Juli 20

Bleed: Ausgeblutet – Ed Kurtz

Klappentext:

Als Walt Blackmore in ein altes Haus am Rande einer kleinen Stadt einzieht, scheint es für ihn wirklich aufwärts zu gehen. Sein Schicksal verändert sich jedoch unwiderruflich, als ein dunkelroter Fleck an der Decke erscheint, der schließlich Stück für Stück zu einer Kreatur heranwächst. Während Walt zunächst daran interessiert ist, deren Wohlbefinden zu fördern und anfangs streunende Tiere an das Ding verfüttert, reicht dies nur kurz. Allmählich wird es wieder menschlich, und um das zu erreichen, sind menschliches Blut und Fleisch erforderlich. Kaum hat Walt die Grenze zwischen Neugier und Mord überschritten, gibt es keinen Weg zurück.

»Seite um atemberaubende Seite macht es Ed Kurtz richtig. Für mich war dieses Buch ein Schwelgen in Erinnerungen, seine leuchtende Prosa und unaufhaltsame Spannung versetzten mich zurück in die großen Kleinstadt-Horror-Romane der 70er und 80er Jahre. Ich hätte nicht gedacht, dass diese so noch gemacht werden, aber Gott sei Dank, ich habe mich geirrt. Denn mit BLEED hat Kurtz nicht nur eine intensive, beängstigend Geschichte geschrieben, sondern auch eine zeitlose.« – Joe McKinney, Autor von Apokalypse des Toten und Fleisch-Esser

Meine Meinung zum Buch:

Ich bin selten ein Fan der immer populärer werdenden neumodischen Horrorromane, die sich mit Gore- und Splatterelementen überhäufen, den Porno nicht außen vor lassen und dabei in meinen Augen vergessen, worauf es in einer wirklich guten Geschichte aus jedem Genrebereich ankommt: Auf die Geschichte selbst und auf die Charaktere, die in ihr Leben. Daher hat es mich umso mehr gefreut, dass Ed Kurtz mit “Bleed” genau dies zu erzählen suchte: eine gute Horrorgeschichte.

Was gibt es Schöneres als ein Buch, welches den Leser bereits mit den ersten paar Seiten einfängt und begeistern kann? Nach genau solchen Büchern suchen Leseverrückte doch und mich als Fan des Horrorgenres freut es daher immer sehr, wenn ich auf ein Exemplar treffe, wo ich bereits nach wenigen Zeilen oder Seiten gefesselt bin und sich die Gänsehaut den Arm hinauf bewegt, bevor die eiskalte unsichtbare Hand des Grusels in den Nacken greift.
In “Bleed” passierte genau dies. Der nicht so betitelte Prolog packte mich vollends und konnte mich sehr begeistern. Ich war hin und weg und klebte an den Zeilen fest und sog diese in mich auf. Leider muss man sagen, dass Kurtz dieses Glanzstück vor allem in den ersten Seiten des Buches schafft und dann in der eigentlich zu erzählenden Geschichte an diesen Punkt nicht vollständig anknüpfen kann. Die Story bleibt zwar weiterhin interessant und spannend und wird auch gut erzählt, jedoch verfliegt der Zauber des Beginns und konnte von dem Autor auch nicht wieder eingefangen werden. An diese dargestellte Atmosphäre sollte der Autor definitv in weiteren Werken arbeiten und sie wieder auferleben lassen. Er kann sie schildern, muss dies nur durchgehend bewerktstelligen.

Wie der Klappentext bereits verrät handelt es sich hier nicht um ein Haunted-Haus, sondern um ein Monster, dass aus den Wänden wächst und unstillbaren Hunger verspürt. Im weiteren Verlauf der Geschichte werden die Hintergründe erklärt, das Warum, Wieso, Weshalb geschildert, jedoch befriedigte mich diese Erklärung nur mittelmäßig. Ohne auf den Inhalt eingehen zu wollen, da ich diesen niemandem vorweg nehmen möchte, muss ich leider sagen, dass mir die Logik des Ganzen nicht ganz aufgehen wollte. Warum entsteht genau dieses Monster und warum nicht ein anderes, das viel offensichtlicher und logischer gewesen wäre? Wirklich erschlossen hat sich dies mir nicht, jedoch wird auch im Buch erwähnt, dass man das Warum nicht wisse, es ist eben so.

