August 13

Die Brücke – Monica Byrne

Klappentext:

Eine bessere Zukunft?

Wir schreiben das Jahr 2068: Die Vereinigten Staaten und Europa sind in die Bedeutungslosigkeit gefallen, Indien und Äthiopien dagegen die stärksten Wirtschaftsmächte der Welt, deren Mega-Cities ständig mit Energie versorgt werden müssen. Zu diesem Zweck wurde der TRAIL erfunden – eine gigantische schwimmende Pontonbrücke, die über das Arabische Meer verläuft, Indien mit Äthiopien verbindet und Sonnenlicht in Strom umwandelt. Doch der TRAIL ist auch die letzte Hoffnung für die, die in den pulsierenden Riesenstädten Indiens keinen Platz mehr finden: Sie wandern über den TRAIL nach Afrika – für sie ist er die Brücke in eine bessere Zukunft. So wie für Meena und Mariama, die einander nicht kennen, aber deren Schicksal auf vielfache Weise miteinander verknüpft ist …

Meine Meinung zum Buch:

Ich finde, dass das Buch falsch beworben wird. Nach dem Klappentext zu urteilen habe ich mir einen spannenden SciFi-Roman erhofft, der sich mit Themen wie sozialer Ausgrenzung, dem Untergang Europas und der USA und dem Boom Asiens und Afrikas sowie einer Energiewende befasst. Zwei verzweifelte Frauen, die aus einem Moloch entfliehen und den Trail dafür nutzen. Das Buch spricht zwar fast all diese Themen an, aber auf gänzlich andere Art und Weise wie ich gedacht habe.

Abwechselnd werden die Handlungsstränge von Meena und Mariama erählt.

Meena lebt in Indien in einer Zukunft, die viele Parallelen zur heutigen Zeit hat, die aber weitergedacht wurden. Themen wie Überbevölkerung, soziale Netzwerke, Energiekrisen und -wenden und Kulturenvermischung spielen eine große Rolle. Zu Beginn des Buches flieht Meena, man weiß als Leser aber noch nicht wovor. Generell bleiben die Gründe für Meenas Flucht sehr lange nebulös und regen zum Interpretieren an. Meena beschreibt sich selbst als manisch und hat gewisse Begegnungen, die halluzinogen wirken. All dies treibt sie schließlich auf den Trail, einer Pontonbrücke zwischen Indien und Afrika, die der Energieerzeugung dient. Mit einem Survivalkit ausgestattet begibt sie sich alleine auf die abenteuerliche Reise über diesen schmalen, schwankenden Steg auf das offene Meer hinaus Richtung Afrika. Ganz getreu nach dem Motto “Der Weg ist das Ziel” erschließt sich auch dem Leser erst nach und nach, warum sie dies tut.

Mariama ist im Gegensatz zu Meena zu Beginn der Geschichte noch ein junges Mädchen, das in Sklaverei lebt und eines Tages flieht. Quer durch Afrika reist sie zusammen mit einer kleinen Gruppe Händler Richtung Äthiopien, wo sie sich ein neues, ein besseres Leben verspricht. Auf dieser Reise begegnet sie Yemaja, einer jungen Frau, die sie stark beeindruckt.

Im Grunde geht es in “Die Brücke” um zwei metaphorisch und teils sehr nebulös erzählte Lebensgeschichten, der zukünftige Handlungsort und die damit verbundenen Neuheiten und Änderungen sind nebensächlich. Beide Perspektiven werden aus der Ich-Sicht geschildert, wobei Mariama hier noch eine Besonderheit aufweist, da sie ihren Bericht zusätzlich an Yemaja richtet, ihr diesen erzählt.

Mir persönlich hat der Teil Mariamas besser gefallen, da ich mit Meena nie wirklich warm wurde, wenn es auch Parallelen zwischen beiden Charakteren gab. Mariamas kindliche Sicht auf die Dinge und ihr Entdecken der auch für mich neuen Welt haben mir selbiges einfacher und verständlicher gemacht, zudem spricht ihre Ausgangssituation als Sklavenkind meinen Gerechtigkeitssinn sehr an und hat mich gleich Partei ergreifen lassen.
Meena hingegen ist wohlhabend, sehr körperlich und sexuell, zudem wirkte sie auf mich auch sehr naiv und eindimensional. Mit ihrem Charakter wurde ich einfach nie wirklich warm.

Wer sich an dieses Debüt der Autorin Byrne wagt muss mit metaphorischer Beschreibung auskommen können. Oft runzelt man unverständlich die Stirn, weil geschilderte Bilder surreal wirken. Zum Ende hin löst sich zwar alles auf und angewandte Metaphern ergeben einen Sinn, jedoch gehört bis dahin eine gehörige Portion Durchhalten im jedenfalls für mich doch recht undurchsichtigen Nebel dazu.

Die Autorin bekommt aber scheinbar nebenher eine Sache grandios hin: Sie schildert sie Zustände im fortschrittlichen, beherrschenden Indien und dem rebellierenden Afrika. Rebellion, Terrorismus, Sklaverei, Kastenzugehörigkeit, Energiewenden und -ausbeutungen und der Bruch mit all dem fließen auf den ersten Blick nur im Hintergrundrauschen dahin und lassen einen denkenden Leser trotzdem nicht mehr los. So viel von dem, was sie schildert, ist auch heute schon in anderen Konstellationen zu sehen und zeigt auf, wohin unser Verhalten uns führen könnte. Gerade auch aus aktuellem Anlass zum Thema Flüchtlinge passt dieses Buch sehr gut.

