November 9

Doctor Sleep – Stephen King

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Der kleine hellsichtige Danny Torrance ist erwachsen geworden. Mithilfe seines Shinings hat er das Overlock Hotel und seinen Vater überlebt, muss nun aber mit den Erinnerungen zurechtkommen. Dan schafft, was er nie schaffen wollte und wird seinem Vater immer ähnlicher, bis er komplett in einer Alkoholsucht verschwindet um sein Shining zu dämpfen und seine Vergangenheit zu vergessen.
In dieser Verfassung kommt er nach etlichen gescheiterten Versuchen in der Kleinstadt Frazier an und fühlt sich das erste Mal seit Langem wohl. Er entsagt dem Alkohol, tritt den Anonymen Alkoholikern bei und arbeitet bald als Hausmeister in einem Hospiz, in welchem er zusammen mit einer Katze noch eine weitere Arbeit erfüllt.
All dies muss er auch tun, da zuerst unauffällig, doch später immer deutlicher die kleine Abra in sein Leben tritt. Abra hat ebenfalls das Shining und dieses ist unfassbar stark. Dadurch wird der sogenannte Wahre Knoten auf sie aufmerksam. Diese Gemeinschaft jagt Kinder wie Danny eines war und Abra eines ist, um sich von deren Shining, welches sie Steam nennen, zu ernähren. Dan muss für Abra nun sein, was Dick Hallorann für ihn war, damit beide für den Kampf gegen den Wahren Knoten und seiner höllischen Anführerin gewappnet sind.

Stephen King hat mit “Doctor Sleep” einen Nachfolger für seinen Welterfolg “Shining” geschaffen, der auch für sich alleine sehr gut bestehen kann. Man muss den ersten Band nicht gelesen haben um mit diesem Buch zurechtzukommen, förderlich wäre es aber natürlich schon.
Nachdem man zu Beginn des Buches noch einmal kurz den kleinen Danny kennenlernt, der immer noch unter den Nachwehen des Overlock Hotels zu leiden hat, begegnet der Leser einem Dan Torrance, der sozial, emotional und finanziell komplett in der Gosse angekommen ist. Ein Anti-Held, der sich im Verlauf der Geschichte zum Helden mausern muss.
Als weitere Protagonistin ist Abra abzusehen, ein junges Mädchen, welches über ein unvorstellbar starkes Shining verfügt. Ein quirrlige junge Dame mit Träumen, Ängsten und einer gehörigen Portion Rachedurst auf den Wahren Knoten.
King versteht es auch hier wieder wie kein anderer seine Charaktere realistisch und menschlich darzustellen, so dass der Leser bereits nach wenigen Seiten meint, er würde die handelnden Personen schon Jahre kennen. Man leidet, man lacht und man kämpft mit ihnen. Zudem mag ich auch sehr, dass es in diesem Buch kein schwarz-weiß Denken gibt. King beleuchtet auch sehr anschaulich die Personen im Wahren Knoten, deren Gründe, Freuden und Ängste. Alleine schon durch diesen Charakterausbau versinkt man im Buch und vergisst alles um sich herum.

Meines Erachtens kann man “Doctor Sleep” nur bedingt mit “Shining” vergleichen. “Shining” war schrecklich, beklemmend, gruselig und schlimm, “Doctor Sleep” ist dies für mich nicht. Es gibt zwar auch einige gruselige Elemente, diese haben jedoch immer etwas mit den Erinnerungen von Dan an das Overlock Hotel zu tun und begründen sich nicht aus der eigentlichen Geschichte. Diese ist eine wunderbare, spannende Erzählung über die Bekämpfung der Vergangenheit und der eigenen Fehler, sie erzählt von Freundschaft, von Kampfgeist, von Wiedergutmachung und von einer Gabe, die gleichzeitig als Fluch angesehen werden kann. Natürlich gibt es auch in diesem Buch schreckliche Begebenheiten, jedoch liegt für mich der Fokus nicht auf diesen. Mit “Shining” verbindet dieses Buch eigentlich nur der gleiche Protagonist, dessen Erinnerungen und dessen Vergangenheit.

Was ich auch wieder sehr gemocht habe waren die mittlerweile von mir heißersehnten Verknüpfungen zu anderen Werken von King, die sich immer wieder finden lassen, mal offensichtlich, mal eher versteckt. Es gibt dazu eine nette Wikipediaseite, die ich aber erst besuchen würde, wenn das Buch durchgelesen ist. Zudem hat King hier erstmals auch Verbindungen zu “Christmasland” hergestellt, dem dritten Roman seines Sohnes Joe Hill. Ich mag dies immer sehr und freue mich jedes Mal diebisch, wenn ich auf eine solche Stelle treffe.

Es gibt eigentlich nur eine Sache, die mir nicht gefallen hat – das allerletzte Kapitel. Ich hatte bereits ab etwa der Mitte des Buches erahnt, wohin das Ganze führen wird und damit auch in etwa Recht behalten. Ein geniales Ende mit einem wehmütigen Beigeschmack, ich liebe es. Nur leider folgte darauf noch ein Kapitel, dass auf mich in etwa den gleichen Eindruck gemacht hat wie beim letzten Harry Potter Band das “19 Jahre später”. Einfach unnötig in meinen Augen.

“Doctor Sleep” ist für mich defintiv eines meiner Jahreshighlight. Eine unheimlich dichte, spannende, emotionale Geschichte von einem grandiosen Erzähler. Bereits nach wenigen Seiten wird man regelrecht eingesogen in eine andere Welt und verlässt diese viel zu schnell wieder, da die gut 700 Seiten wie im Flug vergehen. Eine absolute Leseempfehlung meinerseits.

“Doctor Sleep” von Stephen King aus dem Heyne Verlag, 704 Seiten, ISBN-13: 978-3453268555

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Posted 9. November 2013 by Chrissie in category Buchrezension

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