Walt Blackmore als Protagonist ist zu Beginn ein etwas verschrobener, aber durchaus liebenswürdiger Büchernarr und angehender Lehrer, der mit großen Plänen und Träumen für die Zukunft aufwartet. Als das Monster dann auftritt nimmt sein Charakter einen Wandel an, den ich unzureichend dargestellt fand. Das Thema Hörigkeit spielt hier eine große Rolle, jedoch hätte ich mir dessen Entstehung besser umgesetzt gewünscht, was gleichzeitig den charakterlichen Wandel besser erklärt und dargestellt hätte. Als einigermaßen denkender Mensch versteht man zwar warum, aber es hätte eben besser geschildert und verdeutlicht werden können.

Trotz dieser Kritikpunkte ist “Bleed” ein guter Roman aus dem Bereich Horror, der mich fesseln konnte, der trotz seines Old-School-Charakters auch moderne, sehr blutige Elemente aufweist und spannend erzählt wurde. Es hat einfach Spaß gemacht dieses Buch zu Lesen, den Ekel zu verspüren, wenn es schlimm wurde und ein unfassbares Verhalten einiger Menschen zu begleiten.
Das Monster ist zudem sehr gut beschrieben und wenn man an die Hörigkeit und Liebe von Will denkt, die er diesem entgegenbringt und die Handlungen, die dies mit sich bringt, dann wird es so richtig schön grausig.

“Bleed” ist daher ein Buch, dass sowohl Fans des atmosphärischen Horrors der alten Schule begeistern kann, als auch die Anhänger der immer populärer werdenen “Je absurder, blutiger und pornöser, desto besser”-Gemeinde zufriedenstellen sollte. Es gibt zwar Verbesserungspotential, doch Spaß bringt die Lektüre allemal.

“Bleed” von Ed Kurtz aus dem Voodoo Press Verlag, 280 Seiten, ISBN-13: 978-9995756086

Buch bei Amazon.de: Bleed: Ausgeblutet: Horror-Thriller
Kindle-Version: Bleed: Ausgeblutet: Horror-Thriller

Category: Buchrezension
Juni 26

Hell Walks: Der Höllentrip – David Dunwoody

Klappentext:

Fast über Nacht erscheinen massive Superstürme rund um den Globus. Diese konvergieren in der Arktis und zu einem apokalyptischen Megasturm, stören weltweit Wetter-, Kommunikations- und Sicherheitssysteme. Es herrscht Chaos … dann verebbt der Sturm, die Wolken teilen sich – doch nur, um die wahre Bedrohung preiszugeben.

Höllengänger wird es genannt. Es ist sieben Meilen hoch, und jeder seiner Schritte verursacht Katastrophen, deren Auswirkungen über die Kontinente hereinbrechen. Aus seinem Leib schlüpfen aggressive Monster – jedes für sich in der Lage, eine ganze Stadt auszulöschen. Ohne etwas über die Herkunft dieser Monster zu wissen, sieht sich die Menschheit mit dem Albtraum ihrer eigenen Ausrottung konfrontiert.

Einige Jahre später kommt der Höllengänger zur Ruhe. Er erstarrt, nur seine Nachkommen toben weiter über den Erdball.
Frank Eckman führt eine Gruppe Überlebender an, immer darum bemüht, eine Konfrontation mit den Wesen zu vermeiden. Dann beginnen Visionen über den schlafenden Riesen Frank zu plagen. Er glaubt, den Schlüssel zur Beendigung dieser Apokalypse gefunden zu haben.
Doch hoch über den Wolken erwacht der Höllengänger …

Meine Meinung zum Buch:

Ich mag Kaiju-Filme. Godzilla schaue ich seit Kleinauf und Pacific Rim konnte mich vor einigen Jahren auch begeistern. Der Kaiju-Roman scheint nun auch auf dem Vormarsch zu sein und da ich mehr von den riesigen Monstern sehen und lesen möchte, für die wir Menschen nur Ameisen sind, war es klar, dass ich “Hell Walks: Der Höllentrip” lesen musste.