Monica Byrne hat ihren Roman meist in recht kurzen, knappen Sätzen verfasst, so das selten eine Wortgewalt entsteht. Der Sprachstil ist daher leicht verständlich, aber eben auch einfach. Etwas störend beim Lesen empfand ich, dass die Autorin die zukünftige Technik, welche die Protagonisten nutzen, wenig erklärt. Zwar ergibt sich alles Nötige aus dem Zusammenhang und gibt diesem Bericht zweier Leben so Authentizität, jedoch fiel es mir gerade zu Beginn schwer alles einzuordnen und zu verstehen.

Leider hat mir die große Wendung zum Ende hin nur mäßig gefallen. Eine Triebfeder der Spannung beim Lesen war für mich das Rätseln, wie die beiden Handlungsstränge denn nun zusammenkommen oder -gehören. Die schlussendliche Auflösung war für mich eher ernüchternd und nicht ganz nachvollziehbar.

Ich kann dieses Buch nur schwer bewerten. Einerseits hat es eines ganz groß gemacht: Es hat mich zum Nachdenken angeregt, zum Hinterfragen, zum Interpretieren, es hat mich schlichtweg nicht mehr los gelassen. Andererseits wurde ich mit den Protagonisten nicht warm, habe mir eine wesentlich spannendere Story erwartet und bekam den von mir nicht favorisierten Erzähler aus der Ich-Perspektive serviert. Wie soll man also ein Buch bewerten, dass einen einerseits etwas enttäuscht hat, einen andererseits aber auch über die bedruckten Seiten hinaus nicht losgelassen hat?

Für Leser, die an einer Lebensgeschichte zweier Frauen aus der Zukunft interessiert sind, die Persönlichkeitsfindung und Vergangenheitsbewältigung in einer futuristischen Szenerie suchen, ist dieses Buch definitiv eine Leseempfehlung. Im Zweifelsfall sollte man sich eine Leseprobe gönnen, damit man weiß, in welchen Nebel man sich begeben wird, da dieser sich erst sehr spät lichtet.

3stars

“Die Brücke” von Monica Byrne aus dem Heyne-Verlag, 448 Seiten, ISBN-13: 978-3453417847

Buch bei Amazon.de: Die Brücke: Roman
Kindle-Version: Die Brücke: Roman
Verlagsseite: KLICK

Vielen lieben Dank an den Heyne Verlag für das Bereitstellen dieses Rezensionsexemplars.

Juli 23

Jack – Riley & Brandt

Klappentext:

Ein Thriller ohne Vorbild – zwischen Zukunft und Vergangenheit.
Der Forscher Matthieu Savary ist der Star im Genfer CERN. Doch heimlich arbeitet er an einem ganz anderen Projekt: Das Reisen in der Zeit. Ein erster Versuch scheitert. Bei einer Explosion wird Savary lebensgefährlich verletzt. Im Hospital besucht ihn eine Unbekannte, und sie macht ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: Ihre Organisation wird ihm das Leben retten, offiziell ist er schon tot. Dafür soll er von einem hochgeheimen Teilchenbeschleuniger unter der Insel Jersey aus mit einem Team von Spezialisten eine Reise in das Jahr 1888 antreten. Damals beging ein Mann namens Jack Morde von beispielloser Grausamkeit. Und heute haben mächtige Namenlose größtes Interesse an deren Aufklärung. Das Team reist in die Vergangenheit. Und sieht sich plötzlich selbst verfolgt vom berüchtigtsten Serienmörder aller Zeiten …

Meine Meinung:

Ein Zeitreisethriller rund um den berüchtigtsten Serienmörder der Geschichte – Jack the Ripper.

Matthieu Savary arbeitet am CERN in Genf an der Zukunft der Wissenschaft und bringt es “nebenher” fertig die Zeitreise möglich zu machen. Dies bleibt jedoch nicht ohne Folgen und der geniale Wissenschaftler sieht sich auf einmal nur noch mit einer sehr kurzen und schmerzhaften Lebensspanne bestraft.
Im Krankenhaus besucht ihn Sadie Fletcher, die für eine Organisation arbeitet, die die Möglichkeit hat Savarys Lebens medikamentös zu verlängern und seine Schmerzen zu lindern. Im Gegenzug will sie seine bahnbrechende Entdeckung nutzen und ihn zusammen mit einem Team ins Jahr 1888 zurückschicken um zu beweisen, wer Jack the Ripper war. Die Taten des Prostituiertenmörders ziehen nämlich Kreise bis in die heutige Zeit und bedrohen die englische Monarchie.

Das Buch hat ein hohes und spannendes Erzähltempo, beginnt ohne ausschweifende Einführung gleich am Tag des für Savary verheerenden Unfalls und konfrontiert den Leser schnell mit allen handelnden Personen. Man hat also keine Zeit sich in Protagonisten einzulesen und muss sich daher erstmal in der Handlung und mit den verschiedenen Charakteren zurechtfinden, was jedoch relativ schnell gelingt.

Das Zeitreisethema erschien mir soweit es eben geht logisch und erklärbar umgesetzt und auch das Thema Zeitreiseparadoxon ist bedacht und behandelt worden. In der Jetztzeit wird hauptsächlich Reiseorganisation betrieben und es gibt kleinere Auseinandersetzungen der handelnden Personen. Das eigentliche Hauptaugenmerk liegt aber auf dem Jahr 1888. Die Zeit wurde nach meinem Wissensstand gut geschildert und nicht beschönigt. Als Leser hat man fast den Gestank der damaligen Zeit mitriechen können und ich bin froh, dass es hier keine parfümierten Seiten als Zusatz gab.

