt haben und ihn auf seinem schreibenden Weg voranbrachten. Liebevolle und schreckliche Kindheitserinnerungen, Rückschläge im Leben und das Dasein als sehr armer Mensch in den kapitalistischen USA prägen King und lassen es nicht verwunderlich erscheinen, warum gerade er den Hang zum Fantastischen entwickelt, zum Gruseligen perfektioniert hat.
In vielen Interviews sagte King bereits, dass alles aus seinem Leben irgendwie in seine Bücher einfließt. Nach der Lektüre dieses Buches wird dem Leser seiner Werke dies jedoch besonders bewusst. Es ist teilweise erschreckend die doch sehr nahen Erlebnisse hinter vielen Horrorklassikern kennenzulernen. Dies wirft ein ganz anderes Licht auf seine Bücher.
In seiner gewohnt der direkten, bildlichen Art spricht King von all dem und man fühlt sich als Leser so, als ob man dies an einem verregneten, nasskalten Abend von einem guten Erzähler zu hören bekommt. Jenem entfernten Onkel, den man selten trifft und der so hervorragend Geschichten zum Leben erwecken kann.

Im zweiten Teil des Buches geht King dann auf das Schreiben an sich ein. Er zeigt auf, wie er schreibt, was er für wichtig hält und was getrost dauerhaft gestrichen gehört. Auch dieser Teil ist nicht trocken, obwohl er natürlich weitaus nüchterner geschildert wird als die Erinnerungen zuvor. Anhand von Beispielen von anderen Autoren als auch anhand seiner eigenen Werke zeigt er dies auf. Ich muss ehrlich sagen, dass mir einiges sehr eingeleuchtet hat und ich es sehr beeindruckend finde, wie frei King einerseits schreibt, welche Gedanken er sich aber gleichzeitig um Sprache und deren Wirkung macht.
Ich mag die Vorstellung besonders, dass King so gut wie nie skriptet, sondern sich von seinen Ideen leiten lässt. Er hat zwar beim Schreiben vage Vorstellungen, wohin eine Geschichte führen könnte, lässt sich jedoch auch sehr gerne von dieser ganz woandershin leiten. Ich finde dies, so kitschig sich das auch anhören mag, magisch und stelle mir selbst so das perfekte Schreiben von fiktiven Geschichten vor. Man dient als Autor dem Universum als Trichter und saugt die bereits vorhandenen Geschichten auf und bringt sie zu Papier, man lässt sich selbst etwas Tolles erzählen. Und ja, ich weiß, sinnbildlich ist dies einem Buch von King entnommen. 🙂

Im letzten Teil, dem kleinsten dieses Buches, schildert King seinen fast tödlichen Unfall 1999. Dies war für mich sehr emotional, obwohl King die Geschehnisse sehr nüchtern und sachlich wiedergibt. Hinter all diesem steckt aber eine unheimliche Tiefe und wie in diesem gesamten Werk die unendliche Liebe zu seiner Frau.

Ich bin sehr froh dieses Buch gelesen zu haben und möchte es jedem einzelnen Leser und Nichtleser auf diesem Planeten empfehlen. Obwohl es nicht so herkommt ein sehr wichtiges und großes Buch von einem Mann, der Generationen prägte und noch immer prägt und gleichzeitig ein ganz normaler Kerl ist.

“Das Leben und das Schreiben” von Stephen King aus dem Heyne-Verlag, 384 Seiten, ISBN-13: 978-3453435742

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Posted 8. Dezember 2013 by Chrissie in category Buchrezension

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