In diesem Szenario taucht ein Riesenmonster, genannt Höllengänger, nach einer lokalen Monsternaturkatastrophe in der Arktis auf und beginnt seinen langsamen Marsch Richtung Nordamerika. Alleine durch seine schiere Größe löst er Flutwellen, Erdbeben und ähnliche Reaktionen aus und stürzt die Menschheit so in ein neues Zeitalter der Katastrophen. Genau auf Chicago kommt er dann zum Stillstand und scheint in einen tiefen Schlaf versunken zu sein oder gar verstorben. Aus seinem Laib brechen jedoch die sogenannten Little Ones heraus, die Jagd auf alles machen, was menschlich aussieht oder von Menschenhand erschaffen wurde.

Die Menschheit scheint besiegt, die wenigen Überlebenden fliehen permanent und suchen einen Ort der Sicherheit. In einer dieser von Angst zusammengeschweißten Gruppe lebt Frank. Diese Gruppe hat von der Sage gehört, dass ein Little One gefallen ist und wollen sich dieses Schauspiel wider jeglicher Vernunft mit eigenen Augen ansehen. Sobald sie sich diesem Schauplatz nähern, beginnen bei Frank Visionen aufzutreten, die ihn in Verbindung zum Höllengänger bringen. Ist der kranke Frank eventuell die letzte Hoffnung der Menschheit auf eine Zukunft ohne Höllengänger und Little Ones?

Vorweg das durchaus sehr positiv zu Sehende: Die Kaiju-Kämpfe, die in diesem Buch beschrieben sind, haben es wirklich in sich und können einen begeistern. Brutal, schnell und schonungslos wird hier vorgegangen, schwache Mägen sollten tatsächlich auch etwas in Wallung gebracht werden, wenn sich ein Little One einen Menschen vorknüpft. Zusammen mit einer grundsätzlich soliden und spannenden Story schafft es dieses Buch so Leser gefangen zu nehmen, die genau dies erwarten und haben wollen.

Leider konnte mich persönlich der Rest der Geschichte weniger begeistern. Der Schreibstil ist zwar flüssig und gut zu lesen, erscheint aber gerade zu Beginn gewollt geschwollen und wirkt so umständlich und hemmt etwas das Vorankommen. Zudem hätte die Übersetzung noch ein weiteres Mal durch ein Korrektorat gebracht werden müssen, da die Anzahl der Grammatik- und Rechtschreibfehler leider auffällig war.

Man kann “Hell Walks: Der Höllentrip” grob in vier Teile aufteilen, die jedoch nichts bezeichnet sind. Während der Wechsel der Handlungsorte und während dem Vorankommen in der Geschichte bleiben die beschriebenen Charaktere leider recht oberflächlich. Lediglich dem Protagonisten Frank wurde eine tiefere Geschichte zu verpassen versucht, was in meinen Augen aber leider nur mäßig gelang. Generell sind gewisse Entwicklungen im Charakter und Veränderungen in der Story teilweise nur schwer nachvollziehbar und nicht gut zu verstehen, manche Handlungsauflösungen wirken sogar konstruiert und unlogisch.

Neben den riesigen Monstern gibt es in diesem Buch ebenfalls eine Infektion, die von den Kaiju mitgebracht wurde. Leider erschließt sich mir der Sinn dieser zusätzlichen Bedrohung nicht, da sie keinerlei Zweck für die Geschichte erfüllt und lediglich dem Ende Dramatik zu verleihen versucht, was leider auch nicht gelingt.

Generell bin ich vom Ende dieser Geschichte sehr enttäuscht. War für mich das Buch bis dort hin zwar nicht perfekt, aber durchaus okay und lesbar, so revidierte das viel zu schnelle, unlogische und simple Finale diese Meinung leider. Zudem passiert danach noch etwas, was ich als komplett überflüssig empfand, was den “Helden” der Geschichte in ein jämmerliches, unschönes Licht stellte und was erzwungen dramatisch wirkte. Daher ist meine abschließende Meinung zum Buch doch noch einen Punkt schlechter ausgefallen als eigentlich gedacht.