Die Morde des Rippers sind teilweise sehr anschaulich und detailliert beschrieben und man fiebert schon sehr mit, wenn einen Protagonisten und Jack lediglich ein Hauch von Nebel trennt. Mir hat hier auch sehr gut gefallen, dass die Charaktere mit sich haderten, da sie in die Geschichte nicht eingreifen dürfen und demnach Morde nur beobachten, aber nicht verhindern konnten.

Leider fand ich den Charakterausbau nicht gut gelungen. Fast alle Protagonisten sind sehr eindimensional und stereotypisch beschrieben. Die kühle, undurchschaubare Agentin, der geniale, teilweise etwas skrupellose gutaussehende Wissenschaftler mal zwei, der allen bewusstseinserweiternden Mitteln zusprechende saufende Schauspieler, der Soldat, der über Leichen geht etc. Lediglich ein weiblicher Charakter war hier etwas besser beschrieben, fand sich dann aber wieder in einem typischen Liebesgeplänkelgespann wieder, in dem sie eben die unauffällige Dame war, die außen vor gelassen wird, wenn sie charakterlich auch noch so gut gepasst hätte. Sie wurde eben nicht wie ein Modell beschrieben.

Zudem wird mit dem Gefühl Liebe sehr plump umgegangen. Ein Charakter verliebt sich zügig erst in die eine, dann in die andere Person und wirft mit tiefen Gefühlen um sich, die in wenigen Tagen einfach nicht so sprunghaft entstehen können.

Als Fazit ist “Jack” für mich ein durchaus gelungener rasant erzählter Zeitreisethriller mit Schwächen in der Protagonistenausarbeitung, der am Ende eine interessante Ansicht zur Frage wiedergibt, wer Jack the Ripper war. Auch wenn dieses Debüt charakterlich noch Luft nach oben hat, wäre ich einer Fortsetzung der Geschichte nicht abgeneigt, da dass Ende dies durchaus ermöglichen würde.

3stars

“Jack” von Riley & Brandt aus dem Rowohlt-Verlag, 320 Seiten, ISBN-13: 978-3499269578

Buch bei Amazon.de: Jack
Kindle-Version: Jack
Verlagsseite des Buches: KLICK

Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag für das Bereitstellen des Rezensionsexemplares.

Juli 16

Skalpelltanz – Jenny Milewski

Klappentext:

Carl Cederfeldt ist Chirurg. Und Mörder. Sein Instrument ist das Rasiermesser. Zum Glück ist er kein Mensch aus Fleisch und Blut, sondern der Fantasie des Horrorautors Jonas Lerman entsprungen, umstrittener Star der schwedischen Literaturszene. Die Figur des Carl Cederfeldt hat ihn reich gemacht. Aber Lerman hat genug von Blut und Gewalt und beschließt, kein weiteres Cederfeldt-Buch mehr zu schreiben. Doch so einfach ist das nicht. Lerman kann mit dem Schreiben nicht aufhören, und in seiner Umgebung geschehen plötzlich mehrere grausame Morde an jungen Mädchen. Begangen mit einem Rasiermesser. Präzise und brutal. Genau so, wie Carl Cederfeldt vorgehen würde. Zum Glück ist er kein Mensch aus Fleisch und Blut …

Besprechung:

Jenny Milewski hat mit ihrem Debütroman einen soliden Thriller geschaffen, der zwar das Rad nicht neu erfindet, aber in einer einfachen verständlichen Sprache einen spannenden Plot erzählt.

Nach einem für lange Zeit kryptischen Prolog taucht der Leser in die Welt des schwedischen Thrillerautors Jonas Lermann ein, der sich in einer Schreibblockade befindet. Bekannt ist er vor allem für seine sehr gefragten, weil sehr brutalen und schlimmen Bücher über Carl Cederfeldt, einen perfiden Serienmörder mit der Vorliebe für junge Mädchen. Lermann ist Egomane und nun aufgrund der fehlenden Ideen in einer Sinnkriese gefangen. Da tauchen in seinem Leben immer wieder Dinge auf, die er aus seinen Büchern kennt.

Milewski spielt hier mit dem Thema multiple Persönlichkeit, wie man sie zum Beispiel aus Werken von Stephen King kennt. Ein Autor wird von seiner eigenen Romanfigur verfolgt und es stellt sich die Frage, ob nicht er selbst all diese Taten begeht. Milewski geht jedoch ihren eigenen, teils mystischen Weg eine Erklärung zu finden, so dass man hier nicht von einem reinen Thriller, sondern fast von einem Mysterythriller sprechen kann – jedenfalls in einer abgeschwächten Form.

Die Geschichte wird in einer einfachen und verständlichen Sprache erzählt, meist aus der Sicht Lermanns, jedoch werden auch immer wieder Auszüge aus seinen Büchern beschrieben, damit der Leser sehen kann, dass wirklich Dinge passieren, die der fiktive Autor bereits zu Papier gebracht hat. Milewski hat hier versucht zwei verschiedene Schreibstile zu erzeugen, was jedoch in meinen Augen nur bedingt gelungen ist.

Generell ist Skalpelltanz ein Thriller mit guten und mit weniger guten Szenen, denen man teilweise auch anmerkt, wer die Autorin zu ihrem Werk inspiriert hat. Zudem erschien mir Cederfeldt doch zu eindimensional beschrieben und seine Taten stellen in der Thrillerwelt definitiv nicht eines der schlimmsten Ausmaße dar. Für mich daher ein solider, durchschnittlicher Thriller, der nett zu lesen war, aber nicht aus der Masse seines Genres heraussticht.