Ich lese generell gerne Bücher aus dem Luzifer-Verlag, dieses war jedoch leider absolut nicht meins. Gefühlstechnisch kann man es so beschreiben, als ob man als Serienzuschauer mitten in einer durchschnittlichen Serie anfängt zu schauen und dann kein Finale serviert bekommt. Die wenige Spannung, die aufkommt, wird dann zusätzlich durch Stephen-King-typische platzende Spannungsblasen gestört, so nach dem Motto “Er wusste nicht, dass er sie nie wiedersehen würde.”.
Die Ansätze waren gut, die Geschichte grundsätzlich auch interessant und lesenswert, jedoch gab es für mich zu viele negative Aspekte, die für mich persönlich kein Lesevergnügen haben aufkommen lassen.

“Hell Walks: Der Höllentrip” von David Dunwoody aus dem Luzifer-Verlag, 310 Seiten, ISBN-13: 978-3958351370

Buch bei Amazon.de: Hell Walks – Der Höllentrip: Roman
Kindle-Version: Hell Walks – Der Höllentrip: Roman

Vielen lieben Dank an den Luzifer-Verlag für das Bereitstellen dieses Rezensionsexemplares.

Category: Buchrezension
Juni 25

Omega Days: Die letzten Tage – John L. Campbell

Klappentext:

Das Ende der Welt kommt schnell, aber nicht schmerzlos: Das sogenannte Omega- Virus verbreitet sich mit rasender Geschwindigkeit über den gesamten Erdball und verwandelt alle Infizierten in lebende Tote, deren einziges Ziel die Jagd auf Menschen ist. Nur wer hart im Nehmen ist, hat noch eine Chance, der Armee von Toten zu entkommen, die sich unaufhaltsam ausbreitet und Land für Land, Stadt für Stadt, unter sich begräbt. Und wer so hart im Nehmen ist wie Pater Xavier Church und Waffenexpertin Angie West, hat vielleicht die Chance, die Toten zu besiegen …

Meine Meinung zum Buch:

“Omega Days – Die letzten Tage” erfindet das Rad des Zombie-Apokalypsen-Buches definitiv nicht neu. Der hier grassierende Omega Virus ist die Grundlage eines typischen Szenarios, welches man schon aus vielen anderen Büchern dieses Genres kennt. Die Welt geht von heute auf morgen unter, weil die Toten wiederauferstehen und nach Fleisch gierend die Seuche weiterverbreiten; gnadenlos, brutal und emotionslos.

Was dieses Buch jedoch von anderen unterscheidet ist die hohe Anzahl der Protagonisten. Aus mindestens sieben verschiedenen Perspektiven geschildert findet sich so für jeden Leser ein sympathischer Charakter und jemand, den man nicht sonderlich leiden kann. Dadurch fällt es einem jedoch auch schwer wirklich in die Tiefe der Geschichte einzutauchen, da sich die Spielplätze einfach immer wieder verschieben. Trotzdem schafft es Campbell seine doch oft stereotypischen Charaktere eine Entwicklung durchmachen zu lassen und nicht auf der Stelle zu treten. Dies fand ich interessant und beeindruckend.

Die Geschichte ist insgesamt in drei große Teile unterteilt. In “Schmutzige Sachen” erleben wir den Ausbruch der Seuche aus den verschiedenen Sichten der einzelnen Charaktere. Eine mehr oder minder heile Welt wird urplötzlich auf den Kopf gestellt und geht unter, geliebte Menschen sterben und verwandeln sich in untote Monster. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass Hilfe nahen wird, dass all dies bald ein Ende haben wird.
Im zweiten Teil “Freier Fall” wendet sich der Fokus von den Protagonisten ab und es werden Episoden aus anderen Leben geschildert, die allesamt in die Hoffnungslosigkeit hineingehen und das neue, ungerechte Weltbild festigen. Gerade in diesem recht kurzen Teil gibt es einige Kapitel, die ich äußerst gelungen und emotional empfand.
Im dritten Teil “Die Asche des Teufels” geht es dann wieder zurück zu den Protagonisten, die sich nun in der neuen Welt zurechtfinden müssen oder daran scheitern.
Wie bereits eingangs gesagt ist dies nicht unbedingt ein Novum in der Zombieliteratur, dennoch konnte Campbell dies alles sehr spannend und fesselnd schildern und trotz der Gewalt und Brutalität auch Platz für Emotionen finden, die man so nicht unbedingt in einem Horrorbuch erwarten würde.