3stars

“Skalpelltanz” von Jenny Milewski aus dem Heyne-Verlag, 400 Seiten, ISBN-13: 978-3453418370

Buch bei Amazon.de: Skalpelltanz: Thriller
Kindle-Version: Skalpelltanz: Thriller

Vielen Dank an den Heyne-Verlag für das Bereitstellen des Rezensionsexemplares.

Juli 13

Mountain Home: Wie ein blutiger Tanz der Rache – Bracken MacLeod

Klappentext:

Im Fadenkreuz einer Wahnsinnigen. Ein explosiver Thriller.

Lyn arbeitet in den Bergen als Kellnerin in einem kleinen Restaurant. Ihr Leben langweilt sie, doch sie sieht keine Möglichkeit, das zu ändern. Bis zu dem Tag, als eine ausgebildete Scharfschützin das Feuer auf den Laden und seine Gäste eröffnet … Erbarmungslos belagert sie das Gebäude – und Lyn muss sich entscheiden: Wird sie sich dem Tod ergeben oder nimmt sie den Kampf gegen ihn auf?

Andrew Vachss: »Dieses atemberaubende Debüt ist ein echter cut-to-the-bone-Roman. Ein magisches Buch, ein Spiegel, der die Wahrheit reflektiert … und welchen Preis man dafür zahlen muss.«

Jack Ketchum: »Bracken – du hast mich regelrecht durch Mountain Home gejagt. Du weißt, wie die Lokomotive Fahrt aufnimmt. Ein SEHR guter Debütroman. Die Hauptfiguren sind so real beschrieben, dass ich wirklich mitgelitten habe.«

Besprechung:

Man nehme ein abgelegenes Restaurant in den Bergen Idahoes und eine durch Kriegsverbrechen gebeutelte Veteranin, bei der ein letzter Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt. Fertig ist ein Amoklauf einer an Waffen ausgebildeten Spezialistin, die Besucher und Mitarbeiter des Lokals unter Beschuss nimmt. Bereits zu Beginn legt sie ordentlich los und niemand im Fadenkreuz wird verschont. Als sich die letzten Überlebenden verschanzen können beginnt eine Belagerung, die an den Nerven der Protagonisten zerrt.

Bracken MacLeods großes Thema in diesem Buch ist definitiv das Kriegstraumata und deren Folgen. Dem Leser wird eine Amokläuferin präsentiert, deren Beweggründe man verstehen, deren Leiden man schrecklich finden kann. Was passiert mit Soldaten, die nach ihrem Einsatz nicht entsprechen betreut und therapiert werden, die man nach ihrem Traumata keinen Frieden finden lässt? Ein winziger Grund genügt um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Ein sehr interessanter Ansatz, der nach meinem Geschmack nur leider nicht vollkommen zu Ende geführt wurde.

Gefangen im Restaurant ist unter anderem die Protagonistin Lyn, die immer Verständnis für Joanies Situation hatte und die sich nun inmitten eines verschreckten Pulks von unterschiedlichen Charakteren wiederfindet und um ihr Überleben kämpft. Leider gelingt es in meinen Augen nur mäßig die verschiedenen handelnden Personen realistisch und nicht stereotypisch zu schildern. Gewürzt wird dieses Sammelsurium noch mit einer indianischen Sage.

Das Mountain Home Kitchen bietet in meinen Augen einen sehr interessanten Ansatz mit einem rasanten Anfang, der dann jedoch an Geschwindigkeit verliert und teilweise etwas vor sich hindümpelt. Fans von blutigem Actionhorror werden nicht ausreichend befriedigt, gleichzeitig sind der Charakterausbau und die Tiefe der Geschichte im Ansatz zwar vorhanden, hätten aber meiner Meinung nach noch vertieft gehört, so dass aus diesem blutigen Tanz der Rache ein tiefgreifendes Antikriegsdrama hätte werden können. So hat Bracken MacLeod einen soliden Debütroman abgeliefert, der viel Potential verspricht, aber auch Luft nach oben lässt.

3stars

“Mountain Home: Wie ein blutiger Tanz der Rache” aus dem Festa-Verlag, ca. 176 Seiten, ASIN: B00P1D33QY (ISBN-13: 978-3865523457)

Buch bei Amazon.de: Mountain Home: Wie ein blutiger Tanz der Rache
Kindle-Version: Mountain Home: Wie ein blutiger Tanz der Rache

Juni 27

Rico, Oskar und die Tieferschatten – Andreas Steinhöfel

Ein Buch, welches zeigt, dass auch Kinder abseits der Norm ganz normal sind. Eben nur ein bisschen anders.

Rico lebt zusammen mit seiner Mutter in einem Mehrfamilienhaus in Berlin. Rico ist tieferbegabt, jedenfalls nennt er es selbst so. Er kann genau so denken wie andere auch, nur braucht das bei ihm einfach etwas mehr Zeit.
Eines Tages begegnet Rico Oskar, einem komischen kleinen Jungen, der nur mit Sturzhelm unterwegs ist und niemals vergisst zu schauen, bevor er eine Straße überquert. Oskar ist hochbegabt.
Gemeinsam stellt sich dieses ungewöhnliche Gespann dem ALDI-Kidnapper, der seit einiger Zeit sein Unwesen in Berlin treibt und Kinder entführt.

“Rico, Oskar und die Tieferschatten” ist zurecht mit dem Jugendbuchpreis ausgezeichnet worden. Eine spannende detektivische Geschichte, zwei Helden, die trotz ihrer Unterschiede zueinanderfinden und dabei entdecken, was Freundschaft wirklich bedeutet. Zudem gibt es neben den beiden Protagonisten noch eine Fülle anderer Charaktere, wie wir sie alle irgendwo aus unserem eigenen Leben kennen und deren Motive doch teilweise bis zum Ende unergründbar erscheinen.

Andreas Steinhöfel schafft es diese Geschichte sowohl für Kinder als auch für junggebliebene große Leser unterhaltend und humorvoll zu schreiben. Gleichzeitig vermittelt dieses Buch aber auch Werte wie Freundschaft und dass man sich manchmal den eigenen Ängsten im Leben stellen muss. Eine Kinderbuchreihe, die man definitiv gelesen haben sollte.

4stars

“Rico, Oskar und die Tieferschatten” von Andreas Steinhöfel aus dem Carlsen-Verlag, 224 Seiten, ISBN-13: 978-3551310293

Buch bei Amazon.de: Rico und Oskar, Band 1: Rico, Oskar und die Tieferschatten
Kindle-Version: Rico und Oskar, Band 1: Rico, Oskar und die Tieferschatten
Der Film zum Buch: Rico, Oskar und die Tieferschatten [Blu-ray]

Juni 26

Infiziert – Scott Sigler

Dieses Buch sollte man nicht lesen, wenn es einen gerade irgendwo juckt. Was ist, wenn dieses Jucken nicht mehr aufhört und wenn sich die geröteten Stellen seltsam verschorfen? Was ist, wenn man bald darauf eine Wesensänderung durchmacht, die das komplette restliche (kurze) Leben auf den Kopf stellt? Und was passiert, wenn der Schorf abfällt, was wird sich darunter befinden? Man kann mir wirklich glauben, dass man dies nicht erleben möchte. “Scary” Perry Dawsey muss dies jedoch und kann nur hoffen, dass das Team um Margaret Montoya dieser Infektion auf die Spur kommt und herausfindet, was so viele Menschen urplötzlich durchdrehen lässt.

Bereits 2008 habe ich dieses Buch das erste Mal gelesen und bin in die literarische Welt von Scott Sigler abgetaucht und dieser seitdem verfallen. “Infiziert” ist ein toller Einstieg ins Sigleruniversum und stellt gleichzeitig den Auftakt der Infected-Trilogie dar, Band 2 ist mit “Virulent” betitelt, Band 3 wird bald erscheinen und den Titel “Pandemic – Die Seuche” tragen.

In “Infiziert” gibt es in etwa drei Haupthandlungsstränge, die alle für sich gut umgesetzt wurden, von denen mich aber einer schlichtweg immer wieder aus den Socken haut.

Einmal erlebt der Leser das Geschehen aus der sich von Dew Phillips, einem altgedienten CIA-Agent, der von höherer Seite immer gerne eingesetzt wird, wenn besonders haarige Probleme diskret gelöst werden müssen. Zusammen mit seinem Partner Malcolm Johnson ermittelt er in einem immer wieder auftretendem Problem. Einst gute, harmlose Bürger drehen binnen kürzester Zeit komplett durch, foltern, verstümmeln und töten ihre Familie, Angehörige und andere und richten sich schließlich selbst. Zu Beginn des Buches sind sie auf dem Weg zu Martin Brewbaker, der in diese Symptomatik hineinpasst. Sie haben den Auftrag den Mann lebend in Gewahrsam zu nehmen, da dies bisher noch bei keinem Täter/Opfer geglückt ist.

Margaret Montoya ist auf einen lebenden Beweis angewiesen. Sie ist Epidemiologin beim CDC und wird von der CIA rekrutiert, um diesem Phänomen auf die Schliche zu kommen. Denn alle Täter/Opfer haben eines gemeinsam: Sobald ihr Leben beendet wurde, verwesen sie in rasender Geschwindigkeit und es existiert nur eine kurze Zeitspanne, in der man Gewebe auf mögliche Erreger untersuchen kann.

Und dann ist da noch Perry Dawsey.

Dawsey ist ein ehemaliger Footballspieler, der aufgrund einer Knieverletzung seine Karriere frühzeitig beenden musste und nun bei einem IT-Unternehmen arbeitet. Dawsey ist jung, ein riesiger Berg von einem Mann und trägt nicht umsonst den Spitznamen “Scary”. Er bemerkt gewisse Rötungen an seinem Körper, die verschiedene Stellen betroffen haben und zu jucken beginnen. Am Anfang ahnt er noch nicht, durch welche Hölle er bald gehen muss, denn Dawsey hat genau das, was Martin Brewbaker gerade zum irren Mörder werden ließ.

Scott Sigler hat mit “Infiziert” einen modernen Horrorroman geschaffen, der mit einem hohen Tempo, guter wissenschaftlicher Recherche und einzigartigen Charakteren aufwartet. Mich konnte das Buch bereits im ersten Kapitel infizieren, beeindrucken und erschrecken. Sigler schafft dies über das gesamte Buch hinweg immer wieder und lässt den Leser so kaum zu Atem kommen. Man fiebert mit, man ist über die teilweise geschilderte Brutalität entsetzt, man lernt und wer Perry Dawsey nicht ins Herz schließt, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Selten ist mir ein so genialer, einzigartiger und gleichzeitig auch heftiger Charakter in einem Buch begegnet. Dawsey trägt seinen Spitznamen zurecht, Dawsey ist teilweise wirklich ein Arsch und doch hat er bereits seit einigen Jahren einen festen Platz in meinem Herzen für Lieblingscharaktere.