Ich bin ein Fan des Zombiegenres und daher ist für mich auch immer wichtig, um was für untote Monster es sich handelt. Campbell belässt seine Zombies recht klassisch. Es sind untote, recht träge Wesen, bei denen es jedoch auch etwas flinkere, jedoch nie rennende Genossen gibt. Sie gieren nach Fleisch aller Art, können den Virus jedoch nur auf Menschen übertragen. Es gibt ebenfalls Parallelen zum Universum der “The Walking Dead”-Comics.
Was mich sehr gefreut hat ist, dass die ganze Zombiesache sehr realistisch angegangen wird. Es gibt nicht nur die schlanken, jungen Untoten. Es wird jedes Gruppe bedient, ob jung (sehr jung…), ob alt, ob dick oder dünn, ob groß oder klein. Zudem werden auch die Protagonisten nicht geschont und es gibt generell einen hohen Verschleiß, umso weiter das Buch fortschreitet.

Bei einem Protagonisten fiel es mir leider schwer seine Wandlung nachzuvollziehen. Im ersten Teil benimmt er sich gänzlich anders als im dritten und dies konnte ich nicht greifen. Dies ist jedoch wirklich nur bei diesem einen Charakter so, bei allen anderen konnte ich ihre Handlungsweisen gut verstehen und fand ihre Entwicklung realistisch.

Was man zuletzt für interessierte Leser noch anmerken muss ist, dass “Omega Days – Die letzten Tage” der erste Teil einer Reihe sein wird und dies merkt man dem Buch auch sehr an. Erst zum Ende hin zeichnet sich langsam ab warum all die verschiedenen Schauplätze beschrieben wurden, warum es eine derart hohe Anzahl an Protagonisten gibt. Wer eine abgeschlossene Geschichte erwartet, der wird hier herb enttäuscht werden.

Mir hat dieses Buch sehr gefallen. Für Fans dieses Genres ist es meiner Meinung nach ein unterhaltsames, spannendes Buch, dass sich durchaus zu lesen lohnt. Ich für meinen Teil werde diese Reihe definitiv weiter verfolgen.

“Omega Days: Die letzten Tage” von John L. Campbell aus dem Heyne Verlag, 448 Seiten, ISBN-13: 978-3453317154

Buch bei Amazon.de: Omega Days – Die letzten Tage: Roman
Kindle-Version: Omega Days – Die letzten Tage: Roman

Category: Buchrezension
Mai 29

Das Signal – Patrick Lee (Sam Dryden #2)

Klappentext:

Ein Anruf mitten in der Nacht: Eine alte Freundin bittet Sam Dryden um Hilfe. Es gilt einen Mord an vier jungen Mädchen zu verhindern. Doch woher wusste Claire von dem drohenden Verbrechen?
Sam erfährt: Claire hat für ein High-Tech-Unternehmen gearbeitet, das kurz zuvor von einer heftigen Explosion verwüstet wurde. Die Firma forschte an einem hochgeheimen Apparat, der sich nun in Claires Händen befindet: Ein Radio, das Sendungen aus der Zukunft empfangen kann. Wer es besitzt, kann den Lauf der Geschichte ändern.
Kurz darauf ist Claire in der Gewalt eines hochgeheimen Konsortiums, das die Technologie seit ihren Anfängen in den Laboratorien Hitlerdeutschlands zu kontrollieren und zu nutzen sucht. Und Sam befindet sich auf der Flucht, mit dem Gerät, im Kampf gegen einen übermächtigen Gegner.