Wer mit Härte, Wissenschaft, Horror und einer Geflügelschere nicht zurecht kommt, der sollte vielleicht einen Bogen um dieses geniale Buch machen und sich einer seichten Schnulze widmen. Ich für meinen Teil werde dieses Buch nicht zum letzten Mal erneut gelesen haben und es jedes Mal durchweg feiern. “Infiziert” von Scott Sigler gehört fest in meine Hall of Fame der absoluten Lieblingsbücher.

5stars

“Infiziert” von Scott Sigler aus dem Heyne-Verlag, 544 Seiten, ISBN-13: 978-3453433632

Buch bei Amazon.de: Infiziert
Kindle-Version: Infiziert: Thriller

Juni 15

Die rechte Hand des Teufels – Kim Zupan

Val Millimaki arbeitet als Deputy in Montana nahe der Crazy Mountains. Nachdem in seinem Zuständigkeitsbereich der alte und berüchtigte Serienkiller John Gload verhaftet wird muss sich Millimaki mit diesem in seinen neu eingeteilten Nachtschichten auseinandersetzen. Val hadert mit den neuen Schichten, seine Ehe bröckelt und es belastet ihn sehr, dass er auf seinen Suchen nach Vermissten in den Crazy Mountains und deren Umgebung schon lange keinen lebenden Erfolg mehr aufweisen konnte. Schlaflosigkeit plagt sowohl den Killer als auch den Deputy und so beginnen die nächtlichen Gespräche.

Auf dem Buchdeckel ist gut lesbar das Wort “Psychothriller” aufgedruckt und ich denke, dass dies die komplett falsche Leserklientel anzuziehen versucht. “Die rechte Hand des Teufels” ist kein Psychothriller, kein normaler Thriller und auch kein Krimi. Dieses Buch stellt vielmehr den Blick in zwei unterschiedliche Köpfe dar, in ihr Leben, ihr Lieben und Leiden. In einer sehr ruhigen Art erzählt Kim Zupan aus der Zeit, in der Gload auf seine Verhandlung wartet und sich in nächtlicher Schlaflosigkeit eine zarte Freundschaft zwischen dem Killer und dem Gesetzeshüter bildet.

Beide Charaktere sind sehr gut gezeichnet. Millimaki als etwas einsiedlerischer, sehr gefühlvoller und doch verschlossener junger Mann, der abgeschieden mit seiner Frau zusammen lebt. Gload als oberflächlich betrachtet brutaler Killer, der aber doch auch eine feinere Seite besitzt und mit seinem rauen Charme klüger zu sein scheint, als man vermutet. Es gibt Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Protagonisten, doch es gibt auch grundlegende Unterschiede. Es stellt sich die Frage, ob diese Freundschaft bestehen kann, wenn all die Grausamkeiten ans Licht gelangen, die John Gload auszeichnen.

Für mich war dieses Buch definitiv eine Leseerfahrung. Die feinen Charakterzeichnungen, die verstrickt in eine zeitlich springende Geschichte dargestellt wurden, waren sehr interessant. In meinen Augen in dies kein Buch, welches man einfach schnell weglesen kann und sollte, sondern man muss sich ihm widmen.

Ich bin jedoch leider auch mit falschen Erwartungen an dieses Buch herangetreten. So interessant die Charaktere beschrieben sind, so brüchig und seltsam die Freundschaft der beiden sein mag, so unspannend ist die eigentliche Handlung des Buches. Es geht im Grunde um einen leicht depressiven Deputy und einen wortkargen Killer, die sich nachts flüstern unterhalten. Man möchte Gload zwar auf die Schliche wegen weiterer Taten kommen und es werden auch ein paar dieser geschildert, dennoch kam für mich persönlich nie wirkliche Spannung auf.

“Die rechte Hand des Teufels” ist eine Empfehlung für Leser, die in menschliche Abgründe schauen möchten, die auf feine zwischenmenschliche Nuancen achten und die mit dem reellen, harten Leben rechnen. Wer jedoch ein spannungsgeladenes Buch sucht, der sollte sich dieses Buch zweimal überlegen.

3stars

“Die rechte Hand des Teufels” von Kim Zupan aus dem Knaur Verlag, 336 Seiten, ISBN-13: 978-3426515150

Buch bei Amazon.de: Die rechte Hand des Teufels: Psychothriller
Kindle-Version: Die rechte Hand des Teufels: Psychothriller
Verlagsseite des Buches: KLICK

Mai 21

KIN – Kealan Patrick Burke

Wenn man ein Fan von Horror ist, sei es nun aus literarischer Sicht oder aus filmischer, dann kennt man dieses Szenario. Eine Kannibalenfamilie mordet sich durch einen Haufen von Teenagern, Blut, Gedärme und Ekel wechseln sich ab, so dass man am Ende in einem nach Schweiß, Blut und Fäkalien durchtränkten Schlachthaus welcher Art auch immer steht und entweder den letzten Protagonisten fliehen sehen darf, oder dabei zuschaut, wie er oder sie kurz vor der vermeintlichen Sicherheit doch noch zu Fall gebracht wird.

Claire Lambert entkommt einem solche Szenario und mit ihrer Flucht beginnt ein Buch, welches ich so noch nicht gelesen habe. “KIN” von Kealan Patrick Burke sollte ab sofort zum Standartklassiker der Horrorliteratur ernannt werden, da dieses Buch so viel mehr ist als Folter und Tod. “KIN” gehört für mich zu den wenigen grandiosen Büchern, die alles haben. Spannung, Horror, Charakterstärke und -tiefe und eine Story, die einen emotional nicht mehr loslässt, fertig macht und am Ende nachdenklich zurücklässt.

Claire Lambert gelingt es aus den Fängen der Familie Merrill zu entkommen. Sie taumelt nackt, verstümmelt und blutend auf einer einsamen Landstraße vor sich hin, verfängt sich in einem Stacheldrahtzaun und nimmt dies kaum war, da ihr Verstand kaum noch vorhanden ist. In diesem Zustand wird sie von Pete und seinem Vater gefunden. Sie helfen dem Mädchen – gerade noch rechtzeitig, denn hinter dem nächsten Hügel war bereits ein Merrill-Sprössling kurz davor seine Beute wieder einzufangen. Claire hat das Massaker in Elkwood als einzige überlebt. Doch was passiert mit ihr, was geschieht mir all den Angehörigen, sowohl der Opfer als auch der Entflohenen? Was treibt die Familie Merrill zu ihren Taten und warum scheinen in Elkwood viele davon zu wissen und es tut doch keiner etwas dagegen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich “KIN” und führt den Leser in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele – und darüber hinaus.

Burke hat diesen Roman unglaublich atmosphärisch, detaillegetreu, ja fast schon poetisch geschrieben. Bereits ab dem ersten Kapitel sieht, fühlt, schmeckt und riecht man, was vor sich geht, erlebt dies hautnah mit und schaudert. Ich habe nach dem ersten Kapitel erstmal zuschlagen, durchatmen und mich wappnen müssen, da ich bereits dort wusste, dass mich hier etwas Besonderes erwartet, dass mich mitreißen und nicht mehr loslassen wird.

Der Autor versteht es zudem eine unglaublich gute Charakterdarstellung zu zaubern. Nichts ist schwarz oder weiß, einfach nur gut oder böse. Egal, ob man sich gerade auf der Opfer- oder der Täterseite befindet, Burke schafft es real wirkende Menschen zu generieren. Er schafft es auch die Abgründe der Merrill-Familie darzustellen, ohne plakative eindimensionale Monster vorzustellen. Selbst die dort geschilderten Zustände und Abgründe sind so geschildert, dass sie einfach real wirken – real und schrecklich.

Meines Erachtens muss jemand, der sich als Horrorleser tituliert, dieses Buch einfach gelesen haben. Es ist heftig, es ist schrecklich, es ist menschlich und hart. Es ist einfach saugut und bisher mit das Beste, was ich dieses Jahr gelesen habe. Kealan Patrick Burke hat mich absolut überzeugt!

5stars

“KIN” von Kealan Patrick Burke aus dem VoodooPress-Verlag, 440 Seiten, ISBN-13: 978-3902802729

Buch bei Amazon.de: KIN: Horror-Roman
Kindle-Version: KIN: Horror-Roman
Verlagsseite des Buches: KLICK

Mai 20

Apokalypse Z: Dunkle Tage – Manel Loureiro

Zuallererst: ACHTUNG!
Dies ist meine Buchmeinung zum zweiten Teil der Apokalypse Z-Reihe von Manel Loureiro. Da man Rückschlüsse auf Teil 1 ziehen könnte, ist der folgende Text auf eigene Gefahr hin zu lesen, Spoiler zum ersten Teil sind definitiv nicht ausgeschlossen.

Nachdem der erzählende Protagonist zusammen mit Prit, Lucía, Schwester Cecilia und seiner Katze Lùculo dem europäischen Festland entkommen konnten wartet auf Teneriffa eine andere Zuflucht auf sie, als sie sich erhofft hatten. Die Gruppe wird aus Quarantänegründen getrennt und nachdem diese Zeit überstanden ist wird nichts mehr so sein wie vorher. Auf einer hoffnungslos überbevölkerten Insel werden die Neuankömmlinge kritisch beäugt. Sie versuchen sich zu integrieren und doch steht für den Erzähler und Prit bald ein neuer Ausflug auf das Festland bevor, während auf der Insel selbst etwas Furchtbares passiert.

Ein Anwalt im Taucheranzug kämpft sich durch eine Zombiewelt. Dieser Satz beschreibt die Trilogie von Manel Loureiro bisher – wie ich finde – sehr treffend. Ein skurriles, teilweise lustiges Bild in einer apokalyptischen Zombiewelt. All das hat auch “Dunkle Tage”, gewürzt mit Menschlichkeit, Freundschaft, Liebe und einer überlebenden Katze.

Ging es im ersten Band um den Ausbruch der Zombieseuche, bei der ich mich doch oft gefragt habe, dass es nicht ein paar Zufälle zuviel beim Protagonisten gab, welche sein Überleben begünstigten, sind wir nun mittendrin. In der vermeintlichen Zufucht Teneriffa wird die Gruppe mit dem wahren Monster auf Erden konfrontiert: mit dem Menschen selbst. Terrorismus, mangelnde Versorgung und totalitäre Bespitzelung sind an der Tagesordnung. Eine neue Angst liegt über dem sicheren Zufluchtsort. Und dann müssen Prit und sein mittlerweile mehr als nur guter Freund wieder zurück auf’s Festland und den Rest der Gruppe in dieser Atmosphäre zurücklassen.