Der zweite Teil der Erfolgsserie um den Ex-Agenten Sam Dryden.

Meine Meinung zum Buch:

Patrick Lee steht für rasante Actionthriller ohne lange Einleitung oder Verschnaufpause zwischendurch, denen immer auch ein bisschen Science Fiction anhaften. Auch mit seinem neuesten Werk enttäuscht er diesbezüglich wieder nicht und nimmt den geneigten Leser mit in das zweite Abenteuer des bereits aus “Mindreader” bekannten Protagonisten Sam Dryden. Vorweg muss man aber auch gleich sagen, dass man “Das Signal” auch getrost lesen kann ohne den Vorgänger zu kennen, da beide Romane keinerlei Bezugspunkte haben, sieht man einmal von gleichen Protagonisten ab.

Drei Jahre nach seiner atemlosen Katz- und Mausjagd durch Amerika mit einem gedankenlesenden Kind ist Dryden nun wieder zur Ruhe gekommen. Er kauft alte Häuser an, restauriert diese und bringt sie mit den modernen Richtlinien in Einklang und verkauft sie anschließend gewinnbringend. Diese recht einsame Arbeit fordert ihn körperlich und lässt ihm die nötige Ruhe, die er braucht.

Aus heiterem Himmel ruft ihn eine Kollegin aus Soldatentagen an. Claire wirkt gehetzt und äußert sich nur kryptisch. Sie bittet Sam um ein sofortiges Treffen und die Bedingungen, die sie dabei nennt, lassen bei Dryden alle Alarmglocken höher schlagen. Er kann jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, in was Claire ihn dabei verstricken wird.

Claire ist im Besitz eines Radios, welches in einem geheimen Forschungslabor hergestellt wurde. Dieses Radio ist in der Lage Sendungen aus der Zukunft zu empfangen. Sie nutzt es für gute Zwecke und versucht Unfälle, Gewalttaten und Katastrophen zu verhindern, doch wird sie gleichzeitig gejagt. Ihre ehemaligen Arbeitgeber scheinen nicht alle seriöser Natur gewesen zu sein und wollen die neue Technologie in ihren alleinigen Besitz bringen. Die Folgen dessen wären katastrophal, doch wie entkommt man jemandem, der bereits Stunden zuvor weiß, wo man sein und was man dort tun wird?

Wenn man die bisherigen Bücher von Lee kennt, so wird einen auch dieses nicht enttäuschen. Man bekommt die gewohnte Mischung aus Action, Thrill und SciFi mit sympathischen, nachvollziehbaren Charakteren. Erneut müssen sich wieder Einzelkämpfer in der Manier David gegen Goliath gegen einen dubiosen Konzern erwehren und das Unterfangen scheint aussichtslos. Lee strickt ein Gefüge, dass nicht sofort durchschaubar ist, jedoch auch nicht so raffiniert ausgearbeitet wurde wie beim Vorgänger in der Sam Dryden-Reihe. Es gibt wenige logische Auffälligkeiten, wo der Protagonist scheinbar an alles denkt, dem Leser aber sofort etwas ins Auge springt, das vergessen wurde. Dies ist aber verschwindend gering vorhanden und nur ein kleiner Kritikpunkt.

Neben Dryden als Protagonist und Claire als Nebenfigur gibt es noch eine weitere Person in dieser Geschichte, der recht viel Platz eingeräumt wird. Marnie Calvert arbeitet beim FBI und kommt Dryden auf die Schliche und wird kurzerhand mit hineinmanövriert in sein Abenteuer. Die Zeitspanne, in welcher die Geschichte spielt, ist recht kurz bemessen und mir ist die Zutraulichkeit, die sich zwischen den beiden entwickelt, einfach zu unglaubwürdig. Es entsteht zwar keine Liebesgeschichte, alles bewegt sich auf freundschaftlichen Bahnen, jedoch bezweifle ich stark, dass man sich – gerade in einer Extremsituation – so schnell und so sehr an einen vorher völlig Fremden bindet und diesem derart vertraut, wie es hier beschrieben wurde.

Patrick Lee schafft es auch in diesem Buch wieder eine gute und für viele Leser überraschende Wendung einzubauen, mit welcher sich das eh schon hohe Erzähltempo nochmals steigert und auf ein rasantes Finale zuläuft. Für mich jedoch war das Geschehen an einem bestimmten Punkt klar, so dass die Überraschung ausblieb, mich der Wendepunkt aber trotzdem erfreuen konnte.

“Das Signal” kommt nicht ganz an seinen Vorgänger heran, weiß dennoch zu überzeugen und hat mich in seinen Bann geschlagen. Wer Patrick Lee liest bekommt einen Actionblockbuster in Buchformat. Leser, die einen rasanten Thriller suchen und die eine Prise Science Fiction nicht abschreckt, sollten diesen Autor definitiv eines weiteren Blickes würdigen. Mich kann er mittlerweile getrost zu seinen Fans hinzuzählen.

“Das Signal” von Patrick Lee aus dem Rowohlt Taschenbuch Verlag, 464 Seiten, ISBN-13: 978-3499271502

Buch bei Amazon.de: Das Signal (Sam Dryden, Band 2)
Kindle-Version: Das Signal (Sam Dryden 2)

Der Rowohlt Taschenbuch Verlag hat mir dieses Buch zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt.

Category: Buchrezension
Mai 14

Willkommen in Night Vale – Joseph Fink & Jeffrey Cranor

Klappentext:

Night Vale, ein Städtchen in der Wüste. Irgendwo in der Weite des amerikanischen Südwestens. Geister, Engel, Aliens oder ein Haus, das nachdenkt, gehören hier zum Alltag. Night Vale ist völlig anders als alle anderen Städte, die Sie kennen – und doch seltsam vertraut.

Jackie Fierro betreibt schon lange das örtliche Pfandhaus in Night Vale. Eines Tages verpfändet ein Fremder einen Zettel, auf dem in Bleistift die zwei Worte ‘King City’ geschrieben stehen. Jackie hat sofort ein merkwürdiges Gefühl. Kaum ist er in Richtung Wüste verschwunden, erinnert sich niemand an ihn – aber Jackie kann das Papier nicht mehr aus der Hand legen. Zusammen mit der alleinerziehenden Mutter eines jugendlichen Gestaltwandlers geht Jackie daran, das Rätsel von ‘King City’ zu lösen. Ihr Weg führt die beiden in die Bibliothek von Night Vale, die allerdings noch kaum jemand wieder lebend verlassen hat.

Meine Meinung zum Buch:

Allzu oft begegnet einem als Leseratte der gleiche Einheitsbrei. Nach einer Weile kennt man den grundsätzlichen roten Faden der meisten Geschichten und ist stets auf der Suche nach dem einen Buch, dass diese gewohnte Routine bricht. Diese Perlen sind schwer zu finden, doch erhellen sie den Lesealltag ungemein. Deswegen möchte auch ich ein “Willkommen in Night Vale” aussprechen, da dieses Buch seinen geschichtlichen Perlmutt gekonnt zu einem einzigartigen Fremdkörper in der Literaturlandschaft geformt hat.

Basierend auf einer mir leider unbekannten Podcast-Serie gibt “Willkommen in Night Vale” einen Einblick in eine sehr skurille, fanstastische Welt, die der unseren gar nicht so fremd ist. Night Vale ist eine Kleinstadt irgendwo in der Wüste Kaliforniens. Es ist schwer aus Night Vale fortzukommen, da die Straßen aus ihr sowohl heraus als auch in sie hineinführen und sie daher fast wie aus einer anderen Dimension wirkt, die lose mit der unseren verbunden ist. In der Stadt selbst sieht man sich mit ungeahnten Gefahren wie den Gebrauchtwagenhändlern, dem Stadtrat oder gar der gefürchteten Bibliothek konfrontiert, man hat die Existenz der Engel, die alle Erika heißen, zu leugnen und muss sich zudem einer permanenten Beobachtung durch die Geheimpolizei aussetzen.

In dieser Stadt leben die Protagonistinnen Jackie Fierro und Diane Crayton.
Jackie ist eine ewig 19jährige Pfandhausbesitzerin, die sich in ihrer gewohnten Routine ausruht und durch den Besuch und den Pfand eines Fremden aus der Bahn geworfen wird, das Nachdenken und Hinterfragen beginnt und sich mit “King City” auseinandersetzen muss.
Diane Crayton ist eine alleinerziehende Mutter eines gestaltwandelnden Teenagers namens Josh und arbeitet – fast unbemerkt von den anderen Kollegen – in einem Büro, aus dem eines Tages ein Mitarbeiter spurlos verschwindet, von dessen Existenz ab diesem Zeitpunkt niemand außer Diane mehr weiß.
Die Wege dieser beiden Frauen werden sich kreuzen und der Weg nach “King City” scheint vorprogrammiert. Was steckt hinter diesen Mysterien und was genau ist “King City” und was erwartet die beiden dort? “Willkommen in Night Vale” erzählt dies auf unterhaltsame und skurille Art und Weise.

Für mich steht die eigentiche Handlung des Buches eher in zweiter Reihe, den eigentlichen Reiz macht die Aussagekraft jeder einzelnen Seite aus. Night Vale ist derart gespickt mit Interpretationsmöglichkeiten, dass es fast schon eine Untertreibung wäre diese nur auf jede Seite zu beziehen. Der Leser ist angehalten nachzudenken, zwischen den Zeilen zu lesen und Zusammenhänge zu finden, Schlüsse zu ziehen. So surreal das Leben in Night Vale erscheint, so sehr kann man es als Metapher auf die Situationen in unserer Welt auslegen. Zudem schwingt grundsätzlich ein feiner, schwarzer Humor mit, der nie aufdringlich wirkt und gerade deshalb sehr gut zu unterhalten weiß.

Jackie Fierro ist eine junge Frau ohne Vergangenheit und ohne wirkliche Gegenwart, die durch den nicht mehr ablegbaren Pfand, den sie erhält, die Augen geöffnet bekommt. Sie bricht aus ihrer Routine aus und beginnt zu Hinterfragen, zu Kämpfen und entwickelt sich zu einer Frau mit Zukunft.
Diane Crayton ist zufrieden mit ihrer Zweipersonenfamilie und sieht sich eines Tages mit der Vergangenheit konfrontiert, die sie lieber vergessen hätte. Sie muss lernen die Kontrolle abzugeben und zu Vertrauen um weiterhin eine Zukunft mit ihrem Sohn zu haben.
Beide Charaktere sind gut ausgearbeitet, nachvollziehbar gestaltet und dennoch passend für Night Vale. Ihre Entwicklungen sind weder zu flach noch zu drastisch, sondern gut nachvollziehbar und logisch, sofern man dies in Night Vale sagen kann.

Die Handlung ist solide, aber nicht herausragend. Wie ich schon erwähnte liegt für mich der Fokus nicht auf dem Vorankommen in der Geschichte, sondern in den Aussagen, die getätigt werden. Die Storyline an sich kann so auch in vielen anderen durchschnittlichen Büchern gefunden werden und überrascht wenig und kann auch am Ende nur mittelmäßig überzeugen.

“Willkommen in Night Vale” ist definitiv ein Leseerlebnis, das gewiss nicht Jedem gefallen wird, dennoch für mich seinen festen Platz in den Bücherregalen verdient. Wer auf der Suche nach spannender Phantastik oder gar gruseligen Elementen ist, der sollte weiterziehen. Wer ein neues Leseerlebnis erfahren will, welches nicht nur Jackie Fierro die Augen öffnet, der sollte bei diesem Buch ganz dringend zugreifen.

“Willkommen in Night Vale” von Joseph Fink und Jeffrey Cranor aus dem Klett-Cotta Verlag, 378 Seiten, ISBN-13: 978-3608961379

Buch bei Amazon.de: Willkommen in Night Vale
Kindle-Version: Willkommen in Night Vale

Vielen lieben Dank an den Klett-Cotta Verlag für das Bereitstellen dieses Rezensionsexemplares.

Category: Buchrezension