Mir persönlich hat der zweite Band tatsächlich ein bisschen besser gefallen als Band eins. Es ist schon erschreckend zu beobachten, wie sich die Menschheit unter diesen Umständen trotzdem immer noch gegenseitig bekämpft und manche selbst im Angesicht des Todes auf Macht aus sind. Es gibt sehr tragische Momente, der Leser erfährt mehr über den Hintergrund der Seuche und folgt etwa ab der Hälfte des Buches zwei verschiedenen Handlungssträngen, die abwechselnd erzählt werden und einen durch das Buch fliegen lassen. Und der Schluss! Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich mittlerweile den letzten Band der Trilogie auch schon zu Hause habe, da dieser Cliffhanger schon gemein ist (was ich persönlich liebe).

Ich mag die Geschichte um den Anwalt im Taucheranzug, der kein Held an sich ist, sondern ein ganz normaler Typ, der sich in dieser Welt zurechtzufinden versucht. Er hadert mit seinen Entscheidungen, es macht ihm nach wie vor zu schaffen die ehemals menschlichen Monster zu töten und er findet wahre Freundschaft, die ihm noch mehr Schwierigkeiten bereitet. Für mich ist diese Reihe wirklich gut, ein toller Lesespaß mit realistischen, aber auch skurill sympathischen Charakteren und der mittlerweile aufkommenden Frage, wer die wahren Monster sind: Die Toten oder doch die Überlebenden?

4stars

“Apokalypse Z: Dunkle Tage” von Manel Loureiro aus dem Heyne-Verlag, 400 Seiten, ISBN-13: 978-3453316379

Buch bei Amazon.de: Apokalypse Z – Dunkle Tage: Roman
Kindle-Version: Apokalypse Z – Dunkle Tage: Roman
Verlagsseite des Buches: KLICK

April 28

Der unglaubliche Mr. Corpse – Jeff Strand

Stanley Dabernath hat es in seinem Leben nicht unbedingt gut getroffen. Mehr schlecht als recht hält er sich mit einer Videoproduktionsfirma über Wasser, die sich auf besondere Formate spezialisiert hat, die oft sehr extreme Dinge darstellen. Doch das große Publikum bleibt aus und der Bankrott droht. Was könnte ihm da Besseres passieren, als von einem Milchlaster überfahren zu werden und in Milch zu ertrinken?
Stanley muss bald feststellen, dass ihn genau diese Sache berühmt macht, da er vom Project Second Chance als erster Mensch vor laufender Kamera von den Toten wiedererweckt wird. Als der unglaubliche Mr. Corpse macht er so viel Geld, wie er es sich vorher nie erträumt hätte und polarisiert gleichzeitig die Massen. Man streitet darüber, ob Stanley überhaupt noch als Mensch anzusehen ist. Second Chance macht es dem ersten Zombie auf Erden mit Bedingungen und Forderungen auch nicht leichter, die er nicht abschlagen kann, wenn er seine Existenz verlängern möchte. Was also soll Stanley tun?

Die Idee hinter der Geschichte ist wirklich gut. Wissenschaftler erwecken einen bereits recht verwesten Mann wieder zum Leben und schlachten dieses Phänomen medial und finanziell komplett aus. Es wird zwar immer wieder vom Zombie gesprochen, jedoch ist Stanley keiner, da ihn keineswegs der Hunger nach Menschenfleisch (oder wahlweise Gehirn) antreibt und er eigentlich noch genauso wie vor seinem Tod denkt und fühlt, nur einfach in einem leicht gammligen Körper.

Je weiter die Geschichte voran geht, desto schwieriger wird es für den Protagonisten mit der neuen Situation auszukommen. Seine Abhängigkeit vom Project Second Chance, die ihn schlichtweg ausbeuten und ihm mit dem erneuten Tod drohen, sollte er nicht mitspielen und die Polarisation in der Bevölkerung machen sein neues Leben alles andere als leicht. Zudem möchte er verstehen, wie man es schaffen konnte ihn in dieser Daseinsform wiederzuerwecken.

Gerade das letzte Drittel des Buches fand ich gut gelungen, da Strand der Geschichte dann eine neue Richtung gab. Dabernath hinterfragt sich und seine Existenz und kommt den Hintergründen auf die Schliche. Der Kampf um seine Existenz und das Wissen um die Gegebenheiten hat mir sehr gut gefallen.

Leider waren die ersten zwei Drittel des Buches anders gestrickt. Strand lässt seinen Protagonisten hier mit Kalauern, schlüpfrigen Witzen und Trotz auf jede neue Situation reagieren und trifft damit einfach nicht meinen Humor. Anders als zum Schluss des Buches war mir der Protagonist hier über die größten Strecken zu unsympathisch und nervig, die Geschichte erschien mir zu unspannend und teilweise etwas einfältig. Gleichzeitig stellt dies aber eine gute Persiflage auf die heutige Medienkultur dar und dem Phänomen, mit immer heftigeren Dingen zu schocken und immer mehr Grenzen fallen zu lassen. Es traf nur einfach nicht meinen Humor.

Positiv aussprechen möchte ich mich noch für das Cover, welches sehr gut gelungen und ein wahrer Eyecatcher ist.

Wer mit dem Humor von Strand auf einer Wellenlänge liegt und einen medienkritischen Unterhaltungsroman mit leicht morbiden Zügen lesen möchte, der ist mit diesem Buch gewiss goldrichtig beraten. Horror darf man jedoch nicht erwarten.

3stars

“Der unglaubliche Mr. Corpse” von Jeff Strand aus dem Voodoo Press Verlag, 280 Seiten, ISBN-13: 978-3902802